Kino-Beschäftigte sorgen für Aufsehen

"Großes Kino, kleiner Lohn" hieß es unter anderem, als die Kinobeschäftigten zur Berlinale am Potsdamer Platz für bessere Arbeitsbedingungen demonstrierten.
Foto: Annette Rose

Die Tarifauseinandersetzungen bei CinemaxX, Cinestar und den Berliner Yorck-Kinos haben in diesem Jahr schon für viel öffentliche Aufmerksamkeit gesorgt. Der Protest von rund 100 Beschäftigten aller drei Kinos zur Berlinale etwa zog ein breites Medienecho nach sich. Auch über die bundesweiten Warnstreiks in den CinemaxX-Kinos wird regelmäßig berichtet. Wir fassen die aktuellen Entwicklungen in den Tarifrunden zusammen.

Yorck-Kinos haben wieder einen Tarifvertrag

Freuen dürfen sich bereits die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Yorck-Kinos, denn dort konnte ver.di am 12. März in der dritten Verhandlungsrunde mit dem Arbeitgeber eine Tarifeinigung erzielen. Alle Yorck-Beschäftigten arbeiten nun ab dem 1. April wieder unter einem Tarifvertrag. Mit der Geschäftsführung vereinbart wurde eine Gehaltserhöhung von 30 Cent pro Stunde ab dem 1. September sowie eine weitere Anhebung des Stundenlohns um 15 Cent ab dem 1. März 2020. Außerdem erhalten Beschäftigte, die seit 10 und 20 Jahren im Betrieb sind, jeweils 10 Cent mehr die Stunde. Nach 18 Monaten Arbeit im Kino haben die Yorck-Kino-Mitarbeiter*innen nun zudem Anspruch auf ein Sabbatical (Sonderurlaub) von drei bis sechs Monaten, das sie für Praktika, Auslandssemester oder Diplomarbeiten nutzen können. Nicht einigen konnten sich ver.di und der Arbeitgeber dafür beim von Gewerkschaftsseite geforderten Zuschlag für die circa 30 Beschäftigten in dem neuen und offenbar sehr erfolgreichen Delphi Lux Kino.

Alle Eckpunkte zur Tarifeinigung können hier nachgelesen werden

CineStar: Arbeitgeber legt erstes Angebot vor

Bei CineStar steckt ver.di dagegen noch mitten in den Verhandlungen. In der dritten Runde am 13. März hatten die Arbeitgeber zumindest ein erstes Angebot vorgelegt, das die ver.di-Tarifkommission als „Diskussionsgrundlage für weitere Verhandlungen“ bezeichnete. Dem vorangegangen waren am 10. März Warnstreiks in den Frankfurter CineStar-Kinos. Insgesamt entspreche das Arbeitgeberangebot allerdings bei weitem noch nicht der ver.di-Forderung nach existenzsichernden Löhnen. Darüber hinaus kritisierte ver.di, dass nicht für alle genannten Forderungen auch ein Angebot unterbreitet worden sei. Konkret fordert die Gewerkschaft die Einführung neuer Berufsjahresstufen nach vier, acht, zehn, fünfzehn und zwanzig Jahren sowie die Streichung der Einarbeitungsstufe. Zudem sollen zweistellige Einstiegsgehälter verhandelt werden, eine Servicekraft ab zwei Jahren Betriebszugehörigkeit soll demnach 11,50 Euro Stundenlohn ab dem 1. März bekommen. Eine weitere Erhöhung auf 11,75 soll dann, so die ver.di-Forderung, ab dem 1. März 2020 folgen. Darüber hinaus möchte die Verhandlungskommission der Gewerkschaften eine Jahressonderzahlung in der Höhe eines halben durchschnittlichen Monatsbruttolohns vereinbaren. Ab 15 Jahren im Betrieb soll diese einen vollen Monatsbruttolohn betragen.

Die nächste Verhandlungsrunde findet am 1. April in Hamburg statt. Im Vorfeld finden weitere Warnstreiks statt so wie etwa heute ab 18 Uhr im CineStar Treptower Park.

CinemaxX: Weitere Warnstreiks vor der fünften Verhandlungsrunde

In den CinemaxX-Kinos wird bereits seit Februar immer wieder gestreikt, zuletzt etwa in Kiel, Hannover, Hamburg oder Freiburg.

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Standard. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Standard. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

ver.di hatte der Arbeitgeberseite in der vierten Verhandlungsrunde am 25. Februar ein Kompromissangebot unterbreitet, dass etwa Einstiegsstundenlöhne von 9,50 Euro für die Servicekraft und 10,50 Euro für den Service Manager vorsieht. In einer weiteren Erhöhung ab 2020 sollten die Stundenlöhne dann respektive auf 10 Euro und 11 Euro erhöht werden. Dieses Angebot lehnte die Arbeitgeberseite mit Verweis auf die wirtschaftliche Tragfähigkeit ab und hat stattdessen am 4. März ein überarbeitetes Angebot vorgelegt, über das die ver.di-Tarifkommission dieser Tage berät.

Die nächste Verhandlungsrunde findet am 26. März in Hamburg statt.

 

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Briefing-Journalismus für Experten

Seit fünf Jahren macht das Berliner Medienhaus Table.Media „Briefing-Journalismus“, vor allem für Entscheider*innen aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und NGOs. Wie funktioniert der Fachjournalismus in diesem Verlagsmodell?
mehr »

AfD-Pläne gefährden Medienpolitik

Seit über einem Jahr beraten die Bundesländer über einen Digitale-Medien-Staatsvertrag. Sie wollen die Regulierung an eine KI-geprägte Kommunikationswelt anpassen. Im Fokus steht die Sicherung von Medienvielfalt und der Schutz vor Manipulationen im Netz. Wann die neuen Regelungen in Kraft treten, ist unklar. Viel wird vom Ausgang der kommenden Landtagswahlen abhängen.
mehr »

Digitale Gewalt trifft Medienschaffende

Hassrede, Drohungen, Doxing – für die Mehrheit der Journalist*innen ist das längst keine abstrakte Gefahr mehr. Ein neues Gesetz will digitale Gewalt nun bekämpfen, blendet die Betroffenheit von Medienschaffenden aber noch aus.
mehr »

„Desinformation gefährdet Leben“

Politische Kommunikation studierte Johannes Hillje an der London School of Economics, Politikwissenschaften an der Universität Mainz. Er arbeitet als Politik- und Kommunikationsberater und ist Autor. In seinem Buch „Mehr Emotionen wagen“ beschreibt er, wie Gefühle die politische Landschaft beeinflussen. Wir sprachen mit ihm über emotionale Wahlkämpfe, journalistische Strategien und den Umgang mit Antidemokraten.
mehr »