Klares Signal

Journalisten an Tageszeitungen lassen kein Minusgeschäft zu

„Die Verlegervertreter sind stur: Sie haben kein verbessertes Angebot für eine angemessene Gehalts- und Honorarerhöhung vorgelegt und bestehen nach wie vor auf sofortigen Einsparungen durch Kürzungen beim Urlaubsgeld und der Jahressonderzahlung“, kritisierte der stellvertretende ver.di-Vorsitzende Frank Werneke den Verlauf der sechsten Tarifrunde für die rund 14.000 Redakteurinnen und Redakteure sowie Freie bei Tageszeitungen am 18. Dezember. Am 5. Februar (nach M-Andruck) wird in Düsseldorf weiter verhandelt.

In der Verhandlung zeichnete sich ab, dass der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) offenbar fest entschlossen ist, zukünftig Kolleginnen und Kollegen in einer neuen Gehaltsgruppe zu „Halbjournalisten“ zu deklassieren und dauerhaft mit niedrigen Gehältern abspeisen zu wollen. Außerdem sollen Redakteurinnen und Redakteure künftig nur noch in von den Verlagen selbst definierten Ausnahmefällen die letzte Berufsjahresstufe erreichen können. „Das würde bedeuten, dass für Kolleginnen und Kollegen mit Erfahrung und Kompetenz, selbst wenn sie sich regelmäßig weiterbilden, bei 3.500 Euro im Monat das Ende der Fahnenstange erreicht wäre, das wären gerade mal 500 Euro mehr als das jetzige Einstiegsgehalt“, so Werneke.
Streiks und Protestaktionen stärkten den Verhandelnden der Gewerkschaft auch im Dezember den Rücken. In acht Bundesländern gingen 1.000 Kolleginnen und Kollegen am 17. Dezember auf die Straße. 500 erteilten den BDZV-Vorstellungen am Verhandlungstag eine klare Absage. Anlässlich einer Kundgebung auf dem Münchener Odeonsplatz erklärte der dju-Vorsitzende Ulrich Janßen vor über 600 Streikenden aus Bayern und Baden-Württemberg: „Wir Journalisten und Angestellte haben Lust auf ein gutes Produkt und leisten dafür mit Herzblut gute Arbeit. Aber dafür wollen wir auch fair bezahlt werden.“ Die von den Verlegern geforderten Kürzungen manteltariflicher Leistungen wies Janßen scharf zurück: „Die Verlegervertreter wollen nur eins: Personalkosten sofort und langfristig kürzen. Deshalb wollen sie unseren „Mantel“ durchlöchern. Was sie ein Angebot nennen – eine Gehaltserhöhung von 1,4 Prozent erst in 2015 und vorher eine Einmalzahlung – ist schlichtweg frech. Einmal abgesehen davon, dass selbst eine solch magere Gehaltssteigerung auf Grund des sogenannten Regionalisierungskonzepts der Verleger in weiten Teilen Deutschlands nicht gezahlt werden soll.“
Das Signal sei klar: „Wir wollen bessere Arbeitsbedingungen, die Einbeziehung der Onliner in die Tarifverträge und spürbare Gehaltserhöhungen. Die streikenden Kolleginnen und Kollegen haben ganz deutlich gemacht, dass sie keinen Tarifabschluss akzeptieren werden, der auf ein Minusgeschäft hinaus läuft“, sagte Werneke.

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