Solidarität und Eigennutz

Beschäftigte der Nordwest-Zeitung gemeinsam für Haustarif

Der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske sprach am 20. Februar in Oldenburg vor der Belegschaft der Nordwest-Zeitung (NWZ). Er war einer Einladung des Betriebsrats gefolgt und besuchte anschließend auch die kämpferische Mittagspause vor dem Pressehaus. Dort demonstrierten Verlagsbeschäftigte und Journalisten gemeinsam für einen Haustarif. Mit dabei waren auch die Zusteller, die in der Zustellgesellschaft NWPP angestellt sind und nach Stücklohn bezahlt werden.

Betriebsversammlung und kämpferische Mittagspause bei der Nordwest-Zeitung Foto: Jan Lehmann
Betriebsversammlung und kämpferische Mittagspause bei der Nordwest-Zeitung
Foto: Jan Lehmann

Frank Bsirske berichtete, wie andere Belegschaften erfolgreich Tarife durchgesetzt haben. Und er machte deutlich, dass die Beschäftigten Verantwortung haben für die Arbeitsbedingungen und Gehälter. So erklärte der ver.di-Vorsitzende durchaus nüchterne Gedanken zum gewerkschaftlichen Handeln und sagte: „Gewerkschaftliche Solidarität ist intelligenter Eigennutz.“
Gewerkschaftliche Solidarität ganz praktisch zeigten Beschäftigte von WE-Druck (Etzhorn), der Nordsee-Zeitung (Bremerhaven), der Diakonie Oldenburg, CCD (Rastede) und Vertreter des ver.di-Bezirksvorstands, die die demonstrierenden Beschäftigten der Nordwest-Zeitung bei ihrer kämpferischen Mittagspause besuchten. WE-Druck ist die Druckerei der Nordwest-Zeitung und tarifgebunden.
Seit Ende Juli vergangenen Jahres ist die NWZ nicht mehr tarifgebunden. Monatelang hatten die Beschäftigten der NWZ allein dafür kämpfen müssen, dass die Geschäftsleitung sich überhaupt zu Haustarifverhandlungen mit ver.di bereit erklärte. Diese hatte bis dahin die Vorbedingung gestellt, dass die Gewerkschaften für Neueinstellungen schlechtere Konditionen vereinbaren müssten. Erst nach zahlreichen Protesten und einer Unterschriftenaktion in der Belegschaft gab es ein Einlenken. Bereits seit Jahren gibt es eine Zwei-Klassen-Belegschaft in der NWZ. In der hauseigenen Leiharbeitsfirma arbeiten rund 80 Beschäftigte. Auch alle Volontäre der NWZ werden über diese Firma außerhalb des Tarifs beschäftigt. ver.di will, dass die Beschäftigten der Leiharbeitsfirma in die Belegschaft integriert werden und ebenfalls unter den künftigen Haustarifvertrag fallen.
Die Nordwest-Zeitung wird herausgegeben von der Nordwest-Zeitung Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, einer Tochtergesellschaft der Nordwest Medien GmbH & Co. KG. Die Nordwest Medien ist ein Medienunternehmen mit zahlreichen Beteiligungen, an Rundfunk und Lokalsendern, aber auch anderen Lokalzeitungen.
Die Haustarifverhandlungen werden am 22. März fortgesetzt. In der ersten Runde am 15. Februar waren sich die Tarifparteien einig, dass ein Haustarifvertrag die Übernahme der Leiharbeitnehmer aus der NWP, die derzeit schon in Verlag und Redaktion arbeiten, als direkt in der NWZ Beschäftigte umfassen soll. Ansonsten sind die Positionen zur Ausgestaltung des künftigen Haustarifvertrages noch sehr unterschiedlich. Facebook-Gruppe „NWZ-Haustarifverhandlungen“

nach oben

weiterlesen

RBB-Freie in Aktion: „Bloß nicht geizen“

„#Wirsindnichtda“ heißt die Aktion der RBB-Freien in der Woche vor der Bundestagswahl, zu der sich bereits über 360 Kolleg*innen eingetragen haben. Zum Auftakt gab es eine Demonstration vor dem RBB-Fernsehzentrum in der Masurenallee wie schon am 1. Mai zur Aktion „#FreiimMai“. Nach wie vor geht es vor allem um Beschäftigungs- und Honorarsicherung für die vielen freien Mitarbeiter*innen, ohne die ein gutes Programm beim RBB nicht möglich ist.
mehr »

Neue Publik-Chefin

Maria Kniesburges war seit 2007 Chefredakteurin der ver.di publik und der ver.di news. 14 Jahre lang prägte sie die ver.di-Medienlandschaft. Jetzt ist sie in den Ruhestand gegangen. Ihre Nachfolgerin Petra Welzel ist seit dem 1. September im Amt. Die Kunsthistorikerin und Journalistin hat mehr als 30 Jahre journalistische Erfahrung. Seit ver.di-Gründung ist sie Chefin vom Dienst der ver.di publik, mittlerweile auch für verdi.de und verdi.tv. Sie hat entscheidend dazu beigetragen, dass sich die ver.di-Medien weiterentwickelt haben und den Herausforderungen der Gegenwart mit ihren zahlreichen Kommunikationskanälen gerecht werden. Denn die Ansprüche an Kommunikation haben sich seit der…
mehr »

Abschied von Fritz Wolf

Wir trauern um unseren Autoren Fritz Wolf. Er starb am 29. August im Alter von 74 Jahren nach schwerer Krankheit. Sein Thema war der Dokumentarfilm. Kritisch benannte Wolf immer wieder die mangelnde Wertschätzung dieses Filmgenres, die sich unter anderem in zu wenig und zu späten Sendezeiten im Fernsehen sowie in nicht ausreichender Förderung manifestierte. Mit so manchem Filmtipp in M verschaffte er einer Doku mehr Aufmerksamkeit, regte an, sie zu schauen. Fritz Wolf war auch Autor für epd medien, verfasste verschiedene Studien und war viele Jahre aktiv in Gremien des Grimme-Preises. Wir werden ihn vermissen.    
mehr »

Fairnesspreis für‘s Brücken bauen

Regisseur Henning Backhaus wurde am 3. September für seinen Kurzfilm „Das beste Orchester der Welt“ mit dem Deutschen Fairnesspreis Film und Fernsehen geehrt. „Brücken bauen“ war 2021 das Motto des von der ver.di FilmUnion und dem Schauspielverband BFFS seit 2019 gemeinsam ausgelobten Preises. Er wurde neben acht Kategorien und weiteren Spezialpreisen im Rahmen der Verleihung des Deutschen Schauspielpreises im Berliner Club Spindler&Klatt vergeben. Partner war in diesem Jahr das „Projekt Zukunft“, eine Initiative der Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe. Im ausgezeichneten Film geht es um einen Kontrabassisten – eine Socke, Ingbert Socke! Bei…
mehr »