Tageszeitungen: Urabstimmung beschlossen

Die Kunstaktion mit Einstein-Figuren auf dem Münsterplatz in Ulm wurde von den Streikenden umfunktioniert
Foto: Volkmar Könneke

Die sechste Verhandlungsrunde für die rund 13.000 Journalistinnen und -journalisten an Tageszeitungen ist in der Nacht zum 5. Juni ohne Ergebnis zu Ende gegangen. Das Angebot der Arbeitgeber war nicht annehmbar. Es hätte nicht einmal einen wirklichen Ausgleich der Inflationsrate gebracht. Noch am Tag darauf beschloss die Bundestarifkommission, eine Urabstimmung über die Intensivierung des Arbeitskampfes bis hin zu unbefristeten Streiks einzuleiten.

In den vergangenen Wochen und Monaten war bundesweit mit Engagement und Ideenreichtum gestreikt worden. Nun „bedarf es offenbar einer weiteren Eskalation, um die Verleger zu einer echten Reallohnsteigerung zu bewegen“, stellte der Verhandlungsführer der dju in ver.di, Matthias von Fintel, fest. „Das Votum der dju-Tarifkommission zeigt die Entschlossenheit der Kolleginnen und Kollegen, für mehr Geld und damit auch eine angemessene Wertschätzung zu kämpfen. Die Verleger lassen uns keine Alternative zur Verschärfung des Arbeitskampfes“, so von Fintel. Mit der Urabstimmung in den zum Streik aufgerufenen Verlagen soll so bald wie möglich gemeinsam mit dem DJV begonnen werden. Im Anschluss an die Urabstimmung sollen die Verhandlungen mit dem BDZV wiederaufgenommen werden. Die dju in ver.di fordert für die freien und angestellten Journalist_innen 4,5 Prozent mehr Geld, für den journalistischen Nachwuchs aber mindestens 200 Euro.

Nachdem bereits seit Pfingsten Redaktionen in Schleswig-Holstein und in Nordrhein-Westfalen ihre Arbeit niedergelegt hatten, sind in der letzten Maiwoche auch Redakteur_innen und freie Mitarbeiter_innen in Thüringen, Bayern, Hessen und Baden-Württemberg auf die Straße gegangen. In Bielefeld haben streikende Journalist_innen einen Flash-Mob veranstaltet, bei dem zuvor aus Zeitungsseiten gebastelte Schiffchen in drei Brunnen in der Innenstadt zu Wasser gelassen wurden. Motto der Aktion: „Redakteure im Streik – Damit Qualität nicht untergeht“. Am Neckar in Heilbronn gingen Kolleginnen und Kollegen der Heilbronner Stimme symbolisch ins Wasser: „Die Qualität geht baden!“ In Ulm haben die Streikenden eine Kunstaktion zur Erinnerung an Albert Einstein, die auf dem Münsterplatz installiert war (unser Foto), umfunktioniert, um ihrerseits an das magere Angebot der Verleger zu erinnern. In Baden-Württemberg wurde in fast 20 Redaktionen gestreikt.

Selbst im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern gab es einen von den Linken initiierte Aussprache über die Lage der Medien im Land. Anlass waren die aktuellen Vorgänge bei der zum Madsack-Konzern gehörenden Ostsee-Zeitung. Unter anderem wurden dort einen Tag vor der Wahl eines Betriebsrates 32 Mitarbeiter_innen einer Tochterfirma gekündigt, die erstmals ihre Stimme für eine  Interessenvertretung abgeben durften. Vor dem Schweriner Landtag demonstrierten unterdessen zahlreiche Beschäftigte der Ostsee-Zeitung aus Rostock gegen die schlechten Arbeitsbedingungen und für eine angemessene Erhöhung der Gehälter und Honorare.

Ausführlich unter: https://mmm.verdi.de

https://dju.verdi.de

 

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