Tarifeinigung für dpa und -Töchter erzielt

Am Vortag der Verhandlung: In vielen dpa-Büros hingen morgens rote Ballons mit einer gewerkschaftlichen Tarifinfo. Foto: ver.di

Die Unternehmensleitung der Deutschen Presse-Agentur (dpa) und die Gewerkschaften ver.di und DJV haben sich am 7. Februar 2017 in Berlin über neue Tarifregelungen verständigt. Das Tarifergebnis sieht eine lineare Gehaltserhöhung bzw. Festbeträge vor. Es gilt für alle Beschäftigten der dpa GmbH sowie der journalistischen Tochterunternehmen.

Die Deutsche Journalistinnen und Journalisten-Union (dju) in ver.di begrüßt das Verhandlungsergebnis für die rund 800 Beschäftigten der dpa GmbH und ihrer journalistischen Töchter: „Alle Kolleginnen und Kollegen bekommen rückwirkend zum 1. Januar 2017 2,8 Prozent mehr Geld, die Einstiegsgehälter in den Redaktionen der Konzernmutter werden angehoben und wir konnten eine betriebliche Altersversorgung für die Beschäftigten der Tochterunternehmen und die Angestellten der Mutter durchsetzen. Das war eine überfällige sozialpolitische Weichenstellung“, sagte die dju-Bundesgeschäftsführerin Cornelia Haß. Der Abschluss sieht vor, die Manteltarifverträge unverändert wieder in Kraft zu setzen. Es gibt aber auch spätere Sprünge in höhere Tarifgruppen, die sogenannten dpa-Dienstjahre, die eine ununterbrochene dpa-Zugehörigkeit mit früheren Tarifsprüngen belohnen, werden ab 2019 gestrichen. Dazu Haß: „Die dpa-Geschäftsführung hat tiefe Einschnitte in die Gehaltsstruktur der Mutterbeschäftigten verlangt und damit ein hohes Maß an Solidarität. Die Kolleginnen und Kollegen haben mit diesem Ergebnis gezeigt, dass sie an einem Strang ziehen und mit Aktionen sowohl im Berliner newsroom als auch in diversen dpa-Landesbüros deutlich gemacht, wie wichtig ihnen ein ausgewogenes Tarifergebnis ist. Das haben wir auch dank dieser Aktionen nun erreicht.“

Das Ergebnis im Einzelnen

Die Kernpunkte der Einigung umfassen im Einzelnen: Eine lineare Gehaltserhöhung von 2,8 Prozent ab 1. Januar 2017 mit folgenden Besonderheiten: Die Vergütungen für Volontäre und Auszubildende werden um 80 Euro brutto pro Monat angehoben. Die Einstiegs-Tarifgruppe Ia für Redakteure wird vor der linearen Erhöhung auf 3.200,- Euro brutto angehoben. Die Gehaltserhöhung beträgt mindestens 100 Euro brutto je Vollzeitstelle. Für die Tarifgruppen III, IIIa und IIIb beträgt die Erhöhung maximal 100 Euro brutto je Vollzeitstelle.

Künftig haben die Angestellten der dpa-Mutter sowie alle Beschäftigten der journalistischen Töchter Anspruch auf einen Zuschuss des Arbeitgebers zu einer paritätisch finanzierten und gesetzlich geförderten Altersvorsorge in Höhe von maximal 60 Euro pro Monat (bezogen auf eine Vollzeitstelle). Dieser Betrag steigt ab dem 1. Januar 2019 auf maximal 80 Euro. Diese Regelung gilt nur für neu abgeschlossene Verträge zur Altersvorsorge beim Presseversorgungswerk und ist erstmals zum 31. Dezember 2021 kündbar. Details werden kurzfristig ausgearbeitet.

Die Vereinbarungen zu den dpa-Dienstjahren gelten zunächst unverändert fort, entfallen aber mit Wirkung zum 31.Dezember 2018. Sie sahen bisher vor, Redakteure mit einer ununterbrochenen Zugehörigkeit zur dpa nach fünf Jahren in Gruppe IIb, nach zehn Jahren in Gruppe IIIa und – bis zum 31.12.2008 – nach 15 Jahren in Gruppe IIIb einzustufen.

Zu den dpa-Berufsjahren gilt die bisherige Regelung ebenfalls zunächst fort, wird jedoch ab 31. Dezember 2018 wie folgt geändert: Der Sprung in die Tarifgruppe Ib erfolgt künftig nach vier vollendeten Berufsjahren, der in die Tarifgruppe II nach acht vollendeten Berufsjahren sowie der in die Tarifgruppe III nach 16 vollendeten Berufsjahren.

Die Manteltarifverträge für Angestellte und Redakteure werden rückwirkend zum 1. Februar 2016 unverändert wieder in Kraft gesetzt. Die Tarifverträge laufen bis zum 31. Dezember 2018.

Die Parteien haben sich außerdem darauf verständigt, dass zeitnah Verhandlungen zum Thema Funktionszulagen und Vergütung Multimedia aufgenommen werden.

Für die aktuelle Tarifeinigung wurde ein Gremienvorbehalt bis einschließlich 6. März 2017 vereinbart. Die dju in ver.di will bis dahin auch die Mitglieder zum Tarifergebnis befragen.

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Der HR will sich sein Radio sparen

Die erst gestern in Frankfurt vom Hessischen Rundfunk (HR) vorgestellte „Radiostrategie“ entpuppe sich als Sparprogramm auf Kosten der Beschäftigten und des Programms, kritisierte die zuständige ver.di Gewerkschaftssekretärin Anja Willmann die Pläne des Senders. Der HR will künftig weniger Geld in seine linearen Radioprogramme investieren. Die frei werdenden Mittel sollen vor allem in digitale Produkte und Dialogangebote fließen.
mehr »

Buchtipp: Internet als Energiefresser

Jörg Schieb, Autor und Fachjournalist für Digitalthemen, nimmt in seinem jüngsten Buch die größten Energiefesser im Netz unter die Lupe. Neben Kryptowährungen und Künstlicher Intelligenz  gehört dazu auch das Video- und Audiostreaming, das lineare Medienprogramme zunehmend verdrängt. Anhand zahlreicher Beispiele erläutert Schieb Energieverbrauch und CO-2-Fußabdruck von Smartphone bis Netzinfrastruktur und zeigt auf, wie Digitalisierung mit Umwelt- und Klimaschutz Hand in Hand gehen kann.
mehr »

Mit Zeitschriften gegen Spaltung

Die deutschen Zeitschriftenverleger sehen die freie Presse und die Demokratie durch die zunehmende Marktmacht der Tech-Giganten Google, TikTok & Co. tendenziell in Gefahr. Auf dem Kongress des Medienverbandes der freien Presse in Berlin appellierte MVFP-Vorstandsvorsitzender Philipp Welte an die Politik, Maßnahmen für den Erhalt einer vielfältigen und unabhängigen Verlags- und Medienlandschaft in Deutschland zu treffen.
mehr »

Mexiko: Hoffnung auf mehr Pressefreiheit

Mindestens 38 Medienschaffende wurden in der Amtszeit von Präsident Andrés Manuel López Obrador in Mexiko ermordet. Ein gefährliches Land für Journalist*innen. Dass soll sich unter der frisch gewählten Präsidentin Claudia Sheinbaum ändern. Ganz oben auf ihrer Agenda steht mehr Sicherheit – auch für Medienschaffende. Hoffnung macht dabei auch der Ton, den die zukünftige Präsidentin gegenüber der Presse des Landes anschlägt. Anders als ihr politischer Mentor setzt Sheinbaum nicht auf die Konfrontation mit der kritischen Presse, sondern auf Respekt.
mehr »