Tarifergebnis für Zeitungsjournalisten angenommen

Vor der letzten Verhandlungsrunde für Redakteur_innen an Tageszeitungen am 29. Juni 2016 in Berlin Foto: Herbert Steinfurt

Mit großer Mehrheit hat die Tarifkommission der dju in ver.di am 28. Juli dem Verhandlungsergebnis für die über 14.000 Journalist_innen an Tageszeitungen zugestimmt. Im Vorfeld gab es vor allem von Streik-Aktiven Kritik am Abschluss. Daraufhin hat M Online ein Forum dazu angeboten, das von vielen genutzt wurde. Die Tarifkommission bewertete das Tarifergebnis letztlich „als realistischen Ausdruck des Kräfteverhältnisse“. Gleichfalls angenommen wurde in der Sitzung der Tarifabschluss für die 5.000 Redakteurinnen und Redakteure in Zeitschriftenredaktionen, der einen Tag zuvor, am 27. Juni, erreicht worden war.

In den Tageszeitungen gibt es für die Journalist_innen ab dem 1. Juni 2016 1,5 Prozent mehr Geld und zum 1. August 2017 nochmals 1,6 Prozent. Das Ergebnis gilt bundesweit für fest Angestellte, Freie und Pauschalisten. Der neue Gehalts- und Honorarabschluss läuft bis 2017, der Manteltarifvertrag, in dem die Arbeitsbedingungen wie die Zahl der Urlaubstage, die Höhe des Urlaubsgeldes und der Jahresleistung geregelt sind, ist unverändert frühestens zum 31. Dezember 2018 kündbar.

Die Gehälter für Redakteur_innen in den Zeitschriften werden ab dem 1. September 2016 um 1,5 Prozent und ab dem 1. September 2017 um 1,6 Prozent erhöht. Der Tarifvertrag hatte sich an den Abschlüssen der Branchen Druckindustrie und Zeitungsverlage orientiert. Es soll rückwirkend ab 1. April dieses Jahres und dann für eine Laufzeit von 25 Monaten bis Ende April 2018 gelten.

In der Sitzung der Tarifkommission wurde der Tarifabschluss für die Tageszeitungsredaktionen auch vor dem Hintergrund der Streikbewegung und der Verhandlungsstrategie von allen Seiten nochmals beleuchtet. Hunderte Streikende vor allem in Baden-Württemberg und Bayern, aber auch in Niedersachen, NRW und im Norden waren für die Anerkennung ihrer Arbeit, deren Wert sich auch in mehr Gehalt bemisst, auf die Straße gegangen. Nicht alles konnte erreicht werden und so gab es vielerorts auch Enttäuschung. Dafür gab es viel Verständnis und auch Dank an jene, die gestreikt haben. Dennoch wurde angesichts des derzeitigen Kräfteverhältnisses Realismus und Offenheit für Kritik angemahnt.

Schon im Diskussionsforum auf M Online hatten sich diverse Mitglieder der dju in ver.di zum Teil sehr kritisch mit dem Verhandlungsergebnis auseinander gesetzt. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, wie sich die Kräfteverhältnisse zugunsten der Kolleginnen und Kollegen verändern ließen in einer Verlagslandschaft, deren Tarifbindung zunehmend erodiert. Christoph Hohlfeld, Redakteur im Streikbetrieb Ostsee-Zeitung (Rostock) fordert eine „offene und ehrliche Diskussion“ und ruft zur Trendumkehr auf: „Offene und ehrliche Diskussion – ja bitte! Was „schief gelaufen“ ist, ist aber nicht der aktuelle Tarifabschluss, sondern dass es uns seit Jahren nicht gelingt, der zunehmenden Zerstörung der Tariflandschaft in unserer Branche Einhalt zu gebieten. Beispiele, dass ausgestiegene Verlage zurück in den Tarif gezwungen wurden, gibt es kaum. Zudem gibt es immer noch genug Kollegen, die nicht begreifen wollen, was die Stunde geschlagen hat. Nämlich, dass die Zeiten eines Sonderstatus in den Verlagsbetrieben lange vorbei sind und Redakteure für ihre Rechte wie jeder andere Arbeitnehmer auch kämpfen müssen. Unter diesen Rahmenbedingungen kann man den aktuellen Tarifabschluss mit etwas Realismus nur als Erfolg sehen, insbesondere, weil er auch alle norddeutschen Bundesländer einschließt – was lange auf der Kippe stand. Bei uns in Mecklenburg-Vorpommern haben sich die meisten Kollegen darüber sehr gefreut. Wären hier nicht Redakteure 3 Tage in den Streik getreten, hätte das sicher nicht geklappt. Und ebenso können wir uns bei den Kollegen bedanken, die insbesondere in BaWü, Bayern und NRW Alarm gemacht haben. Solange wir bundesweit aber keine Trendumkehr schaffen und Tarif fast im gesamten Osten sowie weiteren großen Teilen Deutschlands ein Fremdwort ist, wird es sehr schwierig bleiben.“

Über die Notwendigkeit einer Trendumkehr war sich die dju-Tarifkommission einig. Es gilt nunmehr, sie innerhalb der Laufzeiten der Tarifverträge vorzubereiten. Es wurde beschlossen, in einer „Task Force Trendumkehr“ Ideen zu entwickeln und zusammen mit Kolleginnen und Kollegen in Zeitungsverlagen die gewerkschaftliche Durchsetzungsfähigkeit voran zu bringen. Dazu sind Anregungen herzlich willkommen und können an dju-info@verdi.de  geschickt werden, heißt es in der aktuellen dju-Tarifinformation.

 

 

 

 

 

 

 

https://dju.verdi.de/ueber-uns/nachrichten/++co++784ef82c-5581-11e6-97bd-525400ed87ba

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

dpa: Streik führt zum Tarifergebnis

Die fünfte Tarifverhandlungsrunde für die rund 800 Beschäftigten der Deutsche Presse Agentur (dpa), ihrer Landesbüros und der Tochtergesellschaften im Newsroom endete am 27. März mit einem gemeinsamen Tarifergebnis von ver.di, dem DJV und der Deutschen Presse-Agentur GmbH (dpa).
mehr »

ARD: Regionaler KI-Service im Radio

Die ARD setzt im Zuge von Sparmaßnahmen auf die Zentralisation von Hörfunkmoderationen. Allerdings ging das bislang auf Kosten des Service. Im gemeinschaftlichen Radio-Nachtprogramm kommen deshalb nun KI-Stimmen zum Einsatz. Die behutsame Einführung sorgt für positive Resonanz, heißt es.
mehr »

Erneuter Angriff in Fretterode

Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di verurteilt den erneuten Angriff auf Journalist*innen im thüringischen Fretterode scharf. Nach Medienberichten wurden Reporter bei Dreharbeiten im Umfeld des Rechtsextremisten Thorsten Heise angegriffen und mit Reizstoff attackiert. Sie mussten medizinisch versorgt werden.
mehr »

ECPMF: Druck auf Journalist*innen

Anfeindungen gegenüber Journalist*innen nehmen zu, ebenso wachsen ökonomischer Druck und generell strukturelle Herausforderungen im Beruf. Wie genau sich die Belastung auswirkt, hat das European Centre for Press and Media Freedom (ECPMF) in Leipzig zusammen mit dem Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG) an der Universität Bielefeld im Rahmen einer aktuellen Studie mit dem Titel „Strapazierter Journalismus“ erhoben.
mehr »