Tarifflucht bei Springer

Beschäftigte unter Druck gesetzt

Nach der Ankündigung des Vorstandsvorsitzenden der Axel Springer AG, Matthias Döpfner, im November auch die derzeit noch tarifgebundenen Kernbereiche des Verlags in selbständige Tochtergesellschaften auszugliedern, forderte der stellvertretende ver.di-Vorsitzende Frank Werneke, für die Beschäftigten aller Konzernbereiche eine umfassende tarifvertragliche Sicherung. Nur so seien faire Arbeitsbedingungen und gerechte Entlohnung in dem hoch profitablen Konzern sicherzustellen.


„Hinter der glänzenden Fassade des digital ausgerichteten Medienunternehmens liegt allzu oft der dunkle Hinterhof niedriger Gehälter, Druck auf die Beschäftigten und Arbeitsplatzabbau“, sagte Werneke unter Berufung auf Berichte von Beschäftigten aus Tochtergesellschaften der Axel Springer AG. Als Beispiel nannte er die Siegburger allesklar.com AG, die das Internet-Anzeigenportal meinestadt.de betreibt. Dort verloren seit der Übernahme durch den Medienkonzern vor einem Jahr mehr als zehn Prozent der rund 300 Beschäftigten ihren Arbeitsplatz. Betriebsräte, die dies im Axel-Springer-Konzernbetriebsrat berichtet hatten, wurden vom Management massiv unter Druck gesetzt. In anderen Tochtergesellschaften des Konzerns würden Beschäftigte mit weniger als 1.500 Euro brutto monatlich abgespeist. Und in der Redaktionsgemeinschaft von Bild-Berlin und B.Z. arbeiteten Redakteurinnen und Redakteure mit drei unterschiedlichen Arbeitsverträgen Schreibtisch an Schreibtisch. Nur einer dieser Verträge basiere auf dem Tarifvertrag – Neueinstellungen erfolgten nur zu den deutlich schlechteren, tariflosen Bedingungen.
Wenige Wochen nach dem Abschluss eines Tarifvertrages über einen tariflichen Mindeststundenlohn von 8,50 Euro zwischen ver.di und der Leiharbeitsfirma Stark Holding GmbH hat sich die Axel Springer AG entschieden, ab dem 1. März 2014 ein Unternehmen der TABEL-Gruppe im Druckhaus Spandau einzusetzen. Nach den vorliegenden Informationen von ver.di beabsichtigt das Unternehmen TABEL nicht 8,50 Euro, sondern nur 7,50 Euro zu zahlen. Die nicht tarifgebundene TABEL Prozessdienste GmbH ist bereits mit zurzeit ca. 35 Beschäftigten in dem Axel Springer Druckhaus Spandau tätig und verfügt über keinen Betriebsrat. Nach Auffassung von ver.di handelt es sich bei dem von der Axel Springer AG beabsichtigten Wechsel des Dienstleisters von der Stark Holding GmbH zur TABEL Gruppe um einen Betriebsübergang nach § 613a BGB. Die Leiharbeitsfirma Stark Holding GmbH bestätigte die Rechtsauffassung von ver.di. Der neue Arbeitgeber TABEL wäre demnach gesetzlich verpflichtet, alle Beschäftigten mit ihren arbeitsvertraglichen Ansprüchen zu übernehmen. Das Gesetz schützt zudem die Beschäftigten ein Jahr vor Kündigungen und Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen durch den neuen Arbeitgeber. ver.di hat die Stark Holding GmbH und TABEL zu tariflichen Verhandlungen aufgefordert.

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Tariflicher Zuschlag gehört obendrauf

Onlinezuschläge können laut tarifvertraglichen Regelungen beim Bayerischen Rundfunk nicht in Tagessätze für die Honorierung von TV-und Hörfunkbeiträge eingepreist werden, sondern sind zusätzlich zu zahlen. Das besagt ein Urteil des Arbeitsgerichts München, mit dem ein arbeitnehmerähnlicher Freier vom Sender jetzt mit ver.di-Rechtsschutz eine Nachzahlung für zwei Jahre erstritt.
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VG Wort: Ausschüttung Anfang Juli 2021

209,94 Millionen Euro hat die Verwertungsgesellschaft Wort 2020 aus Urheberrechten eingenommen. Im Vorjahr waren es 156,12 Millionen Euro. Das liegt an einer Nachzahlung in Höhe von rund 60 Millionen Euro für die Vorjahre, gab Rainer Just, geschäftsführender Vorstand, auf einer rein virtuellen Mitgliederversammlung der VG Wort am 20. März 2021 bekannt. „Die Hauptausschüttung für 2020 findet Anfang Juli 2021 statt“, sagte Just.
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Die dju – ein Angebot zur Mitgestaltung

Mit dem neuen Jahrtausend kam auch für die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di einiges an Neuem. Noch bevor sie ihren 50. Geburtstag feierte, knackte sie im Jahr 2000 die 20.000-Mitglieder-Marke. 2001 kam ver.di und die dju feierte ihr halbes Jahrhundert im Retro-Look im Kölner Gürzenich. Zur 60-Jahr-Feier waren die Kolleginnen und Kollegen von Rundfunk, Fernsehen und audiovisuellen Medien in der neuen Fachgruppe Medien mit dabei. Und nun, zum 70. Geburtstag, steht der dju in ver.di wieder etwas Neues ins Haus: Ein Feiertag in Pandemiezeiten.
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Aus für Freelancer in Presse und Kultur

Clasificador Nacional de Actividades Económicas (CNAE), Register für ökonomische Aktivitäten, heißt die Liste mit 2110 Tätigkeiten, die in Kuba seit dem 5. Februar für die freiberufliche Arbeit erlaubt sind. Eine Reform mit revolutionärem Potenzial, denn bislang durften nur 127 Berufe selbständig ausgeübt werden. Auf der vier Tage später erschienenen Verbotsliste sind jedoch jedwede freiberufliche Presse-Arbeit sowie etliche Berufe in der unabhängigen Kunstszene der Insel aufgeführt.
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