Unsere Zeilen sind was wert

Gemeinsame Kampagne „Faire Zeitungshonorare“ gestartet

Es gibt einen gemeinsamen Internetauftritt, Informationsmaterial und Willenserklärungen: Die dju in ver.di und der Deutsche Journalistenverband DJV stellten am 30. September 2010 in Berlin die gemeinsame Kampagne „Faire Zeitungshonorare“ vor. Sie soll sichern, dass die seit acht Monaten gültigen Vergütungsregeln für hauptberuflich tätige freie Journalistinnen und Journalisten an Tageszeitungen in der Praxis besser greifen. Das liege im Interesse der Freien und der journalistischen Qualität.

Am Anfang stand die Kritik an mangelnder Vertragstreue. Denn die Zeitungsverleger, mit denen die Gewerkschaften zwischen 2003 und 2009 in mehr als vierzig Verhandlungsrunden den verbindlichen Honorarrahmen für die Bezahlung von Freien an Tageszeitungen ausgehandelt hatten, lassen es jetzt an der Umsetzung mangeln. Lediglich neun Tageszeitungen bundesweit halten sich an die seit 1. Februar gültigen – wahrlich nicht üppigen – Vergütungsregeln. Zumeist sind das kleinere Regionaltitel, erst zuletzt ist mit den WAZ-Titeln eine große Zeitungsgruppe auf die „Positivliste“ hinzugekommen. Es gehe prinzipiell um „die Glaubwürdigkeit der Zeitungsverlage als Vertragspartner“, wie Frank Werneke betonte. Der stellvertretende ver.di-Vorsitzende kritisierte, dass viele „noch immer unangemessen niedrige Honorare zahlen“. Angesichts des in Umfragen ermittelten durchschnittlichen Jahreseinkommens freier Texter von 16.400 Euro sei die Forderung nach „Honoraren, von denen man leben kann“, umso berechtigter. DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken mahnte die Verleger, dass „sozialverantwortliche Geschäftspolitik anders“ aussehe: ,,Professionelle freie Journalisten sind Garanten für die Qualität, die Kernkompetenz von Zeitungen.“ Auch gegen die Tendenz, sich durch nebenamtliche Schreiber das „journalistische Handwerk kaputtmachen zu lassen“, wende sich die Kampagne, die nun noch mehr Druck entfalten solle. Zudem sprach Werneke von einem weiteren „Glaubwürdigkeitsproblem“: „Wenn die Zeitungsverleger schon die gemeinsam ausgehandelten Vergütungsregeln nicht umsetzen, dann     fragen wir uns als Gewerkschaft, ob sie im Prozess um die Festschreibung von Leistungsschutzrechten verlässliche Partner sein könnten.“ Er sehe hier „einen unmittelbaren Zusammenhang“. Bekanntlich bemühen sich Verlage und Regierungskoalition um einen gesetzlichen Schutz für Presseprodukte im Internet. Auch dabei sind die Gewerkschaften mit im Boot. Aktuell seien die Verleger vor Beginn der Haushaltsplanungen 2011 mit einem Brief beider Journalistengewerkschaften daran erinnert worden, die mit den gemeinsamen Vergütungsregeln „vereinbarten Sätze als Grundlage für Aufträge und Abrechnungen heranzuziehen“. Das erfordere auch, Honorartöpfe entsprechend auszustatten.
Die jetzt gestartete Kampagne diene jedoch unter dem Motto „Unsere Zeilen sind was wert“ in erster Linie dem Ziel, die betroffenen freien Journalistinnen und Journalisten „aus der Vereinzelung herauszuholen und Bündelung zu organisieren“. Es sei unstrittig, dass die Durchsetzung des Mindestrahmens, den die Vergütungsregeln setzen, für viele Freie „eine erhebliche Verbesserung gegenüber dem Status Quo bedeuten“ würde, so Werneke. Damit die Urheber zur Durchsetzung ihrer Rechte jedoch nicht einzeln in die Auseinandersetzung mit den Verlagen getrieben würden, unterstützen die Gewerkschaften die Bildung von Freiengruppen, wie sie mancherorts – etwa bei der Badischen Zeitung – schon länger erfolgreich agieren.
Eine zweite Kampagnenebene bezieht vor allem Betriebsräte ein und fordert den „Schulterschluss für Fairness und Vielfalt“. Obwohl betriebliche Interessenvertretungen bekanntlich keine harten Mitbestimmungsrechte für Freie ausüben, gäbe es dennoch gute Gründe und Wege, sie zu unterstützen. Schließlich sollen auch die festangestellten Redakteure ermutigt werden, sich im Sinne eines „Teams Tageszeitung“ für ihre Freien stark zu machen, etwa für die Aufstockung von Honoraretats. Auch die Gewerkschaften, so wurde auf der Pressekonferenz in Berlin betont, wollen verstärkt Hilfestellung geben. Erste Aktionen seien bereits geplant. Gedrucktes Informationsmaterial und die Internetseite www.faire-zeitungshonorare.de sollen zusätzlich für Aufmerksamkeit und Vernetzung sorgen.

 

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