Ruhr Nachrichten geben Mantelredaktion auf

Screenshot: www.medienhaus-lensing.de

In Dortmund wird es ab dem Oktober dieses Jahres keine eigene Mantelredaktion einer überregionalen Tageszeitung mehr geben. Nachdem vor vier Jahren die zur Funke Mediengruppe gehörende Westfälische Rundschau ihre Redaktion entließ, kündigen nun auch die im Medienhaus Lensing erscheinenden Ruhr Nachrichten an, die eigene Mantelredaktion aufzugeben.

Künftig soll der Mantel für die Ruhr Nachrichten vom Zeitungsverlag Rubens aus Unna kommen, wo der Hellweger Anzeiger erscheint. Dazu werde das Medienhaus Lensing mit dem Zeitungsverlag Rubens eine Gesellschaft gründen, die künftig den Mantel für beide Blätter produzieren soll. Nach Kress-Informationen soll die gemeinsame Unternehmung auf Material der Rheinischen Post und des zu Madsack gehörenden Redaktionsnetzwerkes Deutschland aus Hannover zugreifen können. Das neue Redaktionsnetzwerk Westfalen (RNW), an der beide Verlage zu gleichen Teilen beteiligt sind, soll auch für andere Partner offen sein, heißt es in einer Mitteilung. Zusätzlich gründe der Dortmunder Verlag eine lokale Content-Agentur, die Themen recherchieren soll, die in allen lokalen Ausgaben verwendet und lokal ergänzt werden können. Die nicht mehr benötigten Redakteure aus der jetzigen Mantelredaktion sollen die sechs Lokalredaktionen des Medienhauses in Castrop-Rauxel, Dortmund, Lünen, Schwerte, Selm mit Nordkirchen und Werne mit Herbern verstärken.

„An jedem der sechs Standorte wird ab Herbst mindestens ein Redakteur mehr arbeiten“, verspricht ein redaktioneller Beitrag der Ruhr Nachrichten. Mehr noch: „Diese lokale Offensive ist Teil eines umfassenden Investitionsprogrammes.“ Immerhin soll die Neustrukturierung „keinen Arbeitsplatzabbau zur Folge haben“. Und die zahlreichen BVB-Fans in der 600.000-Einwohner-Stadt werden beruhigt: Der allgemein sehr gut informierte Mantelsport werde in Dortmund bleiben.

Die Zusammenarbeit zwischen den Verlagen Lensing und Rubens verwundert nicht sonderlich. Hans-Christian Haarmann, der geschäftsführende Gesellschafter des Zeitungsverlags Rubens, ist seit September 2014 auch Geschäftsführer im Medienhaus Lensing und hat dort die operativen Aufgaben von Herausgeber Lambert-Lensing Wolff übernommen. Für den Dortmunder Medienwissenschaftler Horst Röper ist der Bezug des Mantels von Nachbarverlagen „in der Branche seit Jahrzehnten gelebte Praxis“. Ungewöhnlich bei diesem Deal sei allerdings, dass der kleine Verlag den großen Verlag beliefere. „Normal ist das umgekehrt. Ungewöhnlich ist auch, dass die Redaktion künftig gleich von zwei weiteren Redaktionen (Rheinische Post, Madsack) Material beziehen soll.“ Man dürfe auf das Ergebnis gespannt sein. In einem längeren Radio-Interview mit dem WDR-Medienmagazin bezweifelt Röper, dass die Verstärkung der Lokalredaktionen von Dauer sein wird.

Fabian Trelle, der zuständige verdi-Gewerkschaftssekretär in Dortmund, erwartet durch die Schließung der RN-Mantelredaktion noch mehr Eintönigkeit der Zeitungslandschaft in NRW: „Lensing-Wolfff stellt es so dar, dass dadurch die Lokalredaktionen gestärkt würden. Durch die Produktion des Mantels in einer Gemeinschaftsredaktion wird allerdings das Gesamtprofil eines Blattes verwässert.“ Die politische Positionierung und Kommentierung eines Blattes zu landes- und bundespolitischen Themen und die Einordnung des Weltgeschehens fände nun mal im Mantel statt. „Da beißt sich die Katze in den Schwanz“, so Trelle. Früher sei den Lesern die politische Ausrichtung der Blätter noch klar oder zumindestens eine Zuordnung möglich gewesen. Wenn immer mehr Tageszeitungen mit identischen Mänteln erscheinen, fördere das eine gewisse Beliebigkeit und schmälere die Vielfalt. „Den Zeitungsstandort Dortmund stärkt diese Maßnahme jedenfalls nicht.“ Positiv bewertet Trelle, dass die Neustrukturierung ohne Arbeitsplatzabbau erfolgen soll, was allerdings kritisch beobachtet werden müsse.

 

 

 

 

 

 

nach oben

weiterlesen

Arbeiten in einem Klima der Angst

Die systematische Hetze gegen Journalistinnen und Journalisten hat dazu geführt, dass Medienschaffende zunehmend in einem Klima der Angst arbeiten – vor allem in Ländern, in denen sie sich bisher im weltweiten Vergleich eher sicher fühlen konnten, stellt Reporter ohne Grenzen (ROG) mit der Veröffentlichung seiner Rangliste der Pressefreiheit 2019 fest. Auch in Deutschland ist die Zahl der tätlichen Angriffe gegen Journalistinnen und Journalisten 2018 gestiegen.
mehr »

USA: Mit Mega-Fusionen gegen neue Player

Im Kampf um Kunden rücken die ganz Großen enger zusammen. Mit Mega-Fusionen überbieten sich die Konzerne im US-Milliarden-Medien-Business und agieren mit diesen  Bündnissen immer fokussierter gegen die neuen Player am Markt wie Netflix oder Amazon. Die von der Medienpolitik einst bewusst eingeführten Grenzen zwischen Inhalteanbietern auf der einen und Telekommunikationsunternehmen auf der anderen Seite lösen sich auf.   
mehr »

Regisseurinnen mit Haltung und Rückgrat

Spannende feministische und politische Spiel- und Dokumentarfilme zu inszenieren, die das Publikum inspirieren, weiterbilden und begeistern, reicht nicht. Ein Hauptbetätigungsfeld der Regisseurinnen ist stets der Kampf um Akzeptanz bei Filmförderungen, Produktionsfirmen, Sponsoren, Filmverleihern und TV-Redaktionen. Das wurde beim 36. Internationalen Frauenfilmfestival (IFFF) vom 9. bis 14. April in Dortmund in den Kinosälen diskutiert.
mehr »

Cannes: Der Hype um Short Form-Videos

Rund 40 Prozent des weltweiten Traffics beim mobilen Internet gehen auf das Konto von YouTube. Das ist nur ein Beispiel dafür, welche immensen Mengen an Videos weltweit über mobile Endgeräte konsumiert werden. Dieses Potential haben auch die Profis immer mehr im Blick. Zum Beispiel auf der größten Fernsehmesse der Welt MIPTV in Cannes, die gerade zu Ende gegangen ist. „Short Form“ war eines der wichtigen Themen auf dem Programmmarkt.
mehr »