Verurteilung wegen Beleidigung im Netz

Wegen volksverhetzender und beleidigender Äußerungen auf Facebook wurde ein 65-Jähriger aus Oberbayern gestern vom Amtsgericht Traunstein zu einer Geldstrafe in Höhe von 2200 Euro verurteilt. ZDF-Moderatorin Dunja Hayali hatte gegen den Mann Strafantrag wegen Beleidigung gestellt.

Es war ein anderer Facebook-Nutzer, der ein Screenshot des von dem Rentner aus Waging am See Geschriebenen an die Polizei schickte. Die Staatsanwaltschaft ermittelte daraufhin und fand pauschale Hetze gegen Flüchtlinge, die der Mann unter anderem als „Invasoren“ und „rapefugees“ bezeichnet und ihnen das Menschsein abgesprochen habe. Außerdem beschimpfte er den sächsischen Ministerpräsidenten Tillich und beleidigte die ZDF-Moderatorin Dunja Hayali, die er unter anderem als „elende, dreickige Systemnutte“ bezeichnete. Hayali stellte daraufhin Strafantrag.

Das Amtsgericht Traunstein sah die Vorwürfe gegen den Rentner als erwiesen an und verurteilte ihn am 20. April wegen Volksverhetzung und der Beleidigung der Moderatorin zu 110 Tagessätzen von je 20 Euro, insgesamt also 2.200 Euro (Az. 510 JS 54808/16). Er muss auch die Kosten des Verfahrens tragen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Laut Bayerischem Rundfunk bestritt der Mann zu Beginn der Verhandlung den Vorwurf der Volksverhetzung. Er habe lediglich rhetorische Fragen gestellt und in Facebook-Gruppen geschrieben, von denen er nicht wusste, ob sie öffentlich einsehbar waren. Die Beleidigungen gegenüber Hayali räumte er ein. Er habe sich geärgert, weil im öffentlich-rechtlichen Rundfunk immer auf Leute wie die AfD-Politikerin Frauke Petry eingeschlagen werde. Vor Gericht kündigte der Mann an, sich auch künftig gegen eine Schlechterstellung von Deutschen gegenüber Flüchtlingen wehren zu wollen. Doch er werde das nicht mehr mit Beleidigungen tun, berichtet BR24.

Es war nicht das erste Mal, dass sich die ZDF-Moderatorin erfolgreich juristisch gegen Netz-Äußerungen zur Wehr setzte. Im Februar 2016 hatte das Landgericht Hamburg per einstweiliger Verfügung einem Nutzer beleidigende Hasskommentare auf der Facebook-Seite von Hayali untersagt und bei Zuwiderhandlung ein Ordnungsgeld von bis zu 250.000 Euro festgesetzt.

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Francis Farrell: Berichten vom Krieg

Der Journalist Francis Farrell berichtet seit über vier Jahren als Kriegsreporter für The Kyiv Independent von der Front des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Die englischsprachige Online-Zeitung wurde Ende 2021 gegründet. 2023 erhielt Farrell den Bayeux Calvados-Normandy Award for War Correspondents in der Kategorie Young Reporter für seine Berichterstattung des Kampfes um Bachmut im Osten der Ukraine.
mehr »

Rundfunkbeitrag vor dem Verfassungsgericht

Am heutigen Dienstag (23. Juni 2026) verhandelt das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe über den Rundfunkbeitrag. ARD und ZDF hatten im Herbst 2024 Verfassungsbeschwerde eingereicht, weil die Ministerpräsident*innen  der Länder die zu 2025 fällige Beitragserhöhung in Höhe von damals 58 Cent nicht freigegeben hatten, was dem verfassungsrechtlichen Verfahren widersprach.
mehr »

Vertrauen in Nachrichten stabil

59 Prozent der Menschen im Alter ab 18 Jahren, die in Deutschland online sind, schauen mindestens einmal pro Woche auch noch lineare TV-Nachrichten. Das ist eines der Erkenntnisse aus dem kürzlich veröffentlichten Reuters Digital News Report. Insgesamt ist das Vertrauen in Nachrichten in Deutschland mit 46 Prozent stabil.
mehr »

Journalistin aus Haft entlassen

Am vergangenen Freitag konnte Eva Maria Michelmann nach über 150 Tagen Haft in syrischen Gefängnissen nach Deutschland zurückkehren. Sie war am 18. Januar 2026 in der nordsyrischen Raqqa verschwunden. Ihr Kollege Ahmet Polad ist aber weiterhin im Gefängnis.
mehr »