Facebook-Pläne rufen Verleger auf den Plan

Foto: 123rf.com/ginasanders, rvlsoft. [M]

Der Social-Media-Riese will seinen Nutzern weniger Artikel etablierter Medien anzeigen. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg begründet dies mit einem verbesserten Nutzungserlebnis: Künftig sollen Beiträge von Bekannten und Freunden der Nutzer bevorzugt werden. Verleger kritisieren die Kurswende und fordern eine Regulierung des Internet-Konzerns und seiner Algorithmen. Wann die Neuausrichtung tatsächlich stattfinden soll, ist aber noch unklar.

Mark Zuckerberg hatte den bereits im Vorfeld erwarteten Schritt in einem Beitrag auf Facebook angekündigt: „In jüngster Zeit haben wir Rückmeldungen unserer Community bekommen, dass öffentliche Postings von Geschäften, Marken und Medien die persönlichen Inhalte verdrängen“, erklärte er dort.

Im sogenannten Newsfeed zeigt Facebook seinen mittlerweile zwei Milliarden Nutzern die Artikel von Freunden und abonnierten Facebook-Seiten nicht chronologisch an, sondern stellt per Algorithmus den Lesern eine individuelle Auswahl zusammen. Durch das jetzige Rückstufen von Nachrichtenquellen können viele Verlage künftig voraussichtlich weniger Leser erreichen, wenn sie Facebook nicht für die Verbreitung der Artikel bezahlen.

Nachrichtenartikel werden allerdings nicht ganz aus dem Facebook-Newsfeed verschwinden. Künftig sollen aber Beiträge bevorzugt werden, die eine „bedeutsame soziale Interaktion“ begünstigten – als Beispiel nennt Zuckerberg Sportübertragungen. Facebook hatte die veränderten Newsfeed-Algorithmen bereits in einigen Ländern erprobt. Wann die Umstellung in den USA und in Deutschland erfolgt, ist aber noch unklar.

Stephan Scherzer, Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ), zweifelt daran, dass Facebook mit der Neuorientierung lediglich das Gemeinschaftsgefühl der Mitglieder verbessern wolle: „Marc Zuckerberg ist nicht der Säulenheilige des Silicon Valley, sondern optimiert das Nutzungserlebnis des marktbeherrschenden sozialen Netzwerks so, dass die Rendite steigt und die Nutzer im Netzwerk mehr Zeit verbringen“, meint Scherzer. Auch der Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) dringt auf eine strengere Regulierung des Internetkonzerns: „Die Auffindbarkeit von Inhalten der Zeitungshäuser muss bei marktdominanten Anbietern durch Maßnahmen zur Sicherung der Plattform- und Suchmaschinenneutralität sichergestellt werden“, heißt es in einer Stellungnahme.

In den vergangenen Jahren hatte Facebook noch um die Zusammenarbeit mit etablierten Medien geworben, indem man zum Beispiel das Format „Instant Articles“ etablierte – allerdings mit beschränktem Erfolg. Im vergangenen Jahr geriet der Konzern immer mehr in die Kritik, weil er die Verbreitung von Falschmeldungen begünstigte und über seine Werbeanzeigen die Manipulation von Wahlkämpfen ermöglichte. Branchenbeobachter vermuten, dass Facebook mit der Neuausrichtung der Kritik am eigenen Geschäftsmodell begegnen und zugleich die Ausweitung auf den chinesischen Markt begünstigen will.

 

 

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Kürzt Sachsen bei Pressefreiheit?

Dem Europäischen Zentrum für Presse- und Medienfreiheit (ECPMF) in Leipzig droht laut epd Medien erneut eine Kürzung seiner Zuschüsse aus dem sächsischen Staatshaushalt. Für die beiden Jahre 2027 und 2028 sei im Entwurf für den Doppelhaushalt eine Förderung von jeweils 120.000 Euro vorgesehen, so die Sächsische Staatskanzlei gegenüber epd.
mehr »

Mehr zuhören, weniger zuspitzen

Der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen appelliert an den Journalismus, sich mehr auf gute Gespräche zu fokussieren. Er sieht die Zukunft des Journalismus eher im Moderieren als im Zuspitzen. Das sei in seinen Augen auch die einzige Chance, dass unabhängiger und seriöser Journalismus überhaupt weiter bestehen könne. Die Beziehung zwischen Publikum und Journalismus müsse neu definiert werden.
mehr »

Alles von Relevanz statt Kessel Buntes

Das Programmschema des Radiosenders Deutschlandfunk (DLF) soll zum 30. November 2026 grundlegend reformiert werden. Die Fachmagazine zu Religion, Europa, Umwelt, Literatur, Naturwissenschaften, Wirtschaft und Medien sollen wegfallen. Eine Petition wendet sich gegen die geplante Programmreform des Deutschlandfunk. Auch freie Mitarbeiter*innen üben Kritik.
mehr »

Marktmacht von Big Tech begrenzen

Ver.di begrüßt das Vorhaben der Rundfunkkommission der Länder, die Vorherrschaft der Tech-Giganten und ihren Einfluss auf die öffentliche Meinungsbildung einzuhegen. Google, X, Meta, TikTok & Co. bis zur Auftrennung ihrer Geschäfte zu bringen, ist im ‚Digitale Medien-Staatsvertrag Teil 2‘ als Möglichkeit angelegt. Werbevermarktung oder Inhalteverbreitung müssten dann für Drittanbieter geöffnet werden.
mehr »