TV-Komiker im Dienst für die bessere Welt

Comedian Omri Marcus bei seinem Vortrag. Foto: Wilfried Urbe

Der Humor wird ernster: Das ist wohl eine der wichtigen Nachrichten, wenn es um aktuelle Tendenzen des Witzgewerbes geht, und eines der wichtigsten Ergebnisse der Programm-Fachtagung „Was gibt’s zu lachen?“. Grimme-Akademie und Next Step Next Crossmedia hatten dazu in Kooperation mit Prime Productions und Unique Media Entertainment TV-Experten, Fernsehmanager, Produzenten und Comedians für den 13. Februar ins Studio der „Heute-Show“ eingeladen.

TV-Komiker im Einsatz für eine bessere Welt? Omri Marcus gründete 2016 die Konferenz „Comedy for a Change“, die seitdem regelmäßig in Jerusalem stattfindet. Das Ziel: die Welt mit Humor etwas besser zu machen. Bei seine Keynote in Köln präsentierte er Ausschnitte, wie sich israelische und palästinensische Komiker auf ihre ganz eigene Art mit dem Nahost-Konflikt auseinandersetzen. Und er wies auf ein Format hin, bei dem zahlreiche Trump-Parodisten aus aller Welt zusammengebracht wurden. Ungewöhnlich auch der Blick auf eine belgische Sendung: Ein Entertainer hatte eine Woche mit Behinderten verbracht und sie dann in seine Show eingeladen. Der Überblick, den Marcus gab, war unterhaltsam, skurril, berührend – stimmte aber auch nachdenklich: „Wir müssen unsere Moralität in Takt halten und uns auf die Seite der Schwachen stellen“, bekannte der Israeli. Comedians seien sowieso Menschen, die vielleicht aufgrund eigener Erfahrungen dafür sensibilisiert sind, die Nöte anderer besser wahrnehmen.

Tatsächlich informiert sich besonders das jüngere TV-Publikum gerne auch mittels satirischer Sendungen über das politische Weltgeschehen. „Die reinen Nachrichten sind eher verstörend“, sagte Comedian Till Reiners, „das Publikum wünscht auch eine Haltung, eine Bewertung.“ Die Grundlage für diese Art von Humor, so analysierte Jochen Voß, Geschäftsführer der Next Step Next Crossmedia GmbH, seien die „turbulenten“ Zeiten: „Dadurch entsteht Reibung und das ist für Comedy immer gut, weil sich Angriffsfläche bietet.“

Comedy for Future

So hat TV-Produzent Wolfgang Link gemeinsam mit anderen den Verein „Comedy for Future e.V.“  gegründet, der eine Veranstaltung organisiert: 17 bekannte Künstler, darunter Jacqueline Feldmann, Matze Knop, Markus Krebs, Benaissa Lamroubal, Tobias Mann, Michael Mittermeier, Atze Schröder und Olaf Schubert, werden sich im Frühjahr zur Publikumsveranstaltung „Comedy for Future“ versammeln. Jeder der Kabarettist*innen wird sich einem der 17 Nachhaltigkeitsziele, die von den Vereinten Nationen festgelegt worden sind, auf ganz persönliche Art widmen. Alle Künstler verzichten auf ihre Gage, die Erlöse sollen Institutionen sowie Organisationen zu Gute kommen, die sich für die UN-Ziele einsetzen. „Mit dem erhobenen Zeigefinger kann man hier wenig erreichen“, stellte Link fest. Es gelte aber trotzdem, die Problematik im Bewusstsein der Menschen zu verankern, um den Planeten zu erhalten: „Und da ist Humor wohl eines der besten Vehikel.“

Was übrigens das Nachhaltigkeitsziel „Geschlechtergleichstellung“ angeht, so hat die Comedy-Branche selbst einigen Nachholbedarf. Elke Thommessen vom WDR forderte die Realisierung des „Traumziels“ von „50:50“, das noch lange nicht erreicht sei: „Es ist wichtig, dass auch in den Medien unsere Gesellschaft abgebildet wird.“ Das starke Ungleichgewicht wurde von Damaris Sánchez Parellada aus der Formatentwicklung Show ZDF/Funk bestätigt: „Sitcoms werden immer noch meistens von Männern geschrieben.“ Und Mariella Tripke, Autorin unter anderem für „Kroymann“ und „Pussyterror“, beklagte den rüden Umgang im Netz, den Komikerinnen viel stärker erleiden müssten als ihre männlichen Kollegen.

Erfreut schaut die Branche dagegen auf die erweiterten Verbreitungsmöglichkeiten dank Internet und sozialen Medien. Den Erfolg des Live-Stream-Kanals „Rocket Beans TV“ etwa beschrieb Creative Director Anja Räßler, während Thomas Weigel über sein „Retroangebot“ berichtete: „Wisst ihr noch?“ sei einer der meist gesehenen Kanäle auf Facebook.

 

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