RSF setzt Zeichen zur Fußball-WM in Katar

Symbolfoto: 123rf

Kneipe und Fußball, das gehört für viele zusammen. Doch in diesem Jahr trinkt sich das Bier vermutlich nicht ganz so unbeschwert. Anlässlich der Fußball-WM der Männer will Reporter ohne Grenzen (RSF) mit Bierdeckeln auf massive Einschränkungen der Pressefreiheit und Menschenrechtsverletzungen in Katar aufmerksam machen. „Die beste Abwehr gegen Diktatur: Pressefreiheit“ ist auf den Deckeln zu lesen. Sie werden nun in Kneipen und Restaurants in Berlin und anderen Städten verteilt.

Bierdeckel für die Pressefreiheit Foto: RSF/Max Schlag

Mit der Aktion will RSF daran erinnern, dass ein sportliches Großereignis wie die Fußball-WM nicht dazu benutzt werden darf, von Menschenrechtsverletzungen abzulenken. „Die WM in Katar wurde nur durch den enormen Reichtum des Gastgeberlandes auf der einen und durch bei unmenschlichen Bedingungen schuftende Gastarbeitende auf der anderen Seite möglich“, sagt RSF-Geschäftsführer Christian Mihr. „Um diese Zusammenhänge zu verstehen, brauchen wir freie Berichterstattung – jetzt und vor allem auch nach der WM.“

RSF verweist in einer Pressemitteilung darauf, dass Katar in den vergangenen Jahren zwar durchaus auf Kritik reagiert und etwa im Bereich der Arbeitsrechte Reformen angestoßen habe. Medien und Nichtregierungsorganisationen hätten jedoch immer wieder angemerkt, dass diese Reformen in der Praxis viel zu selten umgesetzt werden. Und im Bereich der Pressefreiheit habe sich grundsätzlich wenig verbessert.

Gefahr der digitalen Überwachung

Dafür seien die offiziellen Regeln zur Berichterstattung über die Fußball-WM ein deutliches Beispiel: Als Bedingung für den Erhalt einer Akkreditierung mussten Medienschaffende akzeptieren, nicht in „Wohnhäusern, Privatunternehmen und Industriegebieten“ zu filmen oder zu fotografieren. Doch das seien laut RSF genau die Orte, an denen es zu Verstößen gegen die Rechte von Gastarbeitenden komme.

Nach Protest von RSF und anderen Organisationen habe das katarische WM-Komitee diese Vorgaben offiziell gelockert. Doch auch hier bleibe die praktische Umsetzung willkürlich, kritisiert RSF. Die Organisation verweist auch auf die Gefahr der digitalen Überwachung: Katar werde verdächtigt, Hacker damit beauftragt zu haben, kritische Journalist*innen zu bespitzeln.

Generell sei die Situation für Journalist*innen in Katar schwierig, so RSF. Auf der Rangliste der Pressefreiheit steht das Land auf Platz 119 von 180 Staaten. Seit vielen Jahren habe der Gesetzgeber das Recht, jegliche Berichte vorab zu zensieren – auch wenn er dieses Recht selten anwende. Das sei auch nicht nötig: Ein Gesetz gegen Internetkriminalität verbiete angebliche Verstöße gegen soziale Normen. Auf die Verbreitung von „Falschnachrichten“ stünden mehrere Jahre Haft, unabhängige Nachrichtenportale können nur in engen Grenzen arbeiten. Mehrere Themen seien ohnehin tabu, etwa Berichte über die Unterdrückung oder die bloße Existenz von LGBTIQ-Menschen.

Auch der in Doha ansässige TV-Sender Al-Dschasira sei nicht gerade ein Vorkämpfer der Pressefreiheit: „Generell ist Al-Dschasira streng auf Regierungslinie und arbeitet für die Interessen des katarischen Herrscherhauses“, heißt es in der RSF-Mitteilung.

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Israel vor der Parlamentswahl

Wenn nächste Woche in Israel die Wahllokale öffnen, stimmen rund 7,3 Millionen Wahlberechtige über mehr ab, als nur die Verteilung von 120 Parlamentssitzen. Es ist die erste Wahl nach dem Terrorangriff 2023. Seitdem wurde auch die Pressefreiheit erheblich eingeschränkt.
mehr »

Angriff auf die letzten kritischen Medien

Am Zeitungskiosk in Belgrads Innenstadt scheint mit der großen Auswahl an Magazinen und Zeitungen noch Medienvielfalt zu herrschen. Doch dieser Eindruck täuscht: Die meisten Printprodukte und Fernsehsender stehen Machthaber Aleksandar Vučić nahe. Unabhängiger Journalismus gerät zunehmend unter Druck.
mehr »

Auch Faktenchecker streichen Stellen 

Correctiv ist spätestens seit der Enthüllung zu einem Geheimtreffen von rechtsextremen Akteuren im November 2023 in Potsdam deutschlandweit bekannt. Die Faktenchecker aus Essen und Berlin haben in Folge der Berichterstattung über einen „geheimen Masterplan“, auch „zur Ausweisung von deutschen Staatsbürgern“, gegen die es Unterlassungsklagen und Gerichtsurteile gibt, Massenproteste gegen die AfD, Ausgrenzung und Rassismus ausgelöst.
mehr »

ZDF: Mehr Barrierefreiheit dank KI

„Ein ZDF für alle“ – so lautet seit 2022 das Zielbild des öffentlich-rechtlichen Senders. Damit will das ZDF unter anderem auf die veränderte Mediennutzung, die digitale Transformation und eine zunehmend fragmentierte Öffentlichkeit reagieren. Dazu gehört auch, bis 2028 barrierefreie Angebote auszubauen. Dabei will das ZDF nun stärker auf KI setzen.
mehr »