Protest gegen BR-Reformpläne

Kulturschaffende und Journalist*innen protestieren gegen die anstehende Programmreform im Bayrischen Rundfunk. Foto: Störfunk

Rund 200 Menschen haben am vergangenen Montag vor dem Hochhaus des Bayerischen Rundfunks (BR) in München gegen eine geplante Programmreform des Senders im Kulturbereich demonstriert. Die Initiator*innen werfen der öffentlich-rechtlichen Anstalt vor, dass mit der Reform im kommenden Jahr »mehrere Stunden eigenständiges Kulturprogramm« verschwinden sollen. Auch ver.di beteiligt sich an den Protesten.

In einem offenen Brief der Initiative „Störsender“ an den BR, unterschrieben unter anderem von Konstantin Wecker, Michael Mittermeier oder Doris Dörrie, kritisieren Kulturschaffende die geplante Reform. Der BR plant im Frühjahr 2024 eine umfangreiche Programmreform, bei der besonders im Rundfunkprogramm Bayern 2, das der Sender selbst „Kulturradio“ nennt, mehrere Stunden Kulturprogramm ersatzlos gestrichen werden sollen. So soll es künftig keine Sendung mehr geben, die wöchentlich über das literarische Leben in Bayern und dem Rest der Welt berichtet.

Die Sendung „Kulturjournal“ soll ebenfalls eingespart werden sowie andere Formate, die sich mit der Arbeit von Künstler*innen, Musiker*innen, Theaterleuten aller Art und Architekt*innen befassen – kurz: alles, was in den weiten Bereich der Kulturberichterstattung zählt. Die Inhalte sollen laut einer Pressemeldung ver.di in anderen Formaten aufgehen oder „mitbehandelt“ werden.

ver.di kritisiert die Reformpläne

Für Franz Kotteder, dem Vorsitzenden der bayerischen Landesfachgruppe Medien in ver.di. steht die Reform im Widerspruch zum Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Bayern. „Inhalte, die im Privatradio sowieso keinen Platz haben, werden nun offenbar auch im Bayerischen Rundfunk als weitgehend überflüssig betrachtet. Gerade im öffentlich-rechtlichen Radio aber sollte Kultur nicht etwas sein, was so nebenbei mitläuft, wenn noch Platz frei ist“, so Kotteder.

Noch im November 2021, zur Hoch-Zeit der Pandemie, hatte Intendantin Katja Wildermuth eine „Kultur-Offensive“ ihres Senders ausgerufen, um Kunst und Kultur zu unterstützen. Davon ist nun offenbar keine Rede mehr.

Im Oktober sollen Details der Programmreform in einer erweiterten Sitzung des Programmausschusses den Aufsichtsgremien des  BR vorgestellt werden.

 

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Zwischen Abendprogramm und Algorithmus

Die aktuelle ARD/ZDF-Medienstudie zeigt eine Mediennutzung ohne Wachstum. Ältere bleiben beim linearen TV-Programm, Jüngere wechseln zu digitalen Plattformen und KI-Tools. Für Sender und Redaktionen verschärft sich damit ein zeitlicher Wettbewerb, den Reichweitenzahlen allein nicht mehr abbilden.
mehr »

Mentale Belastungen im Journalismus

Immer mehr Journalist*innen fühlen sich in ihrem Beruf unwohl. Der Druck ist in den vergangenen Jahren enorm gestiegen. Zum einen werden Menschen, die journalistisch tätig sind, über Hasspostings in den sozialen Medien angefeindet. Zum anderen steigt der interne Druck durch Arbeitsverdichtung und Vorgesetzte. Mit Helpline bietet „Netzwerk Recherche“ seit einigen Jahren ein telefonisches Gesprächsangebot – anonym, vertraulich und kostenlos.
mehr »

Der WDR halbiert sich selbst

Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) hat heute weitreichende Pläne zur Verknappung des Programmangebots, Stellenstreichungen und Beschäftigungsabbau für freie Mitarbeiter*innen bekanntgegeben. Dies betrifft zunächst 76 noch nicht genannte Programmangebote und bis 2030 eine Halbierung der bisher 600 Programmformate. ver.di kritisiert die massiven Einschnitte.
mehr »

VG-Wort: Die fetten Jahre sind vorbei

In diesen Tagen bekommen Urheber*innen wieder Post der VG Wort: die Mitteilungen über die zweite jährliche Ausschüttung, der so genannte Mitteilungsbrief. Für Journalist*innen bedeutet das hauptsächlich die Tantiemen für im Internet veröffentlichte Texte, die sogenannte METIS-Ausschüttung.
mehr »