Anteil von Frauen in Führung sinkt

Grafik zur Geschlechtergerechtigkeit

Foto: 123rf

Nach Jahren positiver Entwicklung sinkt der Anteil von Frauen in Führungspositionen im Journalismus das zweite Jahr in Folge. Der Verein Pro Quote hat eine neue Studie erstellt. Besonders abgeschlagen sind demnach Regionalzeitungen und Onlinemedien, mit Anteilen von knapp 20 Prozent und darunter. Aber auch im öffentlichen Rundfunk sind zum Teil unter ein Drittel des Spitzenpersonals weiblich.

Der Quervergleich unter neun Tages- und Wochenzeitungen zeigt, dass Frauen an der Spitze von Medien, die sich bei politisch progressiven Ansichten verorten lassen (Spiegel, Zeit, Süddeutsche Zeitung, Stern) höher repräsentiert sind, als bei jenen mit bürgerlich-konservativer Ausrichtung (FAZ, Focus, Bild, Welt).

Rundfunk vor Zeitung und Online

Im Regionaljournalismus sind die Führungspositionen noch einmal deutlich homogener besetzt: Von 109 gezählten Chefredakteur*innen sind 86 männlich. Gemeinsam mit den Stellvertreter*innen entspricht das einem Frauenmachtanteil von 22 Prozent. Anders als bei großen überregionalen Medien sind diese Angebote inzwischen häufig die einzige Quelle für professionellen Journalismus über Landespolitik und Kommunen.

Beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk haben in den oberen beiden Hierarchiestufen acht von dreizehn Sendern einen Frauenanteil von fast 50-Prozent oder höher. Im Mittel liegt er bei 53 Prozent. Trotzdem fallen einzelne große Sender, wie der NDR, die Deutsche Welle und das Deutschlandradio mit Anteilen von nur 25 bis 33 Prozent auf. Die Programme von RTL verantworten ebenfalls nur 33 Prozent Frauen. Beim zweiten untersuchten Privatsender ProSiebenSat.1 ist die Führung ausschließlich männlich. Ebenfalls wenig Macht haben Frauen in den Redaktionen der 34 ausgewerteten privaten Radiosender, mit einem Frauenanteil von im Mittel knapp 12 Prozent.

Die Führung bei Onlinemedien, Newsseiten bekannter Zeitungen, reine Onlinenachrichten oder Special-Interest-Seiten zu Gesundheit, Sport, Familie oder Technik, sind ebenfalls kein Vorbild in geschlechtergerechter Führung. Im Mittel erreichen die 30 reichweitenstärksten Onlinemedien einen Frauenmachtanteil von nur 16,7 Prozent: Der geringste Wert innerhalb der fünf untersuchten Medienformen.

Nur bei Lifestyle und Gesundheit vorn

Durch mehrere Titel im Bereich Frauen, Lifestyle und Gesundheit liegt der Frauenanteil bei 44,3 Prozent. Felder wie Politik, Nachrichten und Wissen sind weiterhin männlich dominiert. Dazu besteht ein anhaltender Trend, Titel zu Multifunktionschefredaktionen zusammenzulegen – diese sind auffallend häufig männlich besetzt. Als Hintergrund: Sinkende Zahlen von Leserinnen und Lesern und der resultierende Sparzwang haben die Strukturen bei Zeitschriften verändert.

Zahlen zeigen: Es mangelt an Gerechtigkeit

Es geht um eine gerechte Verteilung von Chancen und beruflicher Perspektiven für Frauen im Journalismus, so Pro Quote. Aber gleichzeitig entscheide geschlechtergerechte Führung – neben geografischer Herkunft, sozialer Herkunft, sexueller Orientierung und Erfahrung von Behinderung –  auch über die inhaltliche Vielfalt und die Qualität der Berichterstattung. „In einer funktionierenden Demokratie braucht es journalistische Angebote, die die Lebensrealität und Bedürfnisse verschiedener gesellschaftlicher Schichten in den Diskurs einbringen. Wer sich nicht einbezogen fühlt, lehnt demokratische Prinzipien irgendwann ab“, sagt dazu Studienleiterin Helena Ott.

Es scheint, als lägen die Prioritäten innerhalb von Redaktionen in Zeiten von Wirtschaftskrise, Rechtsruck, Trump-Amerika, Ukraine- und Gazakrieg auf anderen Themen, heißt es in einer Stellungnahme von Pro Quote Medien zur Studie. Gleichzeitig seien plural besetzte Redaktionen und Führungsspitzen gerade jetzt umso wichtiger, um den Blick von Frauen und Männern auf solche Krisen gleichgewichtig zu ermöglichen. Dies stärke das Vertrauen in unabhängige Medien und helfe, die Demokratie stark zu erhalten.

Seit 2012 zählt und vergleicht der gemeinnützige Verein ProQuote Medien die Frauenanteile in journalistischen Führungspositionen. Zu den untersuchten Leitmedien zählen „Bild“, „Spiegel“, „Focus“, „Stern“, „Zeit“, „Süddeutsche Zeitung“, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, „Welt“ – und seit 2021 die „tageszeitung“. Die Zählungen erfolgen auf Grundlage der Impressen, wobei nach Hierarchie-Ebenen gewichtet wird: Je höher die Position, desto größer die Machtfülle.

Mehr unterwww.pro-quote.de

 

 

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