dju warnt vor Medienkonzentration

Mensch vor Monitoren

Foto: Archiv

Die geplante Mehrheitsübernahme von ProSiebenSat.1 durch den Konzern MediaForEurope (MFE) wirft nach Einschätzung der Deutschen Journalistinnen und Journalisten Union (dju) in ver.di und der Europäischen Journalisten Föderation (EFJ) grundlegende Fragen für die Medienvielfalt in Europa auf.

„Für internationale Investoren stehen vor allem finanzielle Interessen im Vordergrund“, betont der dju-Co-Vorsitzende Lars Hansen. Es bestehe die Gefahr, dass ein Unternehmen auf Kosten der Beschäftigten und der Programmvielfalt allein auf Rendite ausgerichtet wird. Mehr noch: Es stehe zu befürchten, dass MFE stärker als deutsche Großverleger versuchen wird, die politischen Agenden internationaler Finanzinvestoren medial zu verbreiten. „Anders als bei inländischen Anteilseignern, kann bei Investoren aus dem Ausland kein Interesse unterstellt werden, die publizistische Entwicklung des Mediums langfristig zu fördern“, so Hansen.

Das Europäische Medienfreiheitsgesetz

(engl.: EMFA – European Media Freedom Act) ist ein am 11. April 2024 vom europäischen Parlament verabschiedetes Gesetz zum Schutz von Journalisten und Medien. Das neue Regelwerk soll insbesondere Journalisten vor politischer und wirtschaftlicher Einflussnahme schützen.

Mehr Transparenz gefordert

Beide Organisationen verweisen auf den im August in Kraft getretenen European Media Freedom Act (EMFA). Er verpflichtet die Mitgliedstaaten u.a. Eigentümerstrukturen transparent zu machen und Übernahmen auf mögliche Auswirkungen für Pluralismus und redaktionelle Freiheit zu prüfen.

dju und EFJ fordern die zuständigen Medienaufsichtsbehörden auf, diese Vorgaben unmittelbar auf den Fall einer bevorstehenden Übernahme von ProSiebenSat.1 durch MFE anzuwenden und eine unabhängige Bewertung der Folgen für Beschäftigte, Medienvielfalt und redaktionelle Unabhängigkeit vorzulegen.


Mehr zum Thema EMFA: Gemeinsame Standards für Medienfreiheit – M – Menschen Machen Medien (ver.di)

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Filmtipp: Sie glauben an Engel, Herr Drowak? 

Schwarzweißbilder, höchst originell gestaltet und herausragend gut gespielt mit Luna Wedler und Karl Markovics - "Sie glauben an Engel, Herr Drowak?" erzählt die Tragödie eines verpfuschten Lebens. Im Debütfilm von Nicolas Steiner offenbart ein nihilistischer Trinker im Rahmen eines Sozialprogramms dank der Beharrlichkeit einer Germanistik-Studentin ein enormes literarisches Talent. Doch dann wird der Mann von den Dämonen seiner Vergangenheit eingeholt.
mehr »

ÖRR als Public Open Space?

Der Reformstaatsvertrag eröffnet neue Wege für die Infrastruktur öffentlicher Kommunikation, befindet Jan Christopher Kalbhenn in einer Kurzstudie, die er für die Friedrich-Ebert-Stiftung verfasst hat. Denn die demokratische Öffentlichkeit, so Kalbhenn, steht angesichts der Machtkonzentration bei digitalen Plattformen vor einer grundlegenden ordnungspolitischen Herausforderung.
mehr »

Mehr Regionalität bei WDR und NDR

WDR und NDR gehen neue Wege bei der der regionalen Berichterstattung. Beim WDR sollen demnach zum 1. Januar 2027 die bisherigen Programmbereiche Aktuelles und Landesprogramme zu einem neuen Programmbereich mit dem Arbeitstitel "NRW" zusammengelegt werden - sofern die WDR-Gremien dem Vorhaben zustimmen. Der NDR startet ein neues Format für Jüngere bei YouTube.
mehr »

Für faire digitale Teilhabe

„Digitale und gesellschaftliche Teilhabe gehören zusammen!“ erklärt die Journalistin und Menschenrechtsaktivistin Gilda-Nancy Horvath auf der Jahrestagung des Netzwerks Medienethik in München. Teilnehmende aus Wissenschaft, Politik und Praxis diskutierten über die wachsende Bedeutung digitaler Medien und Künstlicher Intelligenz (KI) für die soziale Teilhabe in der demokratischen Gesellschaft.
mehr »