Honduras: Gefahr für Medienschaffende

Honduras, Tegucigalpa: Die Journalistin und Menschenrechtsaktivistin Dina Meza erklärt die Lage der Medienschaffenden im Land. Foto: Markus Dorfmüller

Nicht nur unter Berichterstatter*innen waren die Erwartungen an die erste Frau im honduranischen Präsidentenpalast enorm hoch. Doch Xiomara Castro, die sich im Wahlkampf und nach ihrer Vereidigung im Januar 2021, verbal für Menschenrechte und die Pressefreiheit stark gemacht hatte, ist vieles schuldig geblieben, erklärt Journalistin und Medienanalytikerin Dina Meza.

Diese Einschätzung bestätigen sowohl der Mord an Javier Antonio Hércules Anfang Juni als auch die massiven verbalen Angriffe gegen Journalist*innen aus den Reihen der Armee.

Trotz Schutz ermordet: Javier Antonio Hércules

Santa Rosa de Copán heißt der beliebte honduranische Ausflugsort nahe der Grenze zu Guatemala. Aus der von Wäldern umgebenen Kolonialstadt, rund zweihundert Kilometer von der Hauptstadt Tegucigalpa entfernt, berichtete Javier Antonio Hércules bis vor wenigen Wochen für den Online Kanal „A todo Noticias“.

Hércules war ein Unbequemer. „Er berichtete über illegalen Holzeinschlag in der Region, hatte im Vorfeld der Wahlen ein Auge auf die politischen Mandatsträger wie den Bürgermeister, der für eine weitere Amtszeit kandidiert“, erinnert Dina Meza an ihren Kollegen. Die international gut vernetzte Journalistin engagiert sich seit Jahrzehnten für die Pressefreiheit und die Menschenrechte in Honduras und leitet mit „Pasos del Animal Grande“ ein investigatives Online-Portal.

„Bisher gibt es noch keine Ergebnisse der laufenden Ermittlungen. Das ist typisch“, moniert Meza. Fakt ist allerdings, dass der Mord an Hércules am 1. Juni 2025 die Handschrift von Auftragskillern trägt. Zwei Männer eröffneten von einem Motorrad aus das Feuer auf das Taxi des Journalisten, der von mehreren Kugeln tödlich getroffen wurde.

Der 51-jährige El Salvadorianer lebte seit mehr als zehn Jahren in Santa Rosa de Copán und sein Name stand seit Ende 2023 auch auf der Liste des staatlichen Schutzprogramms für Journalisten. „Er hatte im Oktober 2023 zahlreiche Morddrohungen erhalten, galt als potentiell gefährdet“, erklärt Meza, die über den Fall auf mehrere Menschenrechts-Portalen berichtete.

Aufklärung verschleppt

Hércules ist nicht der erste Berichterstatter, der in diesem Jahr bedroht oder angegriffen wurde, kritisiert das UN-Büro des Hochkommissars für Menschenrechte in Zentralamerika (Oacnudh) und verweist auf 64 dokumentierte Fälle zwischen dem 1. Januar und dem 4. Juni 2025.

Die Regierung von Xiomara Castro müsse alles tun, um den Mord an Hércules so schnell wie möglich aufzuklären, forderte das UN-Büro. Das verlangt auch die Organisation Reporter ohne Grenzen, die Honduras zu den gefährlichsten Ländern der Welt für Berichterstatter*innen zählt. Das mittelamerikanische Land rangiert derzeit auf Platz 142 von 180 rangiert, mit sinkender Tendenz.

An der prekären Situation von Journalist*innen in dem mittelamerikanischen Land hat sich trotz aller vollmundigen Ansagen von Präsidentin Xiomara Castro wenig geändert – zwischen Anspruch und Wirklichkeit klaffe, so Dina Meza, „eine immense Lücke“.

Strukturelle Straflosigkeit

Das bestätigt auch Artur Romeu, Lateinamerika-Direktor von Reporter ohne Grenzen: „Wie kann es sein, dass ein Kollege unter staatlichem Schutz von Killern ermordet wird?“, fragt Romeu und kritisiert die Ineffektivität des Schutzmechanismus. Strukturelle Ursachen wie die anhaltende Straflosigkeit sorgen demnach dafür, dass Täter in Honduras wenig zu befürchten haben.

Hinzu kommt, so Dina Meza, dass es allzu oft auch staatliche Akteure sind, denen die Arbeit der Berichterstatter*innen ein Dorn im Auge ist. „In Honduras ist der Wahlkampf für die Präsidentschaftswahlen angelaufen. Für die Kolleg*innen ist das eine überaus riskante Zeit, denn Kandidat*innen, die sich von den Medien negativ dargestellt sehen, reagieren immer wieder mit Gewalt“, so Meza.

Auch der Mord an Javier Antonio Hércules hat mutmaßlich einen derartigen Background. Ebenso haben die Anfeindungen gegenüber Rodrigo Wong und Dagoberto Rodríguez einen politischen Hintergrund. Wong und Rodríguez wurden in Artikeln, die in Publikationen der Armee erscheinen als „Killer der Wahrheit“ denunziert – weil sie über den dubiosen Umgang mit öffentlichen Mitteln innerhalb der Armee berichtet hatten. In den betreffenden Artikeln waren insgesamt drei Journalisten diffamiert worden, ohne dass die Ministerien einschritten.

Journalistische Standards und Solidarität

Typisch in Honduras, wo in weit über 90 Prozent der angezeigten Fälle von Gewalt oder Bedrohung gegen Journalist*innen kein Urteil ergeht. „Wir leben mit der Straflosigkeit und genau die wollte Präsidentin Xiomara Castro beseitigen“, kritisieren Juristen wie Joaquín Mejía. Er verweist auf das Versprechen der Präsidentin, eine UN-Expertenkommission gegen Korruption und Straflosigkeit zu installieren. Doch auf die wartet die Bevölkerung nunmehr bereits seit dreieinhalb Jahren.

Immerhin agieren bestehende Medienorganisationen heute deutlich einiger als früher: „Es wird nicht mehr zwischen Journalist*innen und Kommunikationsexpert*innen unterschieden. Zudem sind journalistische Standards gestiegen, die Solidarität mit diffamierten, attackierten Kolleg*innen wird großgeschrieben“, berichet Dina Meza. Immerhin ein Hoffnungsschimmer in einem für Journalist*innen weiterhin extrem riskanten Land.

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