Initiative: KI besser nutzbar machen

Neue Initiative will neue Datenräume abseits von Big Tech nutzbar machen. Bild: © MISSION KI / Bild mit KI generiert

Der Dominanz der globalen Big-Tech-Konzerne etwas entgegensetzen – das ist das Ziel einer Initiative, bei der hierzulande zum ersten Mal öffentlich-rechtliche und private Medienanbieter zusammenarbeiten. Sie wollen mit weiteren Partnern, vor allem aus dem Forschungsbereich, ein dezentrales, KI-integriertes Datenökosystem entwickeln. Dadurch soll die digitale Souveränität und Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Medienstandorts gestärkt werden.

Zusammengetan für das Projekt mit dem Namen „Datenraum Medien“ haben sich die ARD, das ZDF, RTL Deutschland, ProSiebenSat.1 und die Deutschen Presse-Agentur (dpa). Die Koordination liegt bei der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (Acatech). 2023 brachten das damalige Bundesministerium für Digitales und Verkehr sowie Acatech die Nationale Initiative für Künstliche Intelligenz und Datenökonomie, kurz Mission KI, an den Start. Inzwischen ist das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung zuständig.

Grundlagen, Qualitätsstandard und Forschung

Mission KI bestehe aus drei Säulen, erklärt Emanuel Marx, Teamleiter Datenökonomie bei Mission KI/Acatech, auf Nachfrage. Die erste Säule umfasse den Aufbau technischer Grundlagen, um Daten auffindbar, nutzbar und teilbar zu machen: Insgesamt solle „die Datenbasis für KI-Innovationen erweitert werden“. Teil dieser Säule sei das Projekt „Datenraum Medien“. In den beiden weiteren Säulen gehe es darum, einen freiwilligen praxistauglichen KI-Qualitätsstandard zu schaffen bzw. Instrumente zu entwickeln, um den Transfer von KI-Forschung in die Praxis voranzutreiben.

Vom Bund wird Mission-KI-Initiative bis Ende 2025 mit insgesamt 32,5 Millionen Euro gefördert. Die teilnehmenden Medienanbieter beim Projekt „Datenraum Medien“ erhalten keine Fördergelder. Unterstützt wird Acatech außerdem noch von der Hamburger Behörde für Kultur und Medien, den Mitinitiatoren der „Beyond Platforms Initiative“ und dem Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik ISST.

Kooperative Infrastruktur

Beim Projekt „Datenraum Medien“ konzentrieren sich alle Partner vor allem auf fünf Bereiche: die Verifizierung von Meldungen, die Erkennung von Deepfakes mithilfe geteilter KI-Modelle, die Harmonisierung von Nutzungsdaten, die Personalisierung von Inhalten sowie die Entwicklung von KI-Sprachmodellen. Ziel ist es laut Mission KI, „innovative, kooperative Dienste“ zu entwickeln. Dabei bleibe die Hoheit über die Daten gemäß dem Konzept „Compute to Data“ bei den einzelnen Partnern. Der Datenraum ist also dezentral angelegt.

Die Datenraum-Infrastruktur ermögliche es den Partnern, Datenangebote anderer Teilnehmer zu suchen und zu nutzen, erklärt Emanuel Marx: Was angeboten werde und unter welchen Bedingungen, entscheide eine „Datenraum Governance“. Deren Hauptziel sei es, die rechtlichen und organisatorischen Compliance-Anforderungen an den Datenaustausch abzubilden, über eine gemeinsame Software, die open-source sei.

Datenschutz-konforme Services

Der Datenraum ermögliche über unterschiedliche Services hinweg einen Datenaustausch, der mit den relevanten Datenschutzvorgaben und Datennutzungsbedingungen konform sei, so Marx weiter. Er verweist außerdem auf einen weiteren Aspekt: „Die gemeinsame Standardisierung von Daten, Meta-Daten, Schnittstellen und Compliance-Aspekten verringert Aufwände im Projektaufbau, reduziert Einstiegshürden und ermöglicht breite Kooperation.“

Wie ein Datenraum Kooperation fördert, zeigt für Marx das Beispiel der Verifizierung von Meldungen. Die Meta-Daten der Nachrichten seien von den Partnern im dezentralen Datenraum angeboten worden. In der Erprobung seien dazu Daten aus den Beständen der dpa und den Fakten-Checks der weiteren Partner genutzt worden. Über den Datenraum könnten die Partner herausfinden, ob es Review-Informationen zu einer Nachricht gebe. Dieses Prinzip könnte Marx zufolge dafür genutzt werden, um einen Pool für verifizierte Inhalte zu pflegen, wie im Entwurf des Digitale-Medien-Staatsvertrags der Bundesländer gefordert werde.

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