Journalismus speist KI-Antworten

KI Kopf

Journalismus ist eine Quelle für KI-Antworten. Was lässt sich daraus schlußfolgern? Foto: shutterstock

Ein Viertel von 15 Millionen Quellen, die bei KI-Antworten erscheinen, hat journalistische Herkunft, zeigt eine Erhebung des US-amerikanischen PR-Unternehmens Muck Rack. Ist der seit dem Aufkommens des Internets und nun mit Künstlicher Intelligenz scheinbar beschleunigte und häufig beschworene „Untergang des Journalismus“ doch noch aufzuhalten?

Trotz Google News oder Newsblogs: Journalismus ist relevant geblieben. Die Untersuchung von Muck Rack zeigt dennoch zum wiederholten Male, in welchem Dilemma sich der Journalismus befindet, seitdem ihm das World Wide Web das Alleinstellungsmerkmal genommen hat, Nachrichten zu verbreiten.

Kardinalfehler des Journalismus

Jakob Ohme, Sozialwissenschaftler am Weizenbaum-Institut in Berlin, spricht in diesem Zusammenhang von einem „Kardinaldfehler“. Ohme beschäftigt sich gemeinsam mit seinem Forschungsteam schon seit vielen Jahren mit der Verbreitung von professionellem Journalismus auf digitalen Plattformen. „Der Kardinalfehler war, Informationen gratis ins Netz zu stellen. Der Journalismus ist dadurch nicht irrelevanter geworden, eher relevanter. Aber monetarisieren konnte er das nicht. Dasselbe Problem sehen wir jetzt seit dem Aufkommen der KI-Systeme wieder.“

Den Sozialwissenschaftler verwundert nicht, dass KI-Systeme bevorzugt journalistische Quellen zitieren. „Diese Systeme sind am Ende Effizienzmaschinen. Alles, was kompliziert zu lesen ist, fällt schnell heraus. Paywalls sind ein großes Problem. Das sieht man auch in der Wissenschaft. Preprints tauchen in solchen Übersichten auffällig oft auf, weil sie leicht zugänglich sind“, stellt Ohme fest.

Der Digitalexperte sieht den Journalismus an einem Punkt, an dem er sich schon einmal befunden hat. Als Google in den frühen 2000er Jahren damit begonnen hat, nicht nur Webseiten zu suchen, sondern auch Nachrichten zu verbreiten, fanden das Medien weltweit, nun ja, unschön. Die Wut war zwar groß, doch als wirksames Druckmittel gegenüber Google reichte das nicht aus. Einige Medienverlage hatten daraufhin Google verklagt, mit dem Ergebnis, dass diese Verlage nicht mehr bei Google News auftauchen.

Konfrontation oder Annäherung?

Seitdem KI-Systeme ungefragt auf journalistische Quellen zugreifen, fordern Stimmen aus der Medienbranche nun wieder auf, die Unternehmen hinter den KI-Systemen zu verklagen. Jakob Ohme vom Weizenbaum-Institut versteht den Versuch der Medien, sich Geld zurückzuholen, bezweifelt allerdings die langfristige Wirkung. „Für Reichweite braucht der Journalismus Nachrichtendistributoren wie Google News oder jetzt eben auch KI.“

Wer klagt, bekommt dann zwar eine Summe X, spielt dann allerdings in den KI-Systemen vermutlich keine Rolle mehr. Das wiederum wäre gesamtgesellschaftlich gefährlich, weil dadurch die Qualität der KI-Antworten abnehmen würde. An dieser Stelle sieht Ohme auch eine Chance für Medien.

Konfrontation ist also die eine Möglichkeit, die Annäherung von der Gegenseite eine andere. „Google hatte damals erkannt: Journalistische Inhalte bringen mehr Traffic und damit mehr Werbeumsatz. Deswegen haben sie den Medien ein Angebot gemacht, und das nicht aus reiner Überzeugung für unabhängigen Journalismus. Nur das öffentliche Ansehen ist Google nicht egal gewesen“, betont der Sozialwissenschaftler, der im jetzigen KI-Business Parallelen zur damaligen Situation erkennt.

Menschen sichern Glaubwürdigkeit und Qualität

KI-Systeme sind ursprünglich nicht dafür konzipiert worden, um Wissen abzufragen. Doch Menschen weltweit nutzen KI inzwischen genau dafür. Sie suchen nach Antworten, ähnlich wie bei Google. Von daher glaubt Jakob Ohme, spiele die Qualität der KI-Antworten inzwischen eine große Rolle. Wenn wichtige journalistische Quellen hier fehlen, sei niemanden damit geholfen. Doch ob Sam Altman und die anderen CEOs der großen KI-Anbieter den Wert des Journalismus für ihr Geschäftsmodell erkennen, weiß auch der Sozialwissenschaftler vom Weizenbaum-Institut nicht. Aber er hofft es.

Zumindest die Zahlen von Muck Rack aus den USA geben Anlass zur Hoffnung. „Auf jeden Fall, so würde ich das auch interpretieren“, bekräftigt Jakob Ohme. „Die Zahlen unterstreichen, LLMs suchen nach Inhalten, die glaubwürdig sind und von hoher Qualität. Gleichzeitig zeigt sich, wie wichtig verifizierte Inhalte sind, die von Menschen erstellt wurden. Dazu gehören Recherche, Sorgfalt, Verifikation und Auswahl. Das sind klassische journalistische Aufgaben.“

Es braucht auf jeden Fall noch mehr gesicherte Daten und vor allem repräsentative Studien, unterstreicht der Sozialwissenschaftler. Ohme warnt zugleich vor den immer gleichen Untergangsprophezeiungen. Er erkennt allerdings die Abwärtsspirale, in der sich der Journalismus seit der Vergrößerung des digitalen Nachrichtenraums befindet. „Der Abwärtstrend im Journalismus ist real, doch die Geschwindigkeit hat in den vergangenen Jahren abgenommen.“

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