Massiver Stellenabbau bei Washington Post

Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di bewertet den angekündigten Abbau von mehr als 300 journalistischen Stellen bei der Washington Post sowie die Schließung des Berliner Büros als schweren Einschnitt und fatales Signal für die demokratische Öffentlichkeit.

Mit dem Rückzug aus der Auslandsberichterstattung verliere nicht nur die Washington Post an journalistischer Substanz: „Die Welt wird kleiner, wenn Korrespondent*innen fehlen – und das hat direkte Folgen für die US-amerikanische Öffentlichkeit ebenso wie für das transatlantische Verhältnis“, betont Peter Freitag, dju-Co-Vorsitzender. Gerade in Zeiten globaler Krisen, geopolitischer Verschiebungen und wachsender autoritärer Tendenzen ist internationale Berichterstattung unverzichtbar.

Fehlentwicklung bei der Washington Post

Der aktuelle Stellenabbau ist aus Sicht der dju kein organischer Strukturwandel eines klassisch geführten Verlagshauses, sondern Ausdruck einer grundsätzlichen Fehlentwicklung: Medien im Eigentum von Big-Tech-Milliardären würden zunehmend nicht nach publizistischen Kriterien geführt, sondern nach machtpolitischen und ideologischen Interessen, so Freitag.

„Wenn ein Verlag im Eigentum eines der reichsten Männer der Welt Redaktionen schrumpft und Auslandsberichterstattung kappt, ist das kein ökonomischer Zwang, sondern eine bewusste Entscheidung gegen Journalismus“, sagt der dju-Co-Vorsitzende. „Big Tech zeigt damit einmal mehr, dass enorme Vermögen keine Verantwortung für demokratische Öffentlichkeit garantieren.“

Die dju sieht in den aktuellen Entwicklungen ein Warnsignal weit über die Washington Post hinaus. Unabhängiger Journalismus braucht verlässliche Strukturen und klare Schutzmechanismen gegen politische und wirtschaftliche Einflussnahme.

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Ein Preis mit hohem Preis

Die Berliner Autorin und Journalistin Marie von Kuck erhält für ihr Lebenswerk den Leipziger Medienpreis. Und kämpft zugleich ums Überleben. Warum sie die Auszeichnung mit gemischten Gefühlen entgegennimmt.
mehr »

IFG: Koalition greift die Pressefreiheit an

Das neue Maßnahmenpaket des Koalitionsausschusses beinhaltet eine Neuregelung des Informationsfreiheitsgesetzes (IFG), das die Pressefreiheit einschränkt und Bürgerrechte abbaut. Die dju in ver.di lehnt diese enorme Verschlechterung des IFG ab.
mehr »

Raue-Reform im Deutschlandfunk

Die Programmstruktur des Deutschlandfunks soll sich ab Dezember 2027 tiefgreifend verändern. Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) fordert angesichts der heute vom Deutschlandfunk vorgestellten Programmreform eine Beschäftigungsperspektive für freie Mitarbeiter*innen.
mehr »

SWR: Mehr Geld für Beschäftigte

In der Gehaltstarifrunde für die rund 3.500 festangestellten Beschäftigten und über 1.000 freien Mitarbeiter*innen des SWR haben ver.di, DJV und unisono in fünfter Runde ein Verhandlungsergebnis erreicht. Es setzt sich aus linearen Gehalts- und Honorar-Steigerungen von insgesamt 5,73 Prozent plus weiteren Komponenten zusammen. In der Summe entspricht das einer durchschnittlichen Erhöhung von über 5,8 Prozent.
mehr »