Medienpolitik ist Demokratiepolitik

In dieser Woche tritt der Kultur- und Medienausschuss des Bundestags zu seiner ersten inhaltlichen Sitzung in der neuen Legislaturperiode zusammen. Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) fordert die Bundesregierung und ihre Koalitionsfraktionen auf, die Gefahren denen Medien ausgesetzt sind stärker in den Blick zu nehmen und im Sinne der Demokratie einzudämmen.

„Unsere Erwartungen an die Verantwortlichen auf Bundesebene sind groß – denn die Herausforderungen in der Medienpolitik sind es ebenfalls“, sagt Christoph Schmitz-Dethlefsen, für Medien zuständiges Mitglied im ver.di-Bundesvorstand.

Seit Jahren stehe die Pressefreiheit durch Angriffe auf Medienschaffende und durch die wirtschaftliche Schwächung vieler Redaktionen unter Druck. „Jetzt kommen die Tech-Giganten hinzu, die ihre Marktmacht für Meinungsmacht missbrauchen. Die Plattformen graben redaktionellen Medien finanziell das Wasser ab – indem sie Journalismus unsichtbar machen und Medieninhalte durch Künstliche Intelligenz ausbeuten, die den Journalismus letztlich überflüssig machen soll.“

„Wir dürfen das Herzstück unserer Demokratie, die Öffentlichkeit, keinen Tech-Oligarchen überlassen“, so Schmitz-Dethlefsen.

Um dieser Situation zu begegnen, müssten sich der Kulturstaatsminister und die Fachpolitikerinnen und Fachpolitiker der Bundestagsfraktionen eng mit der Digitalpolitik und Rechtspolitik abstimmen, ebenso wie mit den Bundesländern und den EU-Organen. Schmitz-Dethlefsen: „Die Bundesregierung ist gefordert, diese Aufgabe zügig anzugehen und Medienpolitik in der gebotenen Ernsthaftigkeit voranzutreiben. Medienpolitik ist Demokratiepolitik.“ Die Ankündigung von Bundeskanzler Friedrich Merz, EU-Richtlinien nur noch im Wortlaut umzusetzen, sei etwa bei der Anti-SLAPP-Richtlinie, die Einschüchterungsklagen gegen Medien eindämmen soll, kontraproduktiv. „Erst durch eine weitergehende Auslegung kann die Richtlinie überhaupt eine Schutzwirkung in Deutschland entfalten.“

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Der SR lässt sich checken

Die öffentlich-rechtlichen Sender stehen unter Spar- und Reformdruck. Die Politik verlangt den Abbau von Mehrfachstrukturen und eine Profilierung des Programmauftrags. Die meisten Anstalten sind bereits im Umbau. Angesichts dieser Herausforderungen lässt der Saarländische Rundfunk (SR) derzeit seine Organisationsstrukturen von externen Beratern überprüfen.
mehr »

Filmtipp: Sie glauben an Engel, Herr Drowak? 

Schwarzweißbilder, höchst originell gestaltet und herausragend gut gespielt mit Luna Wedler und Karl Markovics - "Sie glauben an Engel, Herr Drowak?" erzählt die Tragödie eines verpfuschten Lebens. Im Debütfilm von Nicolas Steiner offenbart ein nihilistischer Trinker im Rahmen eines Sozialprogramms dank der Beharrlichkeit einer Germanistik-Studentin ein enormes literarisches Talent. Doch dann wird der Mann von den Dämonen seiner Vergangenheit eingeholt.
mehr »

ÖRR als Public Open Space?

Der Reformstaatsvertrag eröffnet neue Wege für die Infrastruktur öffentlicher Kommunikation, befindet Jan Christopher Kalbhenn in einer Kurzstudie, die er für die Friedrich-Ebert-Stiftung verfasst hat. Denn die demokratische Öffentlichkeit, so Kalbhenn, steht angesichts der Machtkonzentration bei digitalen Plattformen vor einer grundlegenden ordnungspolitischen Herausforderung.
mehr »

Mehr Regionalität bei WDR und NDR

WDR und NDR gehen neue Wege bei der der regionalen Berichterstattung. Beim WDR sollen demnach zum 1. Januar 2027 die bisherigen Programmbereiche Aktuelles und Landesprogramme zu einem neuen Programmbereich mit dem Arbeitstitel "NRW" zusammengelegt werden - sofern die WDR-Gremien dem Vorhaben zustimmen. Der NDR startet ein neues Format für Jüngere bei YouTube.
mehr »