Mehr Schutz für Medien in Gaza

Der Krieg, den Israel gegen die Hamas führt, nimmt den Tod von Zivilist*innen in Kauf. Symbolischer Trauerzug für Journalist*innen, die während des Krieges in Gaza getötet wurden. Foto: AP/Nasser Nasser

Über 150 Medienunternehmen aus mehr als 50 Ländern werden am heutigen 1. September an einer Medienkampagne teilnehmen, die von Reporter ohne Grenzen (RSF) , der  Kampagnenbewegung Avaaz und der IFJ koordiniert wird. Die Redaktionen, RSF und Avaaz verurteilen die Verbrechen der israelischen Armee an palästinensischen Journalist*innen in Gaza, fordern besseren Schutz für die dort arbeitenden Medienschaffenden sowie Notfallevakuierungen und verlangen, dass internationale Berichterstattende unabhängigen Zugang nach Gaza erhalten.

Die weltweite Medienaktion ist auch eine Reaktion auf die jüngsten tödlichen Angriffe der israelischen Armee auf Medienschaffende im Gazastreifen. Am 25. August traf einer dieser Angriffe ein Gebäude im al-Nasser-Krankenhaus im Zentrum von Gaza. Bei dem Angriff wurden fünf Medienschaffende lokaler und internationaler Medien wie Reuters und Associated Press (AP) getötet; ein weiterer Journalist wurde kurz zuvor erschossen. Zwei Wochen zuvor, in der Nacht des 10. August, wurden bei einem israelischen Angriff sechs Journalisten getötet, darunter der Korrespondent von Al-Jazeera, Anas al-Sharif, der das eigentliche Ziel war.

Staats- und Regierungschefs müssen handeln

„Es ist der bislang tödlichste Monat: Allein im August beklagen wir mindestens zwölf getötete Journalistinnen und Journalisten“, sagt Anja Osterhaus, Geschäftsführerin von RSF Deutschland. „Es kann nicht sein, dass diese Verbrechen ungestraft bleiben. Wir sagen es laut und deutlich: Wenn die israelische Armee Medienschaffende in Gaza weiter in diesem Tempo tötet, wird bald niemand mehr da sein, um die Menschen zu informieren. Mit unserer Kampagne fordern wir die Staats- und Regierungschefs der Welt auf, ihrer Pflicht nachzukommen und die israelische Regierung zum Einlenken zu bringen.“

Nach RSF-Angaben wurden in den fast 23 Monaten seit dem 7. Oktober 2023 in Gaza mehr als 210 Medienschaffende von der israelischen Armee getötet. Mindestens 56 von ihnen wurden bewusst von der Armee ins Visier genommen oder bei der Ausübung ihrer Arbeit getötet. Vor diesem Hintergrund erneuert RSF in der für den 1. September geplanten Aktion seinen weltweiten Aufruf vom Juni dieses Jahres. Damals unterstützten mehr als 200 Medien und Organisationen die Forderung, palästinensische Journalistinnen und Journalisten in Gaza dringend zu schützen.

Mehr als 150 Medien aus über 50 Ländern beteiligen sich an der Aktion

Mehr als 150 Medienunternehmen in über 50 Ländern weltweit haben angekündigt, sich der Aktion am Montag, 1. September, anzuschließen. Darunter sind zahlreiche Tageszeitungen und Nachrichten-Websites: Frankfurter Rundschau, Der Freitag und nd (Deutschland), Mediapart und L’Humanité (Frankreich), Al-Dschasira (Katar), The Independent und The New Arab (Vereinigtes Königreich), +972 Magazine und Local Call (Israel/Palästinensische Gebiete), InfoLibre und RTVE (Spanien), Daraj und L’Orient Le Jour (Libanon), New Bloom (Taiwan), Photon Media (Hongkong), La Voix du Centre (Kamerun), Guinée Matin (Guinea), The Point (Gambia), Media Today (Südkorea), N1 (Serbien), KOHA (Kosovo), Public Interest Journalism Lab (Ukraine), Il Dubbio (Italien), Intercept Brasil und Agência Pública (Brasilien), Le Soir und La Libre (Belgien), Le Desk (Marokko), Semanario Brecha (Uruguay) und viele andere.


Die Verbrechen an Journalist*innen im Gazastreifen bleiben bislang straffrei. Deshalb hat RSF beim Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) vier Strafanzeigen wegen Kriegsverbrechen der israelischen Armee eingereicht. RSF unterstützt palästinensische Medienschaffende vor Ort, insbesondere in Gaza, durch Partnerschaften mit lokalen Organisationen wie Arab Reporters for Investigative Journalism (ARIJ). Gemeinsam bieten die beiden Organisationen palästinensischen Journalistinnen und Reporter materielle, psychologische und professionelle Unterstützung.

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