Zeugnisse engagierter Fotograf*innen

Im Willy-Brandt-Haus in Berlin ist noch bis zum 31. Mai die World Press Photo Ausstellung 2026 zu sehen. Die Fotografien in der Ausstellung dokumentieren Kriege, die Folgen des Klimawandels, aber auch Menschen, die dagegen Widerstand leisten.

Die Augen des jungen Mannes sind vor Schrecken geweitet. Es handelt sich um einen Kolumbianer, der in die USA migriert ist. Er hat dort gearbeitet, sich ein Leben und einen Freundeskreis aufgebaut. Das Foto dokumentiert den Augenblick, als er von Häschern des ICE, der  unter Trump mächtig erweiterten Abschiebebehörde, verhaftet wurde. Die Menschen, die das Foto betrachten wissen nicht,  ob der Mann abgeschoben wurde, ob er noch in einen Gefängnis verbringen muss, oder ob er zu den wenigen gehört, die wieder freigelassen wurden. Doch das Foto macht sofort die Unmenschlichkeit der Abschiebemaschinerie deutlich. Es ist Teil der kürzlich eröffneten Ausstellung  „World Press Photo Ausstellung 2026“.

Sie wird 20 Jahren im WBH ausgestellt. Es sind auch in diesem Jahr Arbeiten von Fotojournalist*innen und Dokumentarfotograf*innen aus aller Welt zu sehen. „Die ausgezeichneten Arbeiten erzählen bekannte ebenso wie übersehende Geschichten, bieten weite Perspektiven und intime Einblicke, zeigen Konflikte und Krisen, aber auch Widerstand, Resilienz und verborgene Traditionen“, sagte der Vorsitzende des Freundeskreis WBH Dietmar Nietan, zur Eröffnung der diesjährigen World Press Photo Ausstellung. Sein Wunsch, dass  die Besucher*innen mit neuen Eindrücken und auch mit Betroffenheit die Ausstellung verlassen, dürfte  eintreten.

Dokumente der gesellschaftlichen Zustände

Das beschriebene Foto des von den Abschiebebehörden verhafteten Kolumbianers ist einrahmt von weiteren Zeugnissen des ICE-Terrors. Den ersten Preis der World Press 26 wurde für ein Foto vergeben, auf dem Kinderhände an einen T-Shirt zerren. Im Begleittext erfahren wir, das hier der Moment festgehalten wird, als die Kinder erfahren, dass ihr Vater abgeschoben wird. Ein weiteres Foto zeigt eine weinende Frau mit ihren Kind, die gerade erfahren hat, dass ihr Mann abgeschoben wurde. Daneben steht ein Polizist, der ebenfalls weint.

Erfreulicherweise hat Dietmar Nietan in seiner Eröffnungsrede davor gewarnt, beim Blick auf die Ausstellung nur auf andere Länder zu zeigen. In  Deutschland  agiert noch keine ICE, aber hier gibt es einen eingespielten Abschiebeapparat, der verzweifelte Menschen zurücklässt. Auf vielen Fotos sind Waldbrände und andere menschengemachte Klimakatastrophen in aller Welt zu sehen. Eine Fotoreihe zeigt die Folgen einer Polizeirazzia in einer brasilianischen Favela. Dutzende getötete junge Männer liegen aufgereiht am Boden, während das Leben in dem Stadtteil scheinbar normal weitergeht. Manche Fotos scheinen auf den ersten Blick  lustig. So kommuniziert eine Seniorin mit „Emma, dem sozialen Roboter“, so der Titel.  Doch auch hier stellt sich die Frage: Wer will in einer Welt leben, in der alte Menschen mit Maschinen kommunizieren müssen? Und wo sind die Menschen, die diese Welt verändern wollen? Sie sind wie in der Realität auch in der Ausstellung noch zu selten zu sehen


World Press Photo Ausstellung 2026, Dienstag bis Sonntag, 12- 18 Uhr, Willy-Brandt-Haus, Stresemannstraße. 28, Eintritt  frei. Ausweis erforderlich

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