Alles grün macht der Aufnahmeleiter

Amadeus Fischer absolviert ein Volontariat zum Aufnahmeleiter beim SWR
Foto: SWR

Volontariat beim SWR und Weiterbildung zum Green Consultant

Die Hotels für die Crew buchen, Fahrten disponieren, Drehgenehmigungen einholen, am Set darauf achten, dass die Zeiten eingehalten werden und das Team zusammenbleibt, kurzum alles koordinieren: Darum kümmert sich bei Film- und Fernsehproduktionen die Aufnahmeleitung. Amadeus Fischer hat im vergangenen September ein Aufnahmeleiter-Volontariat beim SWR abgeschlossen und sich außerdem noch währenddessen zum Green Consultant, also Grünen Berater, weiterbilden lassen. Deshalb sorgt er nun zusätzlich dafür, dass der ökologische Fußabdruck der Produktionen möglichst klein bleibt. So aktuell etwa beim Ludwigshafener Tatort, dessen Vorbereitungen er noch bis Ende April als Green Consultant begleitet, bevor er dann bei den Dreharbeiten zum Stuttgarter Tatort wieder als Aufnahmeleiter am Set steht.

Am Anfang Praktikant und Set-Runner

Dass er Aufnahmeleiter werden will, war für den 29jährigen schon ziemlich lange klar. Nach seiner Ausbildung zum Fachinformatiker hat er immer mal wieder bei der Produktionsfirma Kimmig Entertainment gejobbt, die hauptsächlich Shows und Unterhaltungssendungen herstellt. „Am Anfang, als Praktikant, war ich Set-Runner und Produktionsrunner, Jahre später habe ich dann für den gleichen Produzenten mal als Kabelhilfe, mal als Fahrer gearbeitet. Ich habe quasi den normalen Weg eines Aufnahmeleiters durchlaufen.“ Weil Kimmig Entertainment in naher Zukunft sogar ein duales Studium in Medien- und Kommunikationswissenschaft anbieten wollte, beschloss er, sich dafür zu bewerben und bis dahin erst einmal ein BWL-Studium anzufangen.

Doch dann hat Fischer während des Studiums von einer Freundin erfahren, dass der SWR ein Volontariat in Aufnahmeleitung ausschreibt. Sie selbst hatte beim Sender ein Requisite-Volontariat absolviert. Denn neben den klassischen Volontariaten in Journalismus und Dokumentation bietet der SWR außerdem drei technisch-handwerkliche Volontariate an: Aufnahmeleitung, Requisite und Technik/Produktion, sowie ein Kommunikationsvolontariat. Mit seiner abgeschlossenen Ausbildung und den zahlreichen Praktika und Jobs bei einer Produktionsfirma brachte Fischer genau die gesuchten Voraussetzungen mit. Er bewarb sich – und bekam nur wenige Tage nach dem Vorstellungsgespräch die Zusage. Sein BWL-Studium hat er daraufhin im dritten Semester abgebrochen. Das war 2016.

Die Ausbildung zum Aufnahmeleiter beim SWR dauerte zwei Jahre, verdient hat Fischer während dieser Zeit ungefähr 1.200 Euro Netto. „In den ersten zwei, drei Monaten durchläuft man wirklich jede Abteilung im Sender, von der Malerei über die Schreinerei bis ins Büro, wo man jeweils immer ein paar Tage bis zu einer Woche bleibt. Nach den drei Monaten geht es dann richtig los, da macht man die ganzen Studiosendungen mit oder den Sport oder man ist bei der ARD-Chefredaktion in Stuttgart.“ Im zweiten Jahr hätten die Volontär*innen dann ein bisschen mehr Wahlfreiheit und die Möglichkeit, sich auf bestimmte Inhalte oder Formate wie etwa Sportsendungen zu spezialisieren, erzählt Fischer.

Umdenken für nachhaltige Produktion

Und in eben diesem zweiten Jahr seines Volontariats wurde der junge Aufnahmeleiter von Michael Becker gefragt, wie es denn bei ihm mit dem Thema Nachhaltigkeit aussehe. Becker ist Herstellungsleiter und treibt im Sender die Bemühungen voran, künftig ressourcenschonender zu produzieren. Dafür arbeitet der SWR eng mit der baden-württembergischen Filmförderung MFG zusammen, die nicht nur einen Handlungsleitfaden für nachhaltige Produktionsweise entwickelt hat, sondern auch Workshops zu Green Production Basics anbietet. Diese Seminare hat dann auch Amadeus Fischer besucht, denn das Thema Nachhaltigkeit habe ihn schon länger beschäftigt. „In der Filmbranche sollte unbedingt ein Umdenken hin zu einer nachhaltigen Produktion stattfinden“, findet er. Tatsächlich kann ein einzelner Film unter Umständen fast so viel CO2-Ausstoß erzeugen wie der gesamte deutsche Autoverkehr in einer Stunde. Fischer ist damit bisher der einzige Volontär im Sender, der die Weiterbildung zum Green Consultant absolviert hat.

„Mittlerweile hat der SWR insgesamt schon acht oder neun grüne Berater, weitere Aufnahmeleiter, Produktionsleiter und -assistenten haben die Fortbildung bei der MFG ebenfalls gemacht.“ Als Green Consultant, etwa beim Tatort, analysiert Fischer nun während der Vorbereitungen zum Dreh, wo es ökologisches Sparpotenzial gibt: „Sind die Hotels grün, müssen immer alle Autos mitfahren oder kann man Fahrgemeinschaften bilden? Welche Technik hat das Haus zur Verfügung und kann auch eingesetzt werden, zum Beispiel LED-Technik. Um Plastik zu vermeiden, müssen Wasserstationen besorgt werden. Und man versucht, das Catering zumindest grün anzuhauchen, etwa durch einen Veggie-Tag.“ Letzteres gestalte sich dabei übrigens am schwierigsten, verrät Fischer. Denn: „Das muss man natürlich auch beim Team abfragen, ob sie denn überhaupt einen vegetarischen Tag wollen. Und aus meiner Erfahrung finden die das eher nicht so toll.“ Und letztlich sei natürlich alles auch immer eine Frage des Budgets, das man vom SWR für grüne Methoden zugestanden bekomme.

Wenn sein aktueller Jahresvertrag ausläuft, plant Fischer übrigens, als freier Filmschaffender erst einmal andere Unternehmen kennenzulernen, „aber man weiß ja nie, was sich bis zum Herbst noch so ergibt.“

Grafic Recording: Während des 32. Journalistentages zur Aus- und Weiterbildung protokollierte Franziska Ruflair die Debatte mit dem Filzstift und hinterließ ein Kunstwerk, 3 x 2 Meter groß.
Foto: Jan-Timo Schaube
nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

KI-Resilienz im Journalismus

In der aktuellen KI-Debatte schenkt sich keiner was. Kaum taucht der Verdacht auf, ein Kollege habe ChatGPT oder Claude zum Schreiben mitgenutzt, beginnt vielerorts bereits die öffentlichkeitswirksame KI-Spurensuche.Die aktuelle KI-Debatte zeigt, warum Redaktionen endlich praxistaugliche Leitlinien für einen souveränen Umgang mit der KI brauchen.
mehr »

Bürgermedienplattform vor dem Aus

Die Bürgermedienplattform NRWision an der Technischen Universität (TU) Dortmund steht vor einer ungewissen Zukunft. Die nordrhein-westfälische Medienanstalt stellt Ende 2026 die finanzielle Förderung ein – nach dann fast 18 Jahren. Die Verantwortlichen versuchen, für eine Fortführung andere Geldgeber zu finden.
mehr »

Ein Preis mit hohem Preis

Die Berliner Autorin und Journalistin Marie von Kuck erhält für ihr Lebenswerk den Leipziger Medienpreis. Und kämpft zugleich ums Überleben. Warum sie die Auszeichnung mit gemischten Gefühlen entgegennimmt.
mehr »

WDR: Weitere Tarifverhandlungen

Der Tarifstreit beim Westdeutschen Rundfunk (WDR) erreichte Mitte Juni eine neue Eskalationsstufe. Ein zweitägiger Warnstreik der Gewerkschaften ver.di, DJV und Unisono legte Teile des Programms lahm. Indes hatte der WDR sich in der vorangegangenen Verhandlungsrunde mit der VRFF (Vereinigung der Rundfunk-, Film- und Fernsehschaffenden) auf einen Abschluss geeinigt – ohne die drei Gewerkschaften einzubeziehen. Heute gehen die Verhandlungen mit den Gewerkschaften weiter.
mehr »