Bildung: Was ist drin, wenn neu drauf steht?

Lernen an der Leipzig School of Media Foto: LSoM Dollmeyer/Nikado

Aus- und Weiterbildung für Journalist_innen: Veränderte Inhalte und Konzepte

„Neu“ – das ist ein Begriff, den jede und jeder aus der Werbung kennt. Doch was ist dann wirklich neu an dem Produkt? „Neu“ ist auch ein Begriff, der bei Studiengängen und Weiterbildungsangeboten gerne benutzt wird. Das Ergebnis sind dann oft eine kontinuierliche Weiterentwicklung, eine durch die Digitalisierung erforderliche veränderte Schwerpunktsetzung bei den Studieninhalten oder andere Konzepte in der zeitlichen Planung der Seminare. Neu sind dann manchmal auch die Kooperationspartner, die eine Weiterbildung anbieten, nämlich privatwirtschaftlich organisierte Bildungseinrichtungen und öffentliche Hochschulen.

Ein Beispiel für eine solche Kooperation ist der im Herbst 2016 erstmals angebotene „Master of Arts“ bei der Deutschen Akademie für Public Relations. Sie hat sich mit dem „Austrian Institute of Management“ der Fachhochschule Burgenland zusammen einen reinen Online-Studiengang ausgedacht, die „Crossmediale Marketingkommunikation“. „100 Prozent E-Learning“ verspricht das Konzept, größtmögliche Flexibilität für Berufstätige und eigene Zeitgestaltung. Angeboten wird der Online-Studiengang nicht nur für Akademiker_innen, sondern auch für Berufserfahrene ohne Bachelor-Abschluss. Mit dem Start des Projekts ist ein Einsteigen für Studierwillige jederzeit möglich. Das Studium kostet 8.900 Euro und kann schnellstens in zwei Semestern absolviert werden.

Eine Kooperation liegt auch dem Masterprogramm „New Media Journalism“ der Leipzig School of Media zugrunde. Hier arbeitet die Leipzig School of Media mit der Universität Leipzig, der Akademie für Publizistik in Hamburg, dem Kuratorium für Journalistenausbildung in Salzburg und der Schweizer Journalistenschule MAZ in Luzern zusammen. Zu einem festen Semesterbeginn werden jedes Jahr 15 Bewerber für das Masterprogramm zugelassen, Präsenzphasen in Leipzig, Hamburg, Salzburg und Luzern gehören dazu.

Dieser Studiengang ist nicht ganz neu, aber der Lehrplan modifiziert, wie Geschäftsführer Michael Geffken M gegenüber ausführt. „Neue beziehungsweise aktualisierte Inhalte gibt es in beinahe allen Modulen; besonders aber in den Modulen ‚Journalistische Content-Aufbereitung‘, ‚Crossmediale Content-Produktion‘ und ‚Crossmediales Redaktionsmanagement‘. Auch auf Themenfeldern wie ‚Recherche‘, ‚Social Media‘ oder ‚Geschäftsmodelle‘ werden neue, insbesondere digitale Trends und Tendenzen analysiert und reflektiert.“ Dazu kommen noch die Themen Datenjournalismus und „Digital Storytelling“.

Seit Beginn des berufsbegleitenden Masterprogramms im Jahr 2008 haben 40 Absolventen die Masterprüfung abgelegt, derzeit sind 38 Studierende in der vier Semester dauernden Ausbildung. Viele der Studierenden nehmen die Kosten von 3850 Euro pro Semester auf die eigene Kappe. Michael Geffken kommt dabei zu einem Schluss, der auch bei etlichen Veranstaltungen zur Weiterbildung in Verlagen, wie etwa beim ersten Ausbildungsforum der Initiative Qualität im Journalismus, schon zu hören war: „Im Vergleich zu anderen Branchen zeichnen sich die Unternehmen der Medienbranche leider durch eine relativ geringe Bereitschaft aus, ein vorausschauendes Personalmanagement durch nachhaltige Weiterbildung zu unterstützen.“

Ein neues zeitliches Konzept hat die Leipzig School of Media auch für die Volontärskurse, die im Ausbildungstarifvertrag vorgesehen sind und zumeist in zwei Blöcken zu zwei Wochen innerhalb des normalerweise zweijährigen Volontariats an einer Akademie der Presse, einer Journalistenschule oder ähnlichen Einrichtungen absolviert werden. Die Leipzig School of Media bietet ein Volontärsprogramm in fünf viertägigen Blockseminaren. Gab es zu Beginn des Angebots Grummeln bei den Verlagen wegen der höheren Reisekosten, so scheint das Konzept inzwischen erfolgreich zu sein. Claudio Marinow, der Referent für Kurse und Seminare, betont: „Unser Volontärsprogramm ist regelmäßig ausgebucht.“ Es überwiegen wohl die Vorteile, „da die Teilnehmer das Wissen dosiert vermittelt bekommen und es immer wieder in ihrem Arbeitstag anwenden.“ Auf diese Weise seien die Erfolge bei der Kompetenzvermittlung höher, als bei einem Block-Kurs und die höheren Reisekosten „eine lohnende Zusatzinvestition aus Sicht der entsendenden Unternehmen“.

Auch das Volontärsprogramm hat neue Themen integriert, dieses Mal „User Understanding“ und „Community Management“. „Zudem haben wir die übrigen Inhalte teils neu gewichtet, sodass nun mehr Zeit für die Themen ‚Channelgerechtes Thematisieren von Großereignissen‘ und ‚Social Media‘ bleibt“, erklärt Marinow. Weitere neue Aspekte entstünden aus den Kontakten zu den entsendenden Chefredaktionen beziehungsweise Ausbildern, aber auch durch Anregung von den Volontär_innen selbst.

Insgesamt wird das Angebot für Volontärsaubildungen und Weiterbildung immer vielfältiger, in Zusammenarbeit von Verlagen und publizistischen Akademien, Hochschulen, zahlreicher werdenden Journalistenschulen. Eine Bestandsaufnahme und Bewertung versucht die Initiative Qualität im Journalismus, bei der auch die dju in ver.di mitarbeitet, am 15. September bei der Deutschen Welle in Bonn unter dem Titel „Die Besten gewinnen – Frischer Wind im Volontariat“.

 

 

 

 

 

 

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