Corona: Selbstständige machen weiter mobil

Der freiberufliche Sänger David Erler übergibt seine Petition für Hilfen für Freiberufler*innen und Künstler*innen an Korbinian Wagner aus dem Bundeswirtschaftsministerium. Links neben Erler der Cellist Bernhard Schmidt.
Foto: Christian von Polentz

Die besonders hart von der Corona-Krise getroffenen Solo-Selbstständigen und Kreativen kämpfen weiter für ausreichende staatliche Hilfen. In Hamburg hat heute eine Delegation von in ver.di organisierten Solo-Selbstständigen, Kulturschaffenden und Künstler*innen ihre Forderungen an Finanzsenator Andreas Dressel übergeben. Auch in Berlin fanden in den letzten Tagen immer wieder Aktionen statt, mit denen die Betroffenen auf ihre dramatische Lage aufmerksam machten.

„Wir brauchen wegen anhaltender Einschränkungen eine Fortsetzung der Corona-Hilfen und Ausfallzahlungen für 2020 in Hamburg. Zugleich müssen die Bundesprogramme im neuen Konjunkturpaket der Bundesregierung dringend korrigiert werden, damit Solo-Selbstständige und Kreative zumindest ab Juni Bundeshilfen beziehen können“ forderte heute Agnes Schreieder von ver.di Hamburg anlässlich des Treffens einer ver.di-Delegation mit dem Hamburger Finanzsenator Andreas Dressel. Zugleich appellierte die Gewerkschaft an alle Bundestagsabgeordneten in Hamburg, für Solo-Selbststände bei Überbrückungshilfen Unternehmer*innenlohn anzuerkennen und das Kulturpaket „Neustart“ mit individuellen Hilfen für Solo-Selbständige zu ergänzen.

Ähnliche Forderungen enthielt die Petition, die der freiberufliche Sänger David Erler gestern Mittag an das Bundeswirtschaftsministerium übergeben hat und die zuletzt knapp 290.000 Unterstützer*innen zählte. Viele Freiberuflerinnen und Freiberufler, hieß es darin, lebten ohnehin am Rand des Existenzminimums, doch durch die Corona-Krise drohten sie über diesen Rand gestoßen zu werden. Erler schlägt in seiner Petition daher sofortige Finanzhilfen vor wie unbürokratische Überbrückungsgelder, etwa in Form eines temporären Grundeinkommens, einen Hilfsfonds zum schnellen Ausgleich entfallender Einnahmen, beispielsweise angebunden an die Künstlersozialkasse, oder eine dem Kurzarbeitergeld entsprechende Maßnahme, bei der z.B. die Nettoeinnahmen aus dem letzten vorliegenden Steuerbescheid einer monatlichen Unterstützungszahlung durch die Finanzämter zugrunde gelegt werden.

Am Mittwoch waren zudem Unterstützer*innen der Aktion kulturerhalten.de in Berlin, um in den Ausschuss für Kultur und Medien des Bundestags verschiedene Offene Briefe, Petitionen und Protestnoten einzubringen. Die Sängerin, Songwriterin, Musikproduzentin Julia Neigel war dort als Vertreterin des Deutschen Kulturrats zum Fachgespräch „Folgen der Coronavirus-Pandemie und Wege aus der Krise“ geladen und hatte sich bereiterklärt, die entsprechenden Forderungen im Ausschuss zu übergeben.


Aktualisierung am 23.06.2020

ver.di fordert Hilfsprogramm für Solo-Selbstständige

Der ver.di-Vorsitzende Frank Werneke sowie ver.di-Bundesvorstandsmitglied Christoph Schmitz haben sich in einem Brief an die Staatsministerin für Kultur und Medien, Monika Grütters, gewandt. Damit waren sie der Bitte der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) nachgekommen, Ansätze und Überlegungen zum vom BKM initiierten Programm „Neustart Kultur“ einzubringen.

Ungelöst bleibt mit „Neustart Kultur“ allerdings die dramatische Situation der Solo-Selbstständigen, die keine oder kaum Betriebskosten ansetzen können, denen aber Aufträge und damit Einnahmen wegbrechen. ver.di als Gewerkschaft auch aller Solo-Selbstständigen fordert in dem Brief deshalb erneut endlich ein Hilfsprogramm, von dem auch diese Personengruppe tatsächlich profitiert.

 

 

 

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Leben ohne Thüringer Lokalzeitung 

Ostthüringen ist im Jahr 2023 von der Funke-Mediengruppe zur „Modellregion für die Digitalisierung des ländlichen Raums“ erklärt worden. Der Verlag stellte die Zustellung der Printausgabe der Ostthüringer Zeitung in elf Gemeinden rund um Greiz ein. Thomas Schnedler und Malte Werner vom Netzwerk Recherche haben die Folgen untersucht. Die Ergebnisse finden sich im Abschlussbericht „Lückenfüller –Was kommt, wenn die Lokalzeitung geht?“.
mehr »

Katapult MV: Die Stimme für den Norden

Die kleine Redaktion von Katapult MV stellt im Flächenland mit 1,57 Millionen Einwohner*innen mit einer monatlichen Zeitung und aktuellen Online-Beiträgen ein Gegengewicht in der Berichterstattung dar. Wir sprachen mit Chefredakteur Patrick Hinz über Lokaljournalismus, die anstehenden Landtagswahlen und den journalistischen Umgang mit der AfD.
mehr »

Weltweite Solidarität mit der Deutschen Welle

Journalistengewerkschaften und -verbände aus der ganzen Welt haben beim Jubiläumskongress der International Federation of Journalists (IFJ) in Paris ihre Solidarität mit den Beschäftigten der Deutschen Welle erklärt und Bundeskanzler Merz, Kulturstaatsminister Weimer, den Deutschen Bundestag und den Rundfunkrat der DW aufgefordert das Sparprogramm zu stoppen.
mehr »

Berichten wo es ungemütlich ist

In autoritär regierten Staaten geraten auch ausländische Medienschaffende zunehmend unter Druck: Einreiseverbote, die Verweigerung von Visa und andere Repressionen erschweren die Arbeit von Korrespondent*innen. In vielen Fällen bleibt ihnen nur noch die Berichterstattung aus dem Ausland ohne direkten Zugang zum Land selbst.
mehr »