dju-Ansprechpartner vor Ort in Lützerath

Am 11. Januar begann die Polizei, das Braunkohlen-Dorf Lützerath zu räumen. Eine Gruppe von Klimaaktivisten versuchte, einen Bagger zu erreichen. Foto: picture alliance/ANP/Robin van Lonkhuijsen

Als Konsequenz aus den bisherigen Übergriffen auf Pressevertreter*innen bei den Protesten in Lützerath entsendet die dju in ver.di NRW einen  Beobachter und Vermittler. So soll sichergestellt werden, dass Journalistinnen und Journalisten ihre Arbeit ohne Einschränkung ausüben können, heißt es in einer Pressemitteilung. Die Polizei hat am Mittwoch begonnen, das von Klimaaktivisten besetzte Dorf Lützerath im rheinischen Braunkohlenrevier zu räumen. 

Vor Ort werde Jörg Reichel, Geschäftsführer dju Berlin-Brandenburg, für Pressevertreter*innen als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Er stehe im ständigen Kontakt mit Vertretern von RWE und der Polizei. „Die dju in ver.di hat in den letzten Tagen eine einstellige Anzahl von gemeldeten Behinderungen der Pressearbeit durch Polizeikräfte und Mitarbeiter einer beauftragten RWE-Security registriert, davon zwei körperliche Angriffe“, heißt es. In der Vergangenheit habe es bei vergleichbaren Räumungen wie im Hambacher Forst oder Dannenröder Wald immer wieder Angriffe auf Medienvertreter gegeben. 

Die Schikanen für Journalist*innen fänden auf verschiedenen Ebenen statt, erläuterte ver.di-Gewerkschaftssekretär Matthias von Fintel  bei netzpolitik.org. So gehe es neben „Handgreiflichkeiten“ auch um Akkreditierungen über die Polizei. Fintel hält sie für „grundsätzlich rechtlich bedenklich bei Ereignissen von öffentlichem Interesse“. Es müsse möglich sein, mit dem Presseausweis auch ohne solche Akkreditierungen der journalistischen Arbeit nachzugehen. Netzpolitik.org veröffentlicht außerdem den Presseleitfaden der Aachener Polizei, wonach nur ein räumlich begrenzter Zugang zum Ort des Geschehens möglich ist. Reichel forderte die Polizei auf, zwischen dem Hausrecht von RWE und dem großen öffentlichen Interesse an Lützerath und damit der Pressefreiheit abzuwägen. Sie dürfe sich nicht hinter dem Energiekonzern verstecken.


dju in ver.di beklagt Behinderung der Berichterstattung

Polizei und RWE-Security hätten den Journalist*innen den Zugang zu Lützerath über die L12 verwehrt, twitterte Jörg Reichel, Geschäftsführer der Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di Berlin-Brandenburg heute Mittag. „Nach 4 Stunden Räumung ziehen wir eine erste negative Zwischenbilanz der Pressefreiheit“, heißt es weiter. Zudem habe die Polizei von einer fotografierenden Person die Löschung von Bildern verlangt und einem anderen Medienvertreter polizeiliche Maßnahmen angedroht.

Ein Sprecher der Polizei Aachen sagte dem Evangelischen Pressedienst (epd), dass am Vormittag keine weiteren Medienvertreter mehr in das umstellte Gebiet hineingelassen worden seien. Wenn die Situation stabiler sei, könne sich das wieder ändern, so der Sprecher.


Mehr Informationen zur Räumung in Lützerath u.a. im Liveticker des WDR:

https://www1.wdr.de/nachrichten/luetzerath-live-ticker-raeumung-garzweiler-tagebau-100.html

 

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

„Desinformation gefährdet Leben“

Politische Kommunikation studierte Johannes Hillje an der London School of Economics, Politikwissenschaften an der Universität Mainz. Er arbeitet als Politik- und Kommunikationsberater und ist Autor. In seinem Buch „Mehr Emotionen wagen“ beschreibt er, wie Gefühle die politische Landschaft beeinflussen. Wir sprachen mit ihm über emotionale Wahlkämpfe, journalistische Strategien und den Umgang mit Antidemokraten.
mehr »

Leben ohne Thüringer Lokalzeitung 

Ostthüringen ist im Jahr 2023 von der Funke-Mediengruppe zur „Modellregion für die Digitalisierung des ländlichen Raums“ erklärt worden. Der Verlag stellte die Zustellung der Printausgabe der Ostthüringer Zeitung in elf Gemeinden rund um Greiz ein. Thomas Schnedler und Malte Werner vom Netzwerk Recherche haben die Folgen untersucht. Die Ergebnisse finden sich im Abschlussbericht „Lückenfüller –Was kommt, wenn die Lokalzeitung geht?“.
mehr »

Katapult MV: Die Stimme für den Norden

Die kleine Redaktion von Katapult MV stellt im Flächenland mit 1,57 Millionen Einwohner*innen mit einer monatlichen Zeitung und aktuellen Online-Beiträgen ein Gegengewicht in der Berichterstattung dar. Wir sprachen mit Chefredakteur Patrick Hinz über Lokaljournalismus, die anstehenden Landtagswahlen und den journalistischen Umgang mit der AfD.
mehr »

Weltweite Solidarität mit der Deutschen Welle

Journalistengewerkschaften und -verbände aus der ganzen Welt haben beim Jubiläumskongress der International Federation of Journalists (IFJ) in Paris ihre Solidarität mit den Beschäftigten der Deutschen Welle erklärt und Bundeskanzler Merz, Kulturstaatsminister Weimer, den Deutschen Bundestag und den Rundfunkrat der DW aufgefordert das Sparprogramm zu stoppen.
mehr »