dju warnt: Angriffe auf Journalist*innen nehmen zu

Weltkarte der Pressefreiheit 2025. RSF

Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di zeigt sich tief besorgt über die heute veröffentlichte Jahresbilanz von Reporter ohne Grenzen (RSF). Die neuen Zahlen verdeutlichen, wie massiv die Gefährdung von Medienschaffenden weltweit angestiegen istIn den vergangenen zwölf Monaten wurden 67 Journalist*innen wegen ihrer Arbeit getötet, mindestens 503 Kolleg*innen sitzen in 62 Ländern in Haft. Zudem gelten 135 Journalist*innen als vermisst.

„Diese Bilanz ist erschütternd. Sie zeigt, wie sehr Gewalt, Repressionen und gezielte Einschüchterung die Pressefreiheit tagtäglich untergraben“, sagt der dju-Co-Vorsitzende Lars Hansen.

„Wer Journalist*innen bedroht, angreift oder wegen der Ausübung ihrer Arbeit einsperrt, missachtet das weltweite Grundrecht der freien Berichterstattung, auf die die Weltöffentlichkeit besonders aus Kriegsgebieten angewiesen ist. Die RSF-Daten zeigen hingegen eine erschütternd hohe Opferzahl von Journalist*innen durch Armee-Angriffe“, beklagt Hansen.

Fast die Hälfte der im vergangenen Jahr getöteten Kolleg*innen kam in Gaza ums Leben. Auch in den Kriegen in der Ukraine und Sudan wurden viele Reporter*innen durch mutmaßlich gezielte Angriffe verletzt oder getötet. Weiterhin bleibt in Mexiko und in vielen Teilen Lateinamerikas die Arbeit für Journalist*innen lebensgefährlich. Auch mit Blick auf Deutschland zeigt sich eine alarmierende Entwicklung. Die dju verweist auf eine zunehmende Zahl von Angriffen, Behinderungen und gezielter digitaler Gewalt, die Journalist*innen 2025 unmittelbar in ihrer Arbeit beeinträchtigte. Immer häufiger werden Medienschaffende zudem online diffamiert, bedroht oder mit orchestrierten Kampagnen überzogen. Prominente Fälle wie die massiven digitalen Angriffe auf Dunja Hayali zeigen exemplarisch, wie Journalist*innen zunehmend systematisch eingeschüchtert werden sollen. Ein erheblicher Teil dieser Übergriffe stammt aus rechten bis rechtsextremen Milieus.

Hinzu kommen Übergriffe in Dresden-Laubegast, Berlin und Leipzig, wo Reporter*innen im Kontext größerer Demonstrationen behindert oder tätlich angegangen wurden.

„All diese Vorfälle zeigen, dass wir es längst nicht mehr nur mit Einzeltaten zu tun haben, sondern mit einer anhaltenden, ernstzunehmenden Gefährdungslage für die Pressefreiheit in Deutschland“, so Hansen. „Pressefreiheit ist kein Automatismus. Sie muss jeden Tag aufs Neue aktiv verteidigt werden. Wir stehen solidarisch an der Seite aller Kolleg*innen – in Deutschland und weltweit, die trotz massiver Risiken weiterhin ihre Arbeit machen.“

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Kulturförderung unter rechten Bedingungen

Die Kritik an Kulturstaatsminister Wolfram Weimer reißt auch auf der Leipziger Buchmesse nicht ab. Zum Festakt gab es „Rote Karten“ vom Börsenverein, Buhrufe und vor der Tür eine Demo zu „Gegen Zensur & Autoritarismus“. Auch der Verband deutscher Schriftsteller*innen (VS in ver.di) hinterfragt Weimers Vorgehen in der Kulturförderung.
mehr »

Ganztägiger Warnstreik bei der dpa

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) hat die rund 800 Beschäftigten der Deutsche Presse Agentur (dpa) für heute zum ganztätigen Streik aufgerufen. Der Streik startete um Mitternacht und dauert den ganzen Tag bis 24 Uhr.
mehr »

Neues KI-Tool zur Medienaufsicht

Seit 2022 nutzen alle Landesmedienanstalten bei der Aufsicht KI, um im Internet nach rechtswidrigen Inhalten zu suchen, etwa nach Hassrede, Gewaltdarstellungen oder frei zugänglicher Pornografie. Im Juni 2025 kündigten die Bundesländer an, dafür eine klare Rechtsgrundlage zu schaffen.
mehr »

Möglicher Foto-Fake der Wrights

Fake News scheinen ein Phänomen unserer Zeit. Doch glaubt man John Brown, dann hielt sich eine Fälschung sage und schreibe 118 Jahre lang. An der Hochschule München präsentierte der diplomierte Fotograf, Flughistoriker und Pilot im Januar ein schier unglaubliches Foto.
mehr »