DOK Leipzig: Griechischer Film gewinnt ver.di-Preis

Der Film „O pio makris dromos“ (The Longest Run) von Marianna Economou gewann auf dem Leipziger Internationalen Festival für Dokumentar- und Animationsfilm DOK den ver.di-Preis, weil er gleichzeitig brandaktuell und zeitlos ist.

Die neue Intendantin des DOK Festivals, Leena Pasanen, freute sich sichtlich, als der Sprecher der ver.di-Jury, Jürgen Kautz, seine Laudatio auf den Gewinnerfilm des ver.di-Preises so begann: „Ja, es gibt Frauen, die lange Dokfilme drehen – und zwar meisterhaft. Wir haben eine gefunden.“
Pasanen hatte zur Eröffnung der 58. DOK-Ausgabe erklärt, dass besonders in den langen Filmen bislang nur wenige Frauen Regie führten; in den nächsten Jahren werde die Förderung von Frauen für sie ein persönliches Anliegen sein.
Die fünfköpfige ver.di-Jury wählte den griechischen Film aus den zwölf Beiträgen des Internationalen Wettbewerbs. In der Begründung der Jury heißt es: „Die Filmemacherin zeigt uns in ihrem stillen, vielschichtigen Film zwei unauffällige Jungs, die auf ihrer langen Reise gestrandet sind, irgendwo auf dem halben Weg zwischen den Kriegsgebieten im Osten und Deutschland im Westen. In der bedrückenden Enge des Jugendgefängnisses in Zentralgriechenland hilft ihnen nur ihre Kameradschaft, unerschütterliche Zuversicht und immenser Integrationswille. Und das Telefon – der einzige Draht zu ihren Familien. Das erzwungene Kammerspiel zeigt uns in verdichteter Form das große Weltgeschehen im Kleinen: Krieg, Tod und Flucht, zerrissene Familien und Heimweh, Überlebenswille und Hoffnung.“
Im Gespräch nach der Preisverleihung berichtete Economou, dass einer ihrer beiden Protagonisten, Alsaleh aus dem Irak, inzwischen in Deutschland angekommen sei und sie nun versuche, sein Schicksal weiter zu verfolgen. Dagegen sei Jasim aus Syrien nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis nach Athen gebracht worden und dort nach kurzer Zeit spurlos verschwunden. Zu ihm sei jeder Kontakt abgebrochen. Economou hatte das Flüchtlingsdrama mit Hilfe ihres Produzenten Spiros Mavrogenis und viel Unterstützung aus ihrem privaten Umfeld selbst geplant, finanziert und realisiert.
Die Gewinnerfilme des ver.di-Dokumentarfilmpreises sollen den Mitgliedern zukünftig besser zugänglich gemacht werden. Eine Vorführung mit Regiegespräch von „The Longest Run“ ist für das nächste Jahr in Planung.

-gl
Mehr zum ver.di-Preisträgerfilm 2015:

Interview mit Marianna Economou auf MDR Figaro
http://www.mdr.de/mdr-figaro/journal/audio1312558_zc-04aac8f7_zs-7c152963.html

Facebook-Seite des Films:
https://www.facebook.com/longestrun/?ref=ts&fref=ts

nach oben

weiterlesen

Schon entdeckt? Die Neue Norm

„Wir wollen behinderte Menschen empowern, selbst journalistisch zu arbeiten“, so Judyta Smykowski, Chefredakteurin von „Die Neue Norm“. Das Projekt des Vereins “Sozialhelden“ besteht aus einem Online-Magazin „für Vielfalt, Gleichberechtigung und Disability Mainstreaming“ und einem gleichnamigen Podcast auf Bayern 2. Die engagierte Journalistin gründete das Medienprojekt „Die Neue Norm“ Ende 2019 zusammen mit Raúl Krauthausen und Jonas Karpa, um alte Normen und Vorstellungen von Behinderung im Mainstream aufzubrechen.
mehr »

Ohne Kino: „Ben Hur auf der Armbanduhr“

Im Rahmen der Ausstellung „Die große Illusion“, mit der die Stadt Bielefeld seit September die Geschichte des Kinos würdigt, diskutierten am 11. Mai einheimische Kinobetreiber*innen mit dem langjährigen Berlinale-Leiter Dieter Kosslick über die Frage „Stirbt das Kino?“. Hintergrund des Gesprächs waren nicht nur die Schließungen aufgrund der Corona-Pandemie, sondern auch der scheinbar unaufhaltsame Siegeszug der Streamingdienste. Das Fazit war eindeutig: Das Kino wird überleben. Aber klar wurde auch: Einfach wird es nicht.
mehr »

Journalismus jenseits von Profit

Liegt die Zukunft des Journalismus jenseits von Profit? Noch ist spendenfinanzierter Journalismus in Deutschland die Ausnahme. Ein wesentlicher Grund: Bislang fehlen dafür die gesetzlichen Grundlagen. Nicht nur Aktivisten wollen, dass sich das ändert. Lässt sich die Politik im Bundestagswahlkampf dahin bewegen? Diese und andere Fragen stellten wir Oliver Moldenhauer, einem der Vorsitzenden des Forums Gemeinnütziger Journalismus, das Non-Profit-Organisationen im Medienbereich vereint.
mehr »

Buchtipp: Fotografie und Konflikt

Die Vielschichtigkeit von Fotografie und deren Wahrnehmung behandelt Felix Koltermann in seiner Reihe „Fotografie und Konflikt“ in ebenso klugen wie lesbaren Essays und Vorträgen. Im letzten Band der Reihe werden nochmals die Rollen von Fotojournalist*innen und der anderen Akteure wie Medien und Betrachter thematisiert: Die „zivile Aneignung“ von Bildern jenseits von Propaganda brauche „Dekonstruktion des Bildmediums“, das Erkennen der Vielschichtigkeit des fotografischen Bildes, das ja nur ein kleiner, visueller Ausschnitt vergangener sozialer Interaktion sei.
mehr »