Filmtipp: Journalisten im Blick. Teil 2

Journalist Jan Schulte (Benno Fürmann) in der "Republik"-Redaktion Foto: NDR/Marc Meyerbröker

Zwei neue Politthriller erzählen von Journalisten und vom Verhältnis von Medien und Politik

Journalisten kommen oft vor in Krimis, aber meist als Randfiguren, gern ein wenig schmierig, gern ein wenig korrupt. Jetzt nehmen zwei neue Politthriller Journalisten als Protagonisten und verknüpfen sie sehr unmittelbar mit Politik. Klingt wie eine thrillermäßige Antwort für die „Lügenpresse“-Marktschreier. Helden der Aufklärung? Welches Bild vom Journalismus wird da entwickelt? Und geht es der Branche in der Fiktion auch so schlecht wie in der Realität.

Mit dem Politthriller „Die Vierte Gewalt“ von Brigitte Maria Bertele kommt die ARD Ende November (30.11.2016, 20.15) schon wieder zu bester Abendzeit auf Sendung und beschäftigt das Publikum mit der Frage journalistischer Verantwortung, der Jagd nach dem Scoop und dem Skandalisieren von Politik. Hier heißt das Politik-Magazin „Republik“ und steckt auch in der Krise. In der Krise steckt vor allen der freiberufliche Journalist Jan Schulte (Benno Führmann). Er wartet auf eine große Enthüllungsgeschichte und hofft dann auf eine Festanstellung (so sozialdramatisch ist die Berufslage schon). Er bekommt tatsächlich eine brisante Information zugeschoben. Die Gesundheitsministerin soll einem Verwandten geholfen haben, bei einer dringlichen Operation bevorzugt worden zu sein. Schulte recherchiert, verwickelt sich immer tiefer in die Geschichte, die Beweisunterlagen verschwinden plötzlich und die meisten Akteure sind nicht ganz, was sie scheinen. Da gibt es dann noch eine aufstiegswillige Jungpolitikerin (Franziska Weisz), einen PR-Strippenzieher im Hintergrund (Devid Striesow) und einen Verleger (Ulrich Matthes) wie aus dem Klischeebilderbuch. Es geht um Macht, um die Lust von Journalist_innen, Mächtige zu stürzen. Die Kälte des interessegeleiteten Politikbetriebs wird spürbar, der Selbstlauf und der drohende Bedeutungsverlust im Scheitern.

Der Titel „Die Vierte Gewalt“ ist programmatisch, soll ja heißen, dass Medien, dass Journalist_innen die Politik kontrollieren. Dass diese idealtypisch ausbalancierte Gefüge in der Realität vermutlich nie funktioniert hat und natürlich in dieser Geschichte auch nicht funktioniert, Journalist_innen vielmehr vielerlei Versuchungen ausgesetzt sind, oft den Mächtigen unterlegen, lässt sich aus dieser Geschichte gut entnehmen.

Doch auch hier spielen private Motive eine zentrale Rolle, erotische Verwicklungen türmen sich im Zehnminutentakt, alle Politik endet im Bett. Sieht aus, als sei die Vierte Macht hier nicht der Journalismus, sondern Sex.

Was den Journalismus angeht, so sieht er doch irgendwie zerschlissen aus. Die Regie hat ihrer Hauptfigur ziemlich viele Klischees drauf gepackt, einschließlich einer labilen, aber letztlich doch eisernen Berufsethik. Und natürlich ist auch Jan Schulte keiner dieser Langweiler, die die meiste Zeit recherchierend vor dem Bildschirm sitzen, sondern einer, der rausgeht ins raue Leben, fast scheitert. Und sich, so viel Happy End muss sein, wieder in die erste journalistische Reihe zurückrecherchiert. Und dann winkt tatsächlich die Festanstellung, doch wieder eine ziemlich deprimierend kleine Moral.


Über den zu bester Sendezeit platzierten Thriller „Tödliche Geheimnisse“ von Sherry Hormann (05.11.2016, 20.15) berichtete M in seinem Filmtipp: Journalisten im Blick. Teil 1.

 

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