Fit for Fun

Fachkräfte für Veranstaltungstechnik verstehen sich auf Effekte

In der „M“-Serie über neue Medienberufe stellen wir hier die Ausbildung zur „Fachkraft für Veranstaltungstechnik“ vor – wie sie beispielsweise beim NDR angeboten wird.

Am Anfang stand die Beobachtung, daß sich traditionelle Beschallungsfirmen immer stärker zu Spezialisten in der Organisation von „Events“ entwickeln. Veranstaltungen, Parties und Jubiläen werden zunehmend mit speziellen Highlights im wahrsten Sinn des Wortes garniert – von der Lasershow über die multimediale Bühnengestaltung bis hin zum Feuerwerk. Auch die Theater-, Musical- und TV-Branche lebt von „special effects“ jeder Art. Bisher arbeitet die Branche hauptsächlich mit Quereinsteigern, also mit Hilfskräften oder Handwerkern verschiedener Fachrichtungen. Den qualitativen Ansprüchen der sich etablierenden Dienstleistungssparte „Eventmanagement“ genügt das nicht mehr.

Meister und Ingenieure in dem Metier gibt es bereits, doch bislang fehlte der „geordnete Unterbau“. Seit 1.8.1998 ist diese Lücke geschlossen. IG Medien, Arbeitgeberverbände und Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) haben sich auf eine anerkannte Ausbildungsordnung für den Beruf Fachkraft für Veranstaltungstechnik geeinigt. Während der dreijährigen Lehre in Betrieb und Berufsschule sollen die Azubis eine breite Grundbildung erhalten, die technische, organisatorische und gestalterische Inhalte vereint.

Berufsziel ist es, eine umfassende Dienstleistung auf einem projektorientierten Arbeitsfeld zu erbringen: Die Fachkräfte beraten die Kunden, entwerfen Veranstaltungskonzepte, wickeln die technische Vorbereitung und die Aufführung selbst ab. Sie pflegen Kontakte mit nationalen und internationalen Agenturen, bereiten Honorarverhandlungen vor, kennen sich im Vertragswesen aus und betreuen Künstler vor Ort. Sie organisieren und prüfen aber auch die Energieversorgung und bauen Beleuchtungs-, Beschallungs- und Projektionseinrichtungen sowie Aufnahme- und Übertragungseinrichtungen für Bild, Ton und Daten auf und bedienen sie.

Solide fachliche Basis schaffen…

Das klingt ein bißchen nach der „eierlegenden Wollmilchsau“. Tatsächlich steht hinter der Konzeption einer Querschnittsqualifizierung die Beobachtung, daß sich in Zukunft – nicht nur in der Unterhaltungsbranche – die Arbeitsfelder, die Formen der Arbeitsorganisation und damit die Anforderungen an die Beschäftigten rasant verändern. Die Antwort heißt: Erst eine solide und breite fachliche Basis, darauf die Spezialisierung aufbauen. Wer in wechselnden Projektteams mit anderen Experten zusammenarbeitet, braucht Zusammenhangswissen. Das ist ebenso gefragt, wenn der einzelne im Laufe des Berufslebens je nach Markt- und Interessenentwicklung den fachlichen Schwerpunkt mehrmals verlagern muß.

Aufgehen kann die Rechnung allerdings nur, wenn es die Ta-rifparteien schaffen, möglichst schnell einen bruchlosen und verläßlichen Übergang zwischen der Erstausbildung und der beruflichen Weiterbildung zu bauen.

Der erste Schritt ist die praktische Umsetzung der Ausbildungsordnung „Fachkraft für Veranstaltungstechnik“. Ein Beispiel dafür liefert der Norddeutsche Rundfunk (NDR). Der Sender gehört zu den Einrichtungen, die gleich in der ersten Runde – also seit dem 1. August dieses Jahres – im neuen Beruf ausbilden. Trotz der kurzen Vorlaufzeit und der dementsprechend geringen Werbung für das Ausbildungsprofil gingen rund 80 Bewerbungen ein, aus denen fünf Azubis – zwei weiblich, drei männlich – ausgewählt wurden. Die Bedingungen waren von vorneherein klar: Volljährig müssen die Lehrlinge sein und einen guten Realschulabschluß oder Abitur haben. Sie dürfen in dem Metier auch vor Diensten am Wochenende, in den frühen Morgenstunden oder am späten Abend nicht zurückschrecken. Da der NDR dieses Lehrstellenangebot als Beitrag zur Linderung der Ausbildungskrise versteht, können die Azubis nicht damit rechnen, nach der Lehre übernommen zu werden.

… darauf Spezialisierung aufbauen

Die Einführungsphase im Sender erhalten die angehenden Fachkräfte für Veranstaltungstechnik gemeinsam mit den Mediengestalter/innen Bild und Ton. Denn gerade in den Technikbereichen Beleuchtung und Beschallung überlappen sich die Berufsbilder leicht. Danach durchlaufen die Veranstaltungsspezialisten diverse Fachbereiche – von Ausstattung und Bühnenbild bis hin zu Licht- und Tontechnik. Ziel ist nicht, jede Einzelaufgabe aus dem ff zu beherrschen: Die Fachkräfte müssen von allen Tätigkeiten in der Veranstaltungstechnik eine Ahnung haben und sich schnell auf neue Anforderungen einstellen können, wenn sie ihre eigene Aufgaben erfüllen wollen. Teamarbeit ist das A und O: Kooperiert werden muß nicht nur mit Kameraleuten, Beleuchtern, Mediengestaltern, Bühnenarchitekten, Elektrotechnikern und Hilfskräften, sondern auch mit dem kaufmännischen Personal sowie mit Künstlern und Auftraggebern.

Die Arbeitgeberverbände haben in Aussicht gestellt, daß pro Jahr 500 bis 800 Ausbildungsplätze entstehen können, sobald das neue Berufsbild in der ganzen Branche bekannt ist. Die IG Medien hofft, einen attraktiven und zukunftsträchtigen Beruf auf den Weg gebracht zu haben. Events liegen im Trend, junge Leute haben großes Interesse an diesem Aufgabenfeld. Das beweist bereits das Beispiel NDR. Ob auf Messen oder bei Parties, bei Rundfunk- oder Musicalveranstaltern: Wer eine gute Idee für eine „Performance“ hat und weiß, wie sie zu verwirklichen ist, dürfte gute Berufsaussichten haben.

nach oben

weiterlesen

Medienleute schützen, nicht verteufeln

Als völlig geschichtsvergessen bezeichnet die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di Hessen den Aufruf aus dem Umfeld der sogenannten Querdenker, am Sonntag in Frankfurt am Main gegen die „gleichgeschalteten Medien“ zu demonstrieren. Von der Polizei werde erwartet, dass sie Journalist*innen vor Übergriffen schützt, betonen auch die öffentlich-rechtlichen Redakteursausschüsse.
mehr »

Verbandsklagerecht für Urheber unverzichtbar

Das Verbandsklagerecht muss zwingend als neues Rechtsinstrument in das Urheberrecht aufgenommen werden. Mit dieser Forderung wenden sich der Deutsche Journalisten-Verband und die Gewerkschaft ver.di gemeinsam an die Abgeordneten des Deutschen Bundestags. Unterstützung erfahren die beiden Gewerkschaften durch ein Rechtsgutachten und den konkreten Formulierungsvorschlag von Prof. Dr. Caroline Meller-Hannich, Universität Halle-Wittenberg.
mehr »

Corona wirkt als Test für Menschenrechte

Die Menschenrechtslage hat sich in der Covid-19-Krise für Millionen von Menschen unmittelbar oder mittelbar verschlechtert, stellt Amnesty International im weltweiten Menschenrechts-Report 2020/21 fest. In vielen Teilen der Welt hätten die Pandemie und ihre Folgen im letzten Jahr die Auswirkungen von Ungleichheit, Diskriminierung und Unterdrückung verstärkt. Auch für Deutschland wird Handlungsbedarf ausgemacht.
mehr »

Wie hybrid darf ein Dokumentarfilm sein?

Der Dokumentarfilm „Lovemobil“ bietet seit Tagen heißen Diskussionsstoff. Eine STRG_F-Reportage des NDR hatte enthüllt, dass die Autorin Elke Lehrenkrauss den Film teilweise mit Darsteller*innen inszeniert hatte - ohne dies offenzulegen. Die Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm (AG-Dok) nahm den Eklat um die "Fake-Doku" zum Anlass, in Kooperation mit der Deutschen Akademie für Fernsehen (DAfF) einen Web-Panel unter dem Titel „Was darf Dokumentarfilm?“ zu veranstalten.
mehr »