Für mehr Journalisten bei „Geisterspielen“

Portrait von Günter Herkel

Günter Herkel lebt in Berlin und arbeitet als freier Medienjournalist für Branchenmagazine in Print und Rundfunk.
Foto: Jan-Timo Schaube

Wenn in fünf Wochen der Ball in der Bundesliga wieder rollt, droht sich das Bild zu wiederholen: Keine Zuschauer, nur eine Handvoll Sportreporter und Fotografen. Ein Bündnis aus dem Verband Deutscher Sportjournalisten (VDS), der dju in ver.di, DJV, BDZV und VDZ appelliert jetzt an die Entscheidungsträger der Politik sowie an die Deutsche Fußball-Liga (DFL), künftig wieder mehr Berichterstatter*innen zuzulassen.

Die Corona-Pandemie hat auch den Sportjournalismus in eine tiefe Krise gestürzt. Wo kein Sport stattfindet, fällt auch die Berichterstattung weitgehend aus. Aufgrund von überstrengen Hygienekonzepten wurden selbst bei Bundesliga-„Geisterspielen“ die meisten Reporter*innen, vor allem die freien Fotograf*innen,  aus den Stadien ausgesperrt.

Am 10. August zeigten die Gesundheitsminister der Länder der Deutschen Fußball-Liga (DFL) die Rote Karte. Damit hat sich die Diskussion um das neue Hygienekonzept der DFL erst einmal bis Ende Oktober erledigt. Zumindest, was den Start der neuen Bundesliga-Saison 2020/21 am 18. September mit Zuschauern angeht. Wohl auch angesichts steigender Infektionszahlen dürften sich die Fans auf unabsehbare Zeit mit „Geisterspielen“ abfinden müssen.

Wer live nicht dabei sein kann, ist auf eine möglichst lebhafte und vielfältige Berichterstattung angewiesen. Insofern spricht einiges für eine verstärkte journalistische Manpower in den Stadien. Bei den im Mai/Juni durchgeführten Spieltagen nach dem DFL-Konzept konnte gezeigt werden, so die Appell-Unterzeichner, „dass in den weitläufigen Stadien sichere Abläufe organisiert werden können“, nicht zuletzt auch dank „des verantwortungsbewussten Verhaltens unserer Journalist*innen“. Vor allem die Bildberichterstattung habe aber nicht die unter normalen Bedingungen gewohnte Breite und Vielfältigkeit erreichen können.

Der Markt der freien (Sport-)Fotografen gilt gerade in digitalen Zeiten als einer der am härtesten umkämpften. Umso bemerkenswerter, dass es dem VDS gelang, mit einer Pool-Lösung den ökonomischen Absturz vieler Kolleg*innen aufzufangen. Dabei erklärten sich einige der wenigen akkreditierten Reporter bereit, den leer ausgegangenen Bewerbern ihre Bilder zur Verfügung zu stellen. Auf diese Weise, so VDS-Sportfotografensprecher und ver.di-Mitglied Wolfgang Rattay, hätten die weniger privilegierten Kolleg*innen die Chance bekommen, „wenigstens ihre lokalen und regionalen Auftraggeber zufriedenzustellen“.

Ob der Appell Wirkung zeigt, hängt wohl nicht zuletzt vom weiteren Verlauf der Pandemie ab. Im Sinne des Publikums „brauchen wir möglichst vielfältige Perspektiven auf die Spiele“, bekräftigt jedenfalls Cornelia Berger, Bundesgeschäftsführerin der dju in ver.di. „Das Festhalten am Status Quo“, warnt sie, „hätte weitere dramatische Konsequenzen für die wirtschaftliche Lage der freien Sportfotograf*innen“.

 

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