Gewinnbeteiligung gehalten

Versorgungswerk der Presse: Einrichtung einer Pensionskasse beschlossen

Das Geschäftsjahr 2001 der Presseversorgung war trotz der schwierigen Situation an den Finanzmärkten relativ erfolgreich. Die Gewinnbeteiligung kann deshalb auch bis 2003 hinein bei 6,2 Prozent gehalten und muss nicht abgesenkt werden. Die Vertreterversammlung der Versicherten, die über die Überschussbeteiligung entscheidet, fasste am 10. Juni 2002 in Rostock-Warnemünde einstimmig einen entsprechenden Beschluss.

Als wesentlichste Neuerung des Jahres 2002 beschloss die Gesellschafterversammlung des Versorgungswerks der Presse (neben ver.di und dem DJV die Verlegerverbände sowie die dpa) die Einrichtung einer Pensionskasse. Voraussichtlich noch in diesem Jahr können dann im Rahmen freiwilliger Zusatzverträge die Vorteile der steuer- und sozialabgabenfreien Umwandlung von Gehaltsbestandteilen genutzt werden. Diese „Eichel-Förderung“ ist in den meisten Fällen wesentlich lukrativer als die Inanspruchnahme der „Riester-Förderung“. Die Befreiung umgewandelten eigenen Einkommens von der Sozialversicherungspflicht endet nach jetzigem Stand im Gegensatz zur zeitlich unbegrenzten Steuerfreiheit allerdings bereits 2008.

Als weitere Voraussetzung ist allerdings noch eine tarifliche Regelung notwendig, die die Umwandlung von tariflichen Einkommen in Bausteine zur Alterversorgung zulässt. ver.di strebt den Abschluss einer solchen Vereinbarung – die nichts mit den bestehenden Tarifverträgen zur Presseversorgung zu tun hat – für den Herbst an.

Für die Einrichtung der Pensionskasse sollen bis September 2002 Angebote bei Finanzdienstleistern eingeholt werden. Damit folgten Verwaltungsrat und Gesellschafterversammlung einem Antrag von ver.di, wonach es keinen „Allianz-Automatismus“ geben darf, sondern auch andere Anbieter Angebote abgeben können. Die ursprüngliche Vorlage sah bereits eine Festlegung auf die Allianz-Versicherung vor.

Die Vertreter von ver.di hoben in Rostock hervor, dass sie der Gründung einer Pensionskasse nur zustimmen, wenn der obligatorische Bereich der Versicherten (Tarifverträge über die Altersversorgung an Tageszeitungen und Zeitschriften) davon nicht berührt werden. Hier sind viel zu viele Fragen offen, die vor einer so einschneidenden Änderung wie der Umstellung von der Lebensversicherung auf eine Pensionskasse gelöst werden müssten. Neben den tarifvertraglichen Risiken einer Umstellung (Gefährdung der Allgemeinverbindlichkeit des Tarifvertrags bei den Tageszeitungen) bringt z.B. die Inanspruchnahme der steuerlichen Vergünstigungen nicht nur kurzfristige Vorteile, sondern auch Einbußen bei der gesetzlichen Rente. Sowohl der / die Arbeitnehmer /in als auch der Arbeitgeber zahlen verminderte Beiträge an die BfA, was zu verminderten Rentenleistungen führt.

Auf jeden Fall können sich alle Kolleginnen und Kollegen mit einer Entscheidung für zusätzliche Verträge zur Altersversorgung noch bis zum Jahresende Zeit lassen und somit auch abwarten, welche Vereinbarungen im Herbst abgeschlossen werden.

Infos / Anfragen per E-Mail

Manfred.Moos@verdi.de
Gerhard.Mathey@verdi.de


Finanzielle Situation des Versorgungswerks und der Versorgungskasse

Insgesamt bestanden Ende 2002 rd. 151.000 Versicherungsverträge beim Versorgungswerk. Die Versicherungssumme erhöhte sich um 3,9% auf insgesamt 18,1 Milliarden DM.

Die Kapitalanlagen des Versorgungswerkes der Presse beliefen sich Ende 2001 auf 6,684 Milliarden DM. Damit lagen sie um 5,8 Prozent über dem Vergleichswert des Vorjahres. Dabei machen Namensschuldverschreibungen, Schuldeinforderungen und Darlehen 4.201,6 Mio. DM aus, die Hypotheken 865,5 Mio. DM und die festverzinslichen Wertpapiere 679,9 Mio. DM.

245,8 Mio. DM (284,2 Mio. DM im Vorjahr) konnten 2001 als Überschuss erwirtschaftet werden. Die freien Reserven sind um 10 Prozent auf 220 Millionen DM gestiegen. Im Verhältnis zum Deckungskapital ist das eine weiterhin stabile Größe.

Angesichts der weltweiten konjunkturellen Unsicherheit und der entsprechenden Einschätzung der Aktienmärkte hat die Finanzkommission entgegen der ursprünglichen Planungen im Jahre 2000 die Aktienquote nicht weiter ausgebaut. Angesichts der Situation der Aktienmärkte war es vielmehr notwendig, Risiken aus dem Aktienbestand zu nehmen. Die Aktienquote beträgt jetzt 5,7 % des Gesamtkapitals nach 11 % im Vorjahr.

Die Nettoverzinsung war mit 6,11 Prozent gegenüber 2002 abermals rückläufig (6,83 Prozent). Die Durchschnittsverzinsung sank von 5,79 Prozent auf 5,4 Prozent. Ursache hierfür waren das niedrige Zinsniveau für Neuanlagen sowie die Schwäche der Aktienmärkte.

Das Vermögen der Versorgungskasse, aus der die älteren Redakteurinnen und Redakteure zusätzliche Rentenansprüche haben, erhöhte sich leicht von 705,5 Mio. DM auf 708,6 Mio. DM. Ab dem 1. Januar 2003 werden die Renten um 3,3 Prozent erhöht, nachdem zuletzt für 2002 noch eine Erhöhung um 4,0 Prozent möglich gewesen war.

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Immer Ärger mit der Obrigkeit

In seinem aktuellen Buch „Meinungsfreiheit“ analysierte Ronen Steinke deren aktuellen Zustand. Der promovierte Jurist und leitende Redakteur bei der Süddeutschen Zeitung spricht mit M über seine Schlussfolgerungen.
mehr »

ARD: Regionaler KI-Service im Radio

Die ARD setzt im Zuge von Sparmaßnahmen auf die Zentralisation von Hörfunkmoderationen. Allerdings ging das bislang auf Kosten des Service. Im gemeinschaftlichen Radio-Nachtprogramm kommen deshalb nun KI-Stimmen zum Einsatz. Die behutsame Einführung sorge für positive Resonanz, heißt es.
mehr »

Erneuter Angriff in Fretterode

Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di verurteilt den erneuten Angriff auf Journalist*innen im thüringischen Fretterode scharf. Nach Medienberichten wurden Reporter bei Dreharbeiten im Umfeld des Rechtsextremisten Thorsten Heise angegriffen und mit Reizstoff attackiert. Sie mussten medizinisch versorgt werden.
mehr »

ECPMF: Druck auf Journalist*innen

Anfeindungen gegenüber Journalist*innen nehmen zu, ebenso wachsen ökonomischer Druck und generell strukturelle Herausforderungen im Beruf. Wie genau sich die Belastung auswirkt, hat das European Centre for Press and Media Freedom (ECPMF) in Leipzig zusammen mit dem Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG) an der Universität Bielefeld im Rahmen einer aktuellen Studie mit dem Titel „Strapazierter Journalismus“ erhoben.
mehr »