Hingehen, wo der Nachwuchs herkommt

Kontakte knüpfen, Präsenz zeigen und Kompetenz beweisen – Hochschulprojekt der dju in ver.di gestartet

Ein bisschen Skurrilität in der Fachgruppe ist ja ganz nett, wie etwa die statistische Aussage der Mitgliederverwaltung, dass die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union dju Volontäre in ihren Reihen hat, die über 65 Jahre alt sind. Dennoch zielt der Bundesvorstand der Fachgruppe Journalismus mit seinem im November 2001 gestarteten Projekt zur Mitgliederwerbung eindeutig auf einen journalistischen Nachwuchs jüngeren Semesters.

Die dju ist in der IG Medien mit ihren jetzt fast 21.000 Mitgliedern immer eine Fachgruppe mit Zuwachs gewesen, doch freie Journalistinnen und Journalisten dominieren bei den Neueintritten. Um die Zahl der gegenwärtig rund 7000 bei dju organisierten Redakteurinnen und Redakteure in Tageszeitungen und Zeitschriften zu erhöhen, will der Bundesvorstand den Volontariatsnachwuchs schon dort mit der dju bekannt machen, wo inzwischen über 70 Prozent der Volontärinnen und Volontäre in den Redaktionen der Tageszeitungen herkommen: aus den Hochschulen.

Praktiker einbeziehen

„Kontakte knüpfen, präsent sein und Kompetenz beweisen“, umreißt Projektleiterin Susanne Stracke-Neumann schlagwortartig die Aufgaben des Hochschulprojekts der dju in ver.di. „Das kann jedoch keine One-Woman-Show sein, sondern nur durch eine Zusammenarbeit zwischen Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen funktionieren.“ Aufgabe des Projekts ist es, ein Netz zu knüpfen, in das Mediensekretäre ebenso wie Kolleginnen und Kollegen aus der journalistischen Praxis eingebunden sind, die als Ansprechpartner der Hochschule bereits wirken oder sich neu anbieten. Dabei wendet sich das Projekt nicht nur an Studierende in journalistisch orientierten Studiengängen oder Journalistenschulen, denn bei der Einstellung als Volontär ist ein Abschluss des Studiums oft wichtiger als die Fachrichtung. „In den Redaktionen, und gerade in den Lokalredaktionen, wo ein Großteil der Festangestellten arbeiten, sitzen oft Ethnologen neben Theologen, Historiker neben Germanisten und Politologen neben Physikern“, resümiert Stracke-Neumann ihre Beobachtungen. Nicht das Fach scheint ausschlaggebend, sondern „einmal ein wirklich dickes Brett gebohrt zu haben“, wie es die Wissenschaftsredakteurin der „Süddeutschen Zeitung“, Jeanne Rubner, beim Bayerischen Hochschultag in der Evangelischen Akademie Tutzing beschrieb. Deshalb arbeitet das dju-Projekt nicht nur mit Hochschulinstituten der Journalistik, Medien- und Kommunikationswissenschaften zusammen, sondern auch mit den Hochschulteams des Arbeitsamtes, den Studienberatungen und Career-Services an den Hochschulen ebenso wie mit Organisationen der Studierenden selbst. Tipps für den Weg in den Beruf sind hier häufig gefragt, sei es in Vorträgen, sei es bei Uni-Messen.

Basis für Qualität legen

Die Ausbildungsmöglichkeiten sind aber nur ein Thema des Projekts. „Wichtiger ist der dju, schon beim Berufsnachwuchs die Basis legen zu helfen, dass die Reflexion über die Qualität im Journalismus und über journalistisches Ethos wieder mehr Bedeutung gewinnt“, erklärt die Projektleiterin die Überlegungen des Bundesvorstands. Für das Projekt werden daher noch Kolleginnen und Kollegen gesucht, die sich für Vorträge, Workshops und Diskussionen mit den Studierenden zur Verfügung stellen, jungen Leuten ihre Erfahrung und ihr Wissen vermitteln wollen und bedenkliche Entwicklungen im Journalismus schon in der Ausbildung thematisieren. Viele Studierende, die in den Journalismus möchten, sind während ihrer Ausbildung noch nicht auf ein bestimmtes Medium festgelegt. Ob der Weg in den Print- oder Online-Journalismus führt, ins Radio oder ins Fernsehen, entscheidet sich meist erst später.

Profil der dju schärfen

Über das dju-Projekt beide Medienfachgruppen von ver.di an den Hochschulen ins Gespräch zu bringen, kommt also der dju wie der Fachgruppe Rundfunk, Fernsehen, Audiovisuelle Medien zu Gute.

Beschlossen wurde das dju-Hochschulprojekt noch vom Hauptvorstand der IG Medien, nun ist es ebenso wie die Fachgruppen in der ver.di-Realität angekommen. Gerade in dieser neuen Situation will die dju „Gesicht zeigen“ und attraktiv für junge Leute sein. Sie will beweisen, dass eine lebendige Fachgruppe auch in der großen Organisation ihr Profil schärfen kann und ihre berufsspezifischen Anliegen keineswegs untergehen.


 

  • Dr. Susanne Stracke-Neumann
    Studium Deutsch und Geschichte in München und Aix-en-Provence, Promotion an der Ludwig-Maximilians-Universität über ein kirchen- und herrschaftspolitisches Thema aus dem europäischen Spätmittelalter, ab 1990 Volontärin und anschließend Hochschulredakteurin beim Nordbayerischen Kurier in Bayreuth, nacheinander (teilweise auch nebeneinander) dju-Vorsitzende in Bayreuth, Bezirksvorstandsmitglied der IG Medien Oberfranken, dju- und später auch IG-Medien-Landesbezirksvorstandsmitglied Bayern, dju-Bundesvorstandsmitglied, seit 1. November 2001 Projektleiterin der dju-Mitgliederwerbekampagne an Hochschulen beim Bundesvorstand in Berlin.

 

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