Journalistenpreis Leuchtturm für „Dickbrettbohrer” Ulrich Chaussy

Seine Ausdauer sei „einmalig im deutschen investigativen Journalismus”. Bei seinen über 30jährigen Recherchen zum Oktoberfestattentat in München habe er sich von Blockaden durch Politik und Polizei nicht entmutigen lassen. Mit dieser Begründung ging der diesjährige nr-Preis für besondere publizistische Leistungen, der „Leuchtturm”, an Ulrich Chaussy.

Als Journalist beim Bayerischen Rundfunk und Sachbuchautor gab Chaussy sich nicht zufrieden, als das Attentat auf dem Oktoberfest 1980 einem Einzeltäter „ohne politische Motive” zugeschrieben wurde. In ihrer Laudatio nannte SZ-Gerichtsreporterin Annette Ramelsberger ihn einen „Dickbrettbohrer”, der alle mit ständigem Nachfragen nerve. Aber sie mussten ihn ernst nehmen, weil er so grundsolide sei, sich an Fakten halte statt an Verschwörungstheorien. Bereits 1985 trug Chaussy in einem Buch Informationen zusammen, die belegten, dass die Einzeltäter-These nicht stimmen konnte. Doch erst 2014 wurden die Ermittlungen wieder aufgenommen – nachdem Chaussys Recherchen in einem Spielfilm thematisiert wurden. In seiner Dankesrede sagte der Preisträger, ohne Anwalt Werner Dittrich hätte er seine Arbeit nicht begonnen. Durchhalten konnte er, weil „andere Themen mich am Leben erhalten haben” – vor allem Recherchen zu Rechtsradikalismus und eine Biografie über Rudi Dutschke.

Die „Verschlossene Auster”, den nr-Preis für den Informationsblockierer des Jahres, erhielt das Rüstungsunternehmen Heckler & Koch, das sich wegen der kritischen Berichterstattung über sein Sturmgewehr G36 an den Militärischen Abschirmdienst MAD wandte – „eine ganz neue Qualität” von Pressefeindlichkeit.

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

ZDF textet nur noch in Ausnahmefällen

Seit Dezember 2025 gilt der Reformstaatsvertrag zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Damit haben die Bundesländer die Vorgaben für die Sender verschärft, ihre Online-Angebote nicht presseähnlich zu gestalten. Eine Textberichterstattung erfordert seitdem, mit wenigen Ausnahmen, einen aktuellen Sendungsbezug. Das ZDF reagierte auf den erhöhten Bewegtbild-Bedarf mit strukturellen Änderungen.
mehr »

Drei Fragen: Altersversorgung von Filmschaffenden

Für alle Beschäftigten vor und hinter der Kamera soll ab Beginn des Jahres 2027 einheitlich die tarifvertragliche betriebliche Altersversorgung gelten. Dafür hat die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) zusammen mit der Produktionsallianz und der Schauspielgewerkschaft BFFS die Allgemeinverbindlichkeit beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) beantragt.
mehr »

Weniger Frauen in Führungspositionen

Der Frauenmachtanteil in den deutschen Leitmedien ist laut Pro Quote Medien erneut gesunken. Das zeigt eine neue Leitmedienzählung. Der gewichtete Frauenmachtquotient liegt aktuell bei  37,3 Prozent – ein weiterer Rückgang um 0,2 Prozentpunkte gegenüber Januar 2026.
mehr »

Nachschlagewerk gegen Einschüchterungsklagen

Die No SLAPP Anlaufstelle hat ihr aktuelles Handbuch veröffentlicht: Hier lesen Sie jede Woche ein neues Kapitel daraus. Das Handbuch bündelt das Wissen aus zwei Jahren Beratungspraxis sowie die Expertise des rechtlichen Beirats und weiterer Kooperationspartner*innen. Es ist ein zentrales Referenzwerk für alle, die sich gegen strategische Klagen informieren, zur Wehr setzen und darüber berichten möchten.
mehr »