LEGIDA: „L-IZ“ stellt live-Berichterstattung ein

Die „Leipziger Internetzeitung“ hat auf ihrer Website angekündigt, die live-Berichterstattung von den LEGIDA-Demonstrationen einstellen zu wollen. Als Grund dafür wurden der unzureichende Schutz der Journalistinnen und Journalisten vor Ort durch die Einsatzkräfte der Polizei und die unveränderte Bedrohungslage genannt.

In einem offenen Brief forderte die „L-IZ“ gestern die Leipziger Polizeidirektion auf, endlich adäquate Maßnahmen zu entwickeln, wie man die Gewalt gegen Medienvertreterinnen und –vertreter auf den LEGIDA-Demonstrationen unterbinden kann. Die Ursache für die „offenbar geduldete Gefährdung von Journalisten“ auf den LEGIDA-Demos wird in der „fehlenden Unterstützung seitens der Einsatzbeamten vor Ort“ gesehen. So sei es bereits mehrfach vorgekommen, dass Vor-Ort-Berichterstatter der „Leipziger Internetzeitung“ von Demonstranten bedroht oder tätlich angegriffen worden seien, ohne dass darauf ein Eingreifen der Einsatzkräfte folgte. In einigen Fällen hätte die Polizei es gegenüber den Betroffenen sogar abgelehnt, eine Anzeige aufzunehmen.
Solange die Polizeidirektion Leipzig nicht „ihrer normalen Ausübung der Staatsgewalt“ nachkomme, wolle man nun die live-Berichterstattung mit Videos, Fotos und Texten von den LEGIDA-Aufmärschen einstellen.

Auch Cornelia Haß, Bundesgeschäftsführerin der dju in ver.di, bezeichnete die Vorfälle in ihrer heutigen Pressemitteilung als „beschämende, nicht hinnehmbare Kapitulation der staatlichen Einsatzkräfte vor Einschüchterung und Gewaltbereitschaft durch Demonstranten“. Sollten Polizeipräsidenten und Innenminister nicht ihrer Aufgabe nachkommen, eine ungehinderte Berichterstattung sicherzustellen, drohe eine weitere massive Ausweitung der Gewalt gegen Journalistinnen und Journalisten.

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Undercover unter Nazis

Angelique Geray arbeitet als Investigativjournalistin für RTL und den stern. Für eine Fernseh-Dokumentation schleuste sie sich in die Gruppe „Letzte Verteidigungswelle“ ein. Durch einen Hinweis von ihr wurden die Behörden auf die Gruppe und ihre Anschlagspläne auf eine Flüchtlingsunterkunft aufmerksam. Zu ihren Erfahrungen und Beobachtungen während der Recherche hat Geray das Buch „Undercover unter Nazis“ veröffentlicht.
mehr »

Rassismus in Redaktionen

Das Kitt Kollektiv hat 200 Menschen, die in Redaktionen arbeiten nach ihren Rassismuserfahrungen gefragt: 90 Prozent gaben an, ihn erlebt zu haben, erklärt Sarah Zaheer im Interview mit der taz. Journalismus in Deutschland hat ein Vielfaltsproblem - können einzelne Programme, die Medienhäuser und Organisationen inzwischen etabliert haben, das Problem tatsächlich verändern?
mehr »

Krasse Kürzungen bei ARD und ZDF

  Für 58 Cent bekommt man heutzutage beim Bäcker allenfalls ein Brötchen von gestern. Dennoch haben einige Bundesländer ARD und ZDF eine entsprechende Erhöhung der Rundfunkabgabe auf monatlich 18,94 Euro verweigert. Trotz einer Verfassungsbeschwerde der Sender wird der Beitrag erst 2027 steigen, und dann wohl nur um 28 Cent. Vor allem innerhalb der ARD muss daher noch mehr gespart werden. Das schließt auch einen weiteren Stellenabbau mit ein.
mehr »

Medien-NGOs im Visier der Rechten

In Deutschland nehmen die Angriffe auf zivilgesellschaftliche Organisationen zu – angefeuert von extrem rechten Akteur*innen aus Politik, Medien und PR. Ihre Diffamierungs- und Desinformationskampagnen zielen darauf, vor allem Nichtregierungsorganisationen, finanziell auszutrocknen. Damit gefährden sie auch die Arbeit demokratischer Medienprojekte.
mehr »