Leiharbeit im Visier

Volontäre der Rhein-Main-Verlagsgruppe werden nicht übernommen

Volontäre der Verlagsgruppe Rhein Main (VRM) werden dieses Jahr nicht als Redakteure übernommen und haben offensichtlich auch keine Chance auf eine befristete Stelle.

Die Geschäftsleitung möchte das bislang praktizierte Modell aufgeben, wonach Redakteure ihre Arbeitszeit verkürzten, damit Jungredakteure zumindest befristet beschäftigt werden konnten. Statt dessen sind die Weichen für Leiharbeit gestellt. Der Topas Verlagsservice GmbH, an der die VRM beteiligt ist, liegt seit kurzem die Erlaubnis zur Arbeitnehmerüberlassung vor.

Auf Grund der wirtschaftlichen Situation sei es dieses Jahr nicht möglich, die Volontäre zu übernehmen, erklärte VRM-Personalleiter Holger Deets. Ob die Jungredakteure künftig von Topas an die VRM ausgeliehen werden, hänge vom Bedarf in der Redaktion ab. Das seien zurzeit jedoch lediglich Überlegungen, so Deets.
„Wir haben soweit alles fertig“, sagt Gunnar Schäfer, Assistent der Geschäftsleitung der Topas Verlagsservice GmbH. Die Verträge seien unterschriftsreif und Topas bereit, Jungredakteure zu beschäftigen und an die VRM auszuleihen. Die Firma Topas, nicht tarifgebunden und ohne Betriebsrat, beschäftigt nach eigenen Angaben 26 Vollzeitkräfte und Minijobber, darunter sechs Redakteure und Redakteurinnen. Hauptauftraggeber ist die VRM, für die das Redaktionsteam das Jugendmagazin „Pepper“, das Wochenend- und das Reisejournal sowie Ratgeberseiten erstellt.
Für Leihredakteure bei Topas soll künftig der Tarifvertrag gelten, den die DGB-Tarifgemeinschaft mit dem Bundesverband Zeitarbeit vereinbart hat. Leihredakteure haben dieselbe Qualifikation wie feste Redakteure, sie erledigen die gleiche Arbeit und sind doch Redakteure zweiter Klasse. Nach Berechnungen von ver.di verdient ein Leihredakteur etwa 30 Prozent weniger als ein festangestellter Redakteur in einem tarifgebundenen Zeitungsverlag. Die Präsenz von Leihredakteuren bleibt nicht ohne Folgen für die Stammbelegschaft. Fest Beschäftigte erleben, dass jemand die Arbeit zu schlechteren Konditionen erledigt, dasselbe leistet wie sie und hoch motiviert an die Arbeit geht, weil damit die Hoffnung auf eine Festanstellung verknüpft ist.
Noch liegen die Verträge für Leihredakteure in der Schublade. Doch spätestens im Juli, wenn die nächsten Volontäre ihre Ausbildung beendet haben, kommen sie erneut auf den Tisch, fürchtet der Betriebsrat der VRM, der der Geschäftsleitung Tarifflucht und Lohndumping vorwirft. Eins steht fest: Wenn Redakteure künftig ihre Arbeitszeit reduzieren, profitieren davon nicht mehr Jungredakteure mit einer befristeten Stelle, sondern der Verlag. Die freigewordenen Kapazitäten bleiben unbesetzt. Das vom Betriebsrat favorisierte Modell hatte „ohnehin nur marginale Wirkung“, so Deets. Das sieht der Betriebsrat anders: „Immerhin konnten zuletzt zwei Jungredakteure befristet beschäftigt werden, immer noch besser, als arbeitslos zu sein“, sagt Hermann Frühauf, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender. Oder als Leihredakteur für viel weniger Geld zu arbeiten.

mib
nach oben

weiterlesen

Neue Verhaltensregeln für Medien und Polizei

Der Deutsche Presserat hat der Innenministerkonferenz einen Vorschlag über zeitgemäße gemeinsame Verhaltensgrundsätze für Polizei und Medien vorgelegt. Es sei höchste Zeit, dass Journalistinnen und Journalisten bei Demonstrationen und Großveranstaltungen besser geschützt werden und ungehindert arbeiten können, erklärte Sascha Borowski, Sprecher des Deutschen Presserats, zur aktuellen Vorlage.
mehr »

Gegen Trojaner-Einsatz bei Verfassungsschutz

Der Hamburger Verfassungsschutz und die Polizei verfügen seit April 2020 über scharfe Überwachungsinstrumente: Der Verfassungsschutz darf mit Trojanern verschlüsselte Kommunikation ausforschen, die Polizei mittels Algorithmen Personenprofile erstellen. Die Gesellschaft für Freiheitsrechte e.V. (GFF), die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di und weitere NGOs erheben heute Verfassungsbeschwerde gegen die Gesetzesänderungen, wird in einer gemeinsamen Pressemitteilung informiert.
mehr »

Weibliche Allianzen für die Medienmacht

Mit „Lobkartellen“ gegen frauenfeindliche Stimmung in Redaktionen anzugehen, riet Anne Fromm, Medienredakteurin der taz, als praktische Möglichkeit, sich gegen eingespielte Männer-Netzwerke zur Wehr zu setzen. Fromm war zusammen mit Edith Heitkämper, Vorsitzende des Vereins „Pro Quote Medien“,  beim zweiten digitalen Medien-Meeting der dju in ver.di als Expertin eingeladen, um über mehr Führungsfrauen in den Medien zu diskutieren.
mehr »

Die Frage des richtigen Formats

Haben die Medien während der aktuellen Pandemie zur Aufklärung und Information beigetragen oder haben Sie eher Verwirrung gestiftet? Teils, teils, urteilt der Berliner Virologe Christian Drosten. Über seine Erfahrungen berichtete er auf der Konferenz „Formate des Politischen 2020“. Die vom Deutschlandfunk, der Deutschen Welle und der Bundespressekonferenz veranstaltete Diskussion fand in diesem Jahr nur in digitaler Form statt.
mehr »