Leserbrief: Frauen zwischen „gläsernen Decken“

Zum Leserbrief von Leif Allendorf „Gleichberechtigung bewundert“ in «M» 11 / 2004

Nach ausgiebigem Herumkauen auf dem Leserbrief des Berliner Kollegen Leif Allendorf zum Artikel der Kollegin Düperthal (M 10 / 2004 „Journalistinnen raus gekickt“) ist mir doch noch eingefallen, warum M der dumpfen Kollegenschelte – „dumm … unüberlegt … bräsige Artikel absondern“ etc. – vermutlich nach langwierigen redaktionsinternen Kontroversen – ein Forum gewährt hat: Am Ende fordert Allendorf in seinem Leserbrief eben das, was er in seiner Kritik an Düperthals Bericht vermissen lässt, nämlich „Respekt und Solidarität gegenüber Kollegen gleich welchen Geschlechts“. Tja, Kollege Allendorf, vielleicht hättest Du Dich vor Deinem Wutausbruch über die „Mär von bösen Männern, die durch Redaktionen schleichen und arme Frauen verdrängen“ doch mal mit der einen oder anderen Kollegin unterhalten sollen – etwa über die mangelnde Frauenpräsenz in den Führungsetagen (es beginnt bei der Ressortleitung) von Zeitungen, Sendern und Medienkonzernen. Dann hättest Du vielleicht etwas über „gläserne Decken“ zu hören bekommen, die Du als Mann nicht ohne weiteres sehen kannst, weil Sie nur für Frauen eingezogen werden, um das männliche Mittelmaß nicht beim Spielen zu stören. Möglicherweise hättest Du im Gespräch mit Kolleginnen auch erfahren, wie sie an den Netzwerken der jungen und alten Buben scheitern – sowohl in den Redaktionen als auch „draußen“ … Aber ich will Dich nicht länger mit „bräsigen“ Verschwörungstheorien nerven – nur eins noch: Wer würde von Dir als Ressortchef die Aufträge bekommen? So nervige Weiber wie ich oder Gitta Düperthal oder der 25-Jährige Breitbeiner (Motto: „Kenn ich, mach ich sofort, kann ich gut!“), der Dir wie ein jüngerer Bruder vorkommt?

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Übergriffe im Sachsen-Anhalt-Wahlkampf

Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ging mit einem bislang  beispiellosen Ausmaß an Angriffen auf Medienschaffende einher. Die dju in ver.di zieht nach dem Wahlwochenende eine alarmierende Bilanz. Seit Beginn der Erfassung im Mai 2026 wurden insgesamt 46 dokumentierte Fälle von Übergriffen, Einschüchterungen und massiven Behinderungen gezählt. 
mehr »

Was braucht junger Journalismus?

Zehn Landesverbände, 15.000 Mitglieder, rund 300 Veranstaltungen im Jahr, das ist die Bilanz der Jugendpresse Deutschland, die Clara Hoheisel, Geschäftsführende Bundesvorständin beim Sommerfest der Jugendpresse Deutschland am Freitag in Berlin-Neukölln bekannt gab. Zur Eröffnung gab es ein Gespräch mit ZEIT-Chefredakteur Jochen Wegner über das Thema „Was braucht junger Journalismus“.
mehr »

No SLAPP Handbuch: Strafrecht

Was tun, wenn das Strafrecht instrumentalisiert wird, um gegen unerwünschte Berichterstattungen vorzugehen? Das vierte Handbuchkapitel soll Journalist*innen helfen, mit entsprechenden Strafanzeigen umzugehen, insbesondere wegen Beleidigungsdelikten.
mehr »

Journalismus muss sich zur Wehr setzen

Nicht erst seit dem Wahlkampf in Sachsen-Anhalt sind sie zu einer festen Größe bei politischen Veranstaltungen geworden: Private Streamer, oft aus dem stramm rechten Spektrum. Sie behindern die Arbeit von Pressevertreter*innen, bedrängen Politiker*innen oder schüchtern Demonstrationsteilnehmer*innen ein.
mehr »