Leserbrief: Falsche Denke über die Ungelernten

Aushilfsjob Fotograf in M 11/2009

In der November-Ausgabe von M sind mir gleich einige interessante und gute Beiträge aufgefallen. Dazu gehören die beiden in der Rubrik „kommentiert & aufgespießt“. Hier ist vor allem der Beitrag „Aushilfsjob Fotograf“ von Bettina Erdmann bemerkenswert. Aber ist die Deutsche Rentenversicherung mit ihrer Argumentation („ungelernter Arbeiter“) denn ein Einzelfall? Ich möchte Ihnen dazu frank und frei meine Meinung mitteilen: Im Journalismus, und nicht nur bei den Bossen, findet man doch die gleiche Denke. Wenn nicht immer, dann zumindest immer öfter.
Gewiss, einerseits gibt es einen freien Zugang zum Journalismus und wird unter anderem auch dieser Aspekt von den Interessensvertretungen hochgehalten. Auf der anderen Seite liegt in dem krankenden System ein Fehler einfach darin, dass man im Journalismus (ich beziehe mich auf „Texter“, über Fotografen vermag ich nichts zu sagen) in aller Regel als „unfertig“ gilt und entsprechend behandelt und vor allem honoriert wird, so lange man nicht die klassische Ausbildung in Form eines Volontariats hinter sich bringen konnte. Egal, wie alt man ist, egal wie viel Erfahrung man aufweist, welche und wie viele Fortbildungen oder Aufbaustudiengänge man besucht hat und nicht zuletzt, egal wie gut oder schlecht sowie wie engagiert oder nicht engagiert man seine Arbeit macht.
Nun ist das Volontariat zweifellos eine sinnvolle Einrichtung – grundsätzlich. Nur sind die Plätze nicht nur knapp, sondern werden sie aufgrund dieser Denke auch eher noch künstlich knapp gehalten. Es ist doch grotesk, dass man oftmals schon vorher all das und mehr können muss, was man in der Ausbildung lernen sollte, um (vielleicht) ein Volontariat zu bekommen. Die „durch dieses Nadelöhr muss er/sie kommen“ – Mentalität ist inzwischen völlig fehl am Platz. Gerade von den journalistischen Interessensvertretungen erwarte ich hier endlich, dass sie ganz glasklar Position beziehen, selbstverständlich im Sinne ihrer Klientel!

 

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Der Deutsche Presserat hatte im vergangenen Jahr ordentlich zu tun: 2020 sind so viele Beschwerden eingegangen wie noch nie. Das lag nicht zuletzt an Massenbeschwerden zu einzelnen Artikeln, die in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert wurden. Auch die Zahl der Rügen ist deutlich gestiegen. Insgesamt 53 Mal verhängte die Freiwillige Selbstkontrolle der Presse ihre schärfste Sanktion.
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