Leserbrief: Im Kriegseinsatz nichts verloren

M 7 / 2012 „Keine Journalistenschüler mehr nach Hammelburg“

Ich finde es irritierend, wenn eine dju-Hochschulgruppe und ein dju-Landesvorstand sich für ein Seminar einsetzen, das Studierende auf die journalistische Arbeit in Kriegs- und Krisenregionen vorbereitet. Ich bin der Auffassung, dass dort erfahrene Kolleginnen und Kollegen trainiert werden sollten, die im Auftrag von Sendern oder Verlagen später von Kriegen und gewaltsam ausgetragenen Konflikten berichten sollen, nicht aber Zweitsemester, die selbst für den journalistischen Einsatz im Frieden nicht ausreichend ausgebildet und erfahren sind, oder vorher nicht einmal in einer friedlichen Dritte-Welt-Region professionell gearbeitet haben. Die haben weder in Hammelburg, geschweige im Kriegseinsatz irgendetwas verloren.
Indem man sich für die Teilnahme von Studierenden an solchen Workshops einsetzt, befördert man – ob man es will oder nicht – die zum Teil naiven Vorstellungen junger Menschen vom Reporter im Krieg, die durch entsprechende Haudegen- und Harte-Kerle-Darstellungen in den Medien befördert werden. Die Autorin des Artikels sollte mal mit erfahrenen Kriegsfotografen sprechen, die ein Lied davon singen können, wie viele blutjunge Fotografen sie auf den Schlachtfeldern der modernen Kriege treffen und die ihr Leben riskieren, obwohl sie zum großen Teil nicht mal einen bezahlten Auftrag haben. Diese Zahl sollten wir nicht erhöhen (s. auch S. 30/31).

 Rolf Nobel,
Professor für Fotografie an der FH Hannover

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

VG-Wort: Die fetten Jahre sind vorbei

In diesen Tagen bekommen Urheber*innen wieder Post der VG Wort: die Mitteilungen über die zweite jährliche Ausschüttung, der so genannte Mitteilungsbrief. Für Journalist*innen bedeutet das hauptsächlich die Tantiemen für im Internet veröffentlichte Texte, die sogenannte METIS-Ausschüttung.
mehr »

Drei Fragen: Zu news aktuell

Seit gestern streiken die Mitarbeitenden der dpa-Tochter news aktuell in Hamburg. Sie fordern einen eigenen Tarifvertrag analog zur Muttergesellschaft. Die Geschäftsführung lehnte Tarifverhandlungen mit der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di bisher allerdings ab. Wir sprachen darüber mit Simon Schmitz von der ver.di-Tarifkommission.
mehr »

Gericht kassiert unfaire Klauseln

Der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di und der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) haben in erster Instanz gegen die Süddeutsche Zeitung GmbH. Das Landgericht München untersagte hat Süddeutschen Zeitung GmbH, mehrere Klauseln aus ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen für freie Journalist*innen zu verwenden.
mehr »

Tarifeinigung beim ZDF

ver.di und das ZDF haben sich in den Tarifverhandlungen auf einen Abschluss für die Beschäftigten verständigt. Die Vereinbarung hat eine Laufzeit von 29 Monaten vom 1. August 2026 bis zum 31. Dezember 2028. Leermonate gibt es nicht.
mehr »