Leserbrief: Im Kriegseinsatz nichts verloren

M 7 / 2012 „Keine Journalistenschüler mehr nach Hammelburg“

Ich finde es irritierend, wenn eine dju-Hochschulgruppe und ein dju-Landesvorstand sich für ein Seminar einsetzen, das Studierende auf die journalistische Arbeit in Kriegs- und Krisenregionen vorbereitet. Ich bin der Auffassung, dass dort erfahrene Kolleginnen und Kollegen trainiert werden sollten, die im Auftrag von Sendern oder Verlagen später von Kriegen und gewaltsam ausgetragenen Konflikten berichten sollen, nicht aber Zweitsemester, die selbst für den journalistischen Einsatz im Frieden nicht ausreichend ausgebildet und erfahren sind, oder vorher nicht einmal in einer friedlichen Dritte-Welt-Region professionell gearbeitet haben. Die haben weder in Hammelburg, geschweige im Kriegseinsatz irgendetwas verloren.
Indem man sich für die Teilnahme von Studierenden an solchen Workshops einsetzt, befördert man – ob man es will oder nicht – die zum Teil naiven Vorstellungen junger Menschen vom Reporter im Krieg, die durch entsprechende Haudegen- und Harte-Kerle-Darstellungen in den Medien befördert werden. Die Autorin des Artikels sollte mal mit erfahrenen Kriegsfotografen sprechen, die ein Lied davon singen können, wie viele blutjunge Fotografen sie auf den Schlachtfeldern der modernen Kriege treffen und die ihr Leben riskieren, obwohl sie zum großen Teil nicht mal einen bezahlten Auftrag haben. Diese Zahl sollten wir nicht erhöhen (s. auch S. 30/31).

 Rolf Nobel,
Professor für Fotografie an der FH Hannover

nach oben

weiterlesen

Es geht um Wahrheit, Transparenz, Integrität

Die Journalism Trust Initiative (JTI) ist eine Plattform, die vertrauenswürdige Nachrichtenquellen identifizieren und stärken will. Unter der Regie von Reporter ohne Grenzen (RSF) soll ein Beitrag gegen Hass, Propaganda und Fake News geleistet werden. Ende Mai wurde die Webseite freigeschaltet. Am 29. Juli diskutierten Projektteilnehmer verschiedener internationaler Medien zum Thema „Glaubwürdiger Journalismus als Gegengift gegen Desinformation“ über Funktionsweise und Aufgaben der Plattform.
mehr »

Algerien zieht gegen freie Presse zu Felde

Meinungs- und Pressefreiheit stehen in Algerien so heftig unter Druck wie seit mehr als 20 Jahren nicht mehr. Journalist*innen werden eingeschüchtert, systematisch an ihrer Arbeit gehindert, gar verhaftet und strafrechtlich verfolgt. Seit 2019 ließ die Regierung den Zugang zu mindestens 16 regimekritischen Nachrichten-Websites sperren und verabschiedete Gesetze, die als Frontalangriff auf die freie Presse bewertet werden. Entspannung ist nicht in Sicht.
mehr »

Kunst darf an die Grenzen gehen

In einer am 26. Juli 2021 veröffentlichten Stellungnahme für das Bundesverfassungsgericht hat die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft einen als "Schmähgedicht" überschriebenen Vortrag von Jan Böhmermann 2016 im ZDF als "von der Kunstfreiheit gedeckt" bezeichnet. "Eine demokratische Gesellschaft muss aushalten können, dass Künstlerinnen oder Künstler in künstlerischer Form an Grenzen gehen, bis es schmerzt", erklärte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Christoph Schmitz.
mehr »

Schnelle und konkrete Hilfe für Kollegen

Journalisten helfen Journalisten e. V. setzt sich für in Not geratene, an ihrer Arbeit gehinderte, misshandelte Kolleg*innen und die Hinterbliebenen getöteter Journalist*innen ein. Der gemeinnützige Verein wurde 1993 von Christiane Schlötzer-Scotland gegründet, deren Ehemann Egon Scotland während seiner Recherchen für die „Süddeutsche Zeitung“ im damaligen kroatischen Krisengebiet von einem Heckenschützen am 26. Juli 1991 ermordet wurde. M sprach mit dem Geschäftsführer des Vereins Carl Wilhelm Macke.
mehr »