Leserbrief: Im Kriegseinsatz nichts verloren

M 7 / 2012 „Keine Journalistenschüler mehr nach Hammelburg“

Ich finde es irritierend, wenn eine dju-Hochschulgruppe und ein dju-Landesvorstand sich für ein Seminar einsetzen, das Studierende auf die journalistische Arbeit in Kriegs- und Krisenregionen vorbereitet. Ich bin der Auffassung, dass dort erfahrene Kolleginnen und Kollegen trainiert werden sollten, die im Auftrag von Sendern oder Verlagen später von Kriegen und gewaltsam ausgetragenen Konflikten berichten sollen, nicht aber Zweitsemester, die selbst für den journalistischen Einsatz im Frieden nicht ausreichend ausgebildet und erfahren sind, oder vorher nicht einmal in einer friedlichen Dritte-Welt-Region professionell gearbeitet haben. Die haben weder in Hammelburg, geschweige im Kriegseinsatz irgendetwas verloren.
Indem man sich für die Teilnahme von Studierenden an solchen Workshops einsetzt, befördert man – ob man es will oder nicht – die zum Teil naiven Vorstellungen junger Menschen vom Reporter im Krieg, die durch entsprechende Haudegen- und Harte-Kerle-Darstellungen in den Medien befördert werden. Die Autorin des Artikels sollte mal mit erfahrenen Kriegsfotografen sprechen, die ein Lied davon singen können, wie viele blutjunge Fotografen sie auf den Schlachtfeldern der modernen Kriege treffen und die ihr Leben riskieren, obwohl sie zum großen Teil nicht mal einen bezahlten Auftrag haben. Diese Zahl sollten wir nicht erhöhen (s. auch S. 30/31).

 Rolf Nobel,
Professor für Fotografie an der FH Hannover

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Der Deutsche Presserat hatte im vergangenen Jahr ordentlich zu tun: 2020 sind so viele Beschwerden eingegangen wie noch nie. Das lag nicht zuletzt an Massenbeschwerden zu einzelnen Artikeln, die in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert wurden. Auch die Zahl der Rügen ist deutlich gestiegen. Insgesamt 53 Mal verhängte die Freiwillige Selbstkontrolle der Presse ihre schärfste Sanktion.
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