LUMIX: Erneut alle Rekorde gebrochen

Fotoausstellung im Design Center, Ausstellungssort des LUMIX Festivals für jungen Fotojournalismus
Foto: Martha Richards

Mit 40.000 Besuchern, 10 Ausstellungsorten und einem Rahmenprogramm umfangreicher denn je hat das alle zwei Jahre stattfindende LUMIX Festival für jungen Fotojournalismus in diesem Jahr erneut seine eigenen Rekorde gebrochen. Die vom Studiengang Fotojournalismus und Dokumentarfotografie der Hochschule Hannover und dem Verein zur Förderung der Fotografie in Hannover e.V. organisierte Messe feierte im Juni in Hannover ihr fünftes Jubiläum und lockte mit 60 Fotoausstellungen, den 8 Abendvorträgen renommierter Fotograf_innen und dem erstmals installierten Container-Dorf Besucher aus aller Welt auf das Gelände der ehemaligen Weltausstellung EXPO 2000.

Auch seinen internationalen Bekanntheitsgrad konnte das Fotofestival, urteilt man nach dem babylonischen Sprachengewirr unter den Besuchern, noch merklich steigern. Sogar eine Gruppe amerikanischer Studenten der University of Missouri hatte anlässlich der LUMIX ihre dreiwöchige Summer School in Florenz für einen Abstecher nach Hannover unterbrochen. Ebenso international wie illuster war die Auswahl der ausstellenden Fotojournalist_innen und auch thematisch präsentierten sich die Ausstellungen wie gewohnt vielfältig. Neben offensichtlichen Themen wie der Flüchtlingskrise ging es in diesem Jahr unter anderem um die Folgen genetisch veränderten Saatgutes, Korruption in der Politik oder gefährliche Krankheiten und Epidemien. Den mit 10.000 Euro dotierten, begehrten FREELENS Award hat der ehemalige Student der Hochschule Hannover Jonas Wresch erhalten, der sich mit seiner Arbeit „Kolumbiens Weg zum Frieden“ bereits einen Platz im Band zu den „Fotos für die Pressefreiheit 2016“ von Reporter ohne Grenzen gesichert hatte. Für das Projekt hatte er mehrere Monate lang die Bewohner des Dorfes Toribio, einer der am härtesten umkämpften Orte Kolumbiens, begleitet. Sie wehren sich mit ihrer aus 800 Männern und Frauen bestehenden Schutztruppe Guardia Indigena völlig unbewaffnet gegen die Angriffe durch das kolumbianische Militär und die Guerilla.

Fotojournalismus hautnah im Container-Dorf

Erstmals haben die Organisatoren der LUMIX ihr Festival-Portfolio in diesem Jahr um das Container-Dorf erweitert, mit dem Fotografenkollektiven, Zeitungen, Organisationen, Hochschulen und Magazinen die Möglichkeit gegeben wurde, sich mit einem Vortragsprogramm auf der LUMIX zu präsentieren. In zehn Containern auf der Expo-Plaza konnten die Festivalbesucher so ins Gespräch mit Fotograf_innen und Redakteur_innen kommen und sich an Diskussionen in kleinem Kreis beteiligen. Genutzt wurde das Angebot unter anderem von der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ und vom Cameo Kollektiv, einer bundesweit vernetzten Gruppe, die mit Workshops, Ausstellungen, Kampagnen und mittlerweile einer eigenen Publikation den Austausch und die Verständigung zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft fördern und stärken will. Der Verein, der auch Kooperationspartner der dju in ver.di ist, bot Interessierten auf der LUMIX ein buntes Programm an Vorträgen und Diskussionen. So informierte dort etwa dju-Bundesvorstandsmitglied Joachim Legatis über die Situation der Medien in der Türkei. In dem 30-minütigen Vortrag, der mit „Under pressure – Journalism in Turkey“ überschrieben war, berichtete Legatis unter anderem, wie türkische Medien heutzutage schon unter Druck gerieten, wenn sie lediglich Fotos oppositioneller Politiker abdrucken würden.

dju-Bundesvorstandsmitglied Joachim Legatis berichtet im Container-Dorf auf der LUMIX über die Situation der Medien in der TürkeiFoto: Martha Richards
dju-Bundesvorstandsmitglied Joachim Legatis berichtet im Container-Dorf auf der LUMIX über die Situation der Medien in der Türkei
Foto: Martha Richards

Dr.-Erich-Salomon-Preis 2016 für Prof. Rolf Nobel

Im Rahmen des LUMIX Fotofestivals wurde der diesjährige Dr.-Erich-Salomon-Preis an den Fotografen, Fotojournalisten, Hochschullehrer, Kommunikationsdesigner, Lithografen und aktiven Gewerkschafter Professor Rolf Nobel verliehen. Der seit 1971 alljährlich für „vorbildliche Anwendung der Photographie in der Publizistik“ von der Deutschen Gesellschaft für Photographie (DGPh) vergebene Preis erinnert an Dr. Erich Salomon, den bedeutenden Fotografen der Weimarer Republik, dem der moderne Bildjournalismus wichtige Anregungenverdankt. „Mit dem 1950 in Hamburg geborenen Rolf Nobel“, so die Begründung für den Preisträger, „würdigt die DGPh einen der einflussreichsten deutschen Fotolehrer überhaupt, der gleichfalls als Photograph, Festival- und Galeriegründer wegweisende Akzente gesetzt hat.“ Nobel hatte zu Beginn der 2000er Jahre als erster Professor in der Studienrichtung Fotografie an der Fachhochschule Hannover die konsequente Profilierung des Studiengangs in Richtung Fotojournalismus vorangetrieben und im Jahr 2008 das LUMIX Festival für jungen Fotojournalismus initiiert. Die dju in ver.di würdigte Nobel als ausgesprochen vielfältige Persönlichkeit, die mit ihrem Wirken als Motor für neue Wege in Forschung und Lehre neue Akzente im Fotojournalismus auch über die Hochschule Hannover hinaus gesetzt habe: „Rolf Nobel ist ein überzeugender Preisträger: Dem Gewerkschafter und Hochschullehrer liegen soziale Themen und Menschen am Herzen. Für die dju im Kulturwerk der Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst förderte er in den letzten Jahren viele Projekte von Fotografen mit. Sich zu berufspolitischen Themen zu äußern, etwa zum Urheberrecht und der Frage der Bezahlung von freien Fotografinnen und Fotografen, ist ihm ein unverzichtbares Anliegen“, unterstrich der Vorsitzende der dju in ver.di, Ulrich Janßen. Der Dr.-Erich-Salomon-Preis ist mit einer Urkunde und einer Leica-Kamera mit Namensgravur dotiert.

Podiumsdiskussion: Bilder als Dokumente der Realität

Der Informationsstand der dju in ver.di auf dem LUMIX FotofestivalFoto: Martha Richards
Der Informationsstand der dju in ver.di auf dem LUMIX Fotofestival
Foto: Martha Richards

Die dju in ver.di war auf dem 5. LUMIX Fotofestival nicht nur mit ihrem ausgefallenen Infostand im Design Center vertreten, sondern hat gemeinsam mit dem Studiengang Fotojournalismus und Dokumentarfotografie, der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) und dem Deutschen Presserat eine Podiumsdiskussion veranstaltet. Unter der Überschrift „Bilder als Dokumente der Realität – Was muten wir dem Betrachter zu?“ diskutierten der Fotograf Christoph Bangert, Andreas Fischer, Vorsitzender der Kommission für Jugendmedienschutz, Sigrun Müller-Gerbes, Mitglied im Deutschen Presserat, Andres Trampe, Leiter der Bildredaktion des „Stern“-Magazins und Michael Pfister, Leiter der Bildredaktion bei „Zeit Online“, ob es für den Umgang mit Opferfotos und Gewaltdarstellungen in den Medien besonderer Regeln bedarf. Nicht erschienen zur Diskussion war der angekündigte Podiumsgast Julian Reichelt, Chefredakteur von BILD.de. Kein Wunder, beschäftigen sich doch aktuell sowohl die KJM als auch der Deutsche Presserat mit Fotos aus dem syrischen Bürgerkrieg, die auf BILD.de erschienen waren und die etwa von der KJM als Verstoß gegen die Menschenwürde beanstandet wurden.

Podiumsdiskussion auf dem LUMIX FotofestivalFoto: Martha Richards
Podiumsdiskussion auf dem LUMIX Fotofestival
Foto: Martha Richards

Auf dem Podium herrschte dann folglich auch mehr Einigkeit als erwartet. Dass für Redaktionen und Fotograf_innen eine Dokumentationspflicht bestehe, das stehe außer Frage. Von Bedeutung sei allerdings, so Bangert und Trampe, dass die Bilder in ihrem Kontext richtig eingeordnet würden. Besonders grausame Bilder dürften zudem nur in kleinem Format erscheinen und nicht vergrößerungsfähig sein. Geteilter Meinung war man indes über die Position der Grenze zwischen Pressefreiheit und Wahrung der Menschenwürde. Gibt es etwa bei „Zeit Online“ eine pauschale Reglementierung, dass Fotos von Leichen nicht gezeigt werden dürfen, plädieren Trampe und Bangert dafür, immer im Einzelfall zu entscheiden, ob das Zeigen der Bilder eine Relevanz für die Öffentlichkeit besitze. Vor allem Bangert, Autor des Buches „War Porn“ ist dabei der Meinung, dass man der Öffentlichkeit durchaus auch viel mehr zumuten könne, als es aktuell in Tageszeitungen oft der Fall sei.

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