Medienjugend sorgt sich um Pressefreiheit

Auf den Jugendmedientagen 2018 in Bremen darf der Infostand der dju natürlich nicht fehlen. Susanne Stracke-Neumann, Lennart Helal und Peter Freitag (v.l.n.r.) informieren den Mediennachwuchs über Wege in den Beruf
Foto: Jan-Timo Schaube

„Bewegt(e) Grenzen – Raise Your Voice“ hieß vom 4. bis 7. Oktober das Motto der Jugendmedientage in Bremen. Die Pressefreiheit stand bei diesem jährlichen Höhepunkt der Jugendpresse Deutschland auf dem Bremer Unicampus im Mittelpunkt der Workshops und Diskussionen. Auch die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union dju in ver.di war wieder mit einem Infostand vertreten und informierte an den ersten beiden Tagen die medieninteressierten 250 Jugendlichen aus ganz Deutschland über Wege in den Beruf.

Die Eröffnung der Jugendmedientage 2018 im futuristischen Bremer Universum am Rande des Bremer Universitätsgeländes
Foto: Jan-Timo Schaube

„Medienerzeuger wie Mediennutzer haben eine ganz hohe Verantwortung“, erklärte Bremens Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit und Verbraucherschutz, Prof. Dr. Eva Quante-Brandt, bei der Eröffnung der Jugendmedientage (JMT) 2018 im Bremer Universum, der futuristischen Ausstellungsellipse am Rande des Bremer Universitätsgeländes. Auch die Rezipient_innen müssten sich mit den Informationen, die sie auf den sogenannten Social Media teilen und weiterempfehlen, auseinandersetzen. Denn Falschmeldungen oder als Satire gemeinte Beiträge würden nicht selten als Wahrheit weitergereicht. Informiertheit begründe die Entscheidungskompetenz der Bürgerinnen und Bürger, deshalb sei die Pressefreiheit immer auch die Freiheit des Einzelnen.

In ihrer Keynote berichtete die die frühere Volontärin vom Weser-Kurier, Kristin Hermann, von den Folgen ihres Dossiers über den Einsatz des Flüchtlingsrettungsschiffs „Aquarius“ im Mittelmeer. Zum einen erhielt die junge Journalistin dafür viel Lob und den DRK-Medienpreis. Zum anderen landeten in ihren Accounts aber auch haufenweise Hassmails. Die Zunahme dieser „Hate Speech“ ist für Markus Bickel, langjähriger Nahostkorrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und jetzt Chef des „Amnesty Journal“, Grund genug, um zu dem Schluss zu kommen: „Die Idee des Web 2.0, die die Demokratie näher an den Bürger bringen soll, ist gescheitert“.

Gemma Pörzgen, Angelique Geray, Markus Bickel und Dr. Lutz Kinkel (v.l.n.r.) bestritten auf den Jugendmedientagen 2018 das Podium zum Auftakt
Foto: Jan-Timo Schaube

Wie politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen die Pressefreiheit einschränken können, diskutierten Bickel, Gemma Pörzgen von Reporter ohne Grenzen, Dr. Lutz Kinkel vom Europäischen Zentrum für Medien- und Pressefreiheit und Angelique Geray von der Axel-Springer-Akademie in der Podiumsdiskussion zum Auftakt der JMT. Pörzgen unterstrich, wie wichtig es sei, die Kommentare auf den Plattformen der Medien und in den „sozialen“ Kanälen professionell zu moderieren. Diese Kompetenz gehöre heute unbedingt zum Journalistenberuf dazu und müsse Teil der Ausbildung sein, erklärten Pörzgen und Bickel. Als Gefahr für den Journalismus nannten Pörzgen und Kinkel den ökonomischen Druck, der zu wenig Zeit für Recherche ermögliche und Auslandskorrespondenten in ihrer Arbeit sehr einschränke. Die Folge seien „weiße Flecken“ in der Berichterstattung. Aber auch die „angebliche Terroristenbekämpfung“, die das Ausspähen von Quellen legitimieren soll, ist für Kinkel ein Grund zur Besorgnis. Zudem bemängelte er, dass die Medienpolitik nicht in der EU geregelt werde, sondern immer noch Sache der einzelnen Mitgliedsstaaten sei – die damit sehr unterschiedlich umgehen würden.

Die Medientouren führten die jungen Medienmacher_innen zu Radio Bremen, ZDF-Landesstudio und Weser-Kurier, oder nach Hamburg zu ZEIT Campus, Gruner & Jahr und Bauer Verlag. Aber auch Facebook und Google standen auf dem Plan der Möglichkeiten. Bunt gemischt war wieder das Angebot der Workshops und Erzählcafés: Die Arbeit der „Mann-beißt-Hund“-Agentur war ebenso Thema wie Improvisationstheater, ein kulinarischer Stadtspaziergang, Cybermobbing, Mobile Reporting, Podcasts, der Umgang der Medien mit der AfD, der Deutsche Presserat, die Möglichkeiten der Selbstvermarktung für Freie oder die „Panama Papers“ und die internationale Zusammenarbeit von Journalistinnen und Journalisten in gemeinsamen Projekten. Im Rahmen der Intensiv-Workshops haben junge Leute eine Ausgabe von ZEIT- Campus vorbereitet, außerdem tägliche Berichte für den Weser-Kurier geliefert, eine neue Ausgabe der „politikorange – frisch, fruchtig, selbstgepresst“ verfasst und viele Übungs-Werkstücke angefertigt.

Die Vorbereitungen für die Jugendmedientage im Oktober oder November 2019 seien schon angelaufen, erklärten Oskar Vitlif und Jonas Kunze vom Bundesvorstand der Jugendpresse. Noch seien Ort und Thema aber Gegenstand der internen Diskussionen.

Das nächste Highlight der jungen Medienmacherinnen und Medienmacher folgt indes sehr schnell: Der Jugendmedienworkshop im Deutschen Bundestag vom 25. November bis 1. Dezember in Berlin. Die Anmeldefrist ist zwar schon abgelaufen, aber das nächste Ereignis wartet schon. Aktuelle Informationen zu den Jugendpresse-Veranstaltungen, auch in Brüssel als Teil der European Youth Press, bieten der Newsletter und die Webseiten der Landesverbände.

Übrigens: Die neue Runde des Schülerzeitungswettbewerbs der Länder in Zusammenarbeit mit den Landesverbänden hat gerade begonnen: Die Abgabefristen sind auf den Seiten der Landesverbände zu finden. Die Preise auf Bundesebene werden im nächsten Jahr im Deutschen Bundesrat in Berlin überreicht.

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Crowdworker sollten aktiv mitbestimmen

Mechanical Turk, Upwork oder in Deutschland Content.de, Testbirds, Crowd Guru: Crowdworking-Plattformen sind Teil der sogenannten Plattform-Ökonomie. Von der Arbeit auf Uber, Airbnb oder bei Lieferdiensten wie Foodora grenze sich Crowdworking dadurch ab, dass die Abwicklung des Auftrags komplett online erfolge und ein digitales Ergebnis habe, definierte Prof. Dr. Hans Pongratz von der Ludwig-Maximilians-Universität München auf einer Tagung von ver.di und IG Metall in Berlin.
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Erste Hilfe gegen den Hass im Netz

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Spiel mit den Worten

„Voller Aufregung ob des nahenden Abenteuers erreichte ich den Hafen. Der Kapitän war noch nicht eingetroffen, also genoss ich die kühle Luft an Deck.“ So beginnt die Reise eines Entdeckers im Computerspiel „The Curious Expedition“, in dem man als illustre Figur der Geschichte fremde Regionen entdeckt und allerlei Abenteuer erlebt. Das Spiel des Entwicklers Maschinen-Mensch erschien vor zwei Jahren zuerst in englischer Sprache. Dafür gesorgt, dass auch deutschsprachige Spielende in Entdeckerlaune kommen, hat Iris Schäfer.
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