Mehr Sichtbarkeit für Frauen beim SWR

50:50 Foto: SWR

Der Südwestrundfunk (SWR) will den Frauenanteil in Radio, Fernsehen und Internet erhöhen und Frauen in allen Programmen sichtbarer machen. Daher stellt sich der Sender als erste Landesrundfunkanstalt der ARD der sogenannten 50:50-Challenge. Nach dem Vorbild der britischen BBC sollen alle Redaktionen ein Jahr lang freiwillig auf ein möglichst ausgeglichenes Geschlechterverhältnis in ihrem Programm achten. Das Mitmachen in den Redaktionen ist freiwillig.

Im SWR soll die neue Initiative Programmacher*innen inspirieren und unterstützen, den Anteil von Frauen und Männern in ihren Sendungen, Artikeln und Postings zu messen und die Ergebnisse gemeinsam zu bewerten. Das Vorbild-Projekt der BBC die sogenannte 50:50-Challenge hat weltweit schon etliche Nachahmer gefunden. Der britische Sender bietet eine Partnerschaft an, mehr als 100 Organisationen aus 26 Ländern sind inzwischen dabei. Allein bei der BBC machen mittlerweile 650 Redaktionen mit und achten auf ein möglichst ausgeglichenes Geschlechterverhältnis in ihrem Programmangebot.

Die Beauftragten für Chancengleichheit im SWR Cornelia Kuhn-Lorenz, Angela Sterzenbach und Susanne Werling haben sich ebenfalls für die Challenge eingesetzt: „Viele Studien der letzten Jahre haben gezeigt, dass Frauen in allen Ausspielwegen deutlich seltener vorkommen als dies in der Realität der Fall ist. Dies hat sich bei punktuellen Erhebungen auch im SWR bestätigt. Deshalb haben wir Beauftragten für Chancengleichheit uns Gedanken gemacht, wie wir den Anteil sicht-und hörbarer Frauen nachhaltig erhöhen können. Das 50:50 Projekt der BBC haben wir seit längerem beobachtet und deshalb der Geschäftsleitung und dem Intendanten des SWR eine Partnerschaft vorgeschlagen.“

Alle teilnehmenden Bereiche im SWR sollen nun ein Jahr lang dokumentieren, wie viele Männer und Frauen in ihrem Programmangebot auftauchen. Jede Person wird nur einmal gezählt, egal ob sie eine Sendung moderiert, interviewt wird, als Experte oder Expertin auftritt oder in einer kurzen Meinungsumfrage spricht.

Die Studie Wer wird in Krisenzeiten gefragt, hat bereits aufgezeigt, dass in der Corona-Berichterstattung im Fernsehen nur eine von fünf Expert*innen weiblich (22 Prozent) war. In der Online- Berichterstattung wurden Frauen nur zu rund 7 Prozent als Expertinnen erwähnt. Auch bei Talksendungen sieht es ähnlich aus. Hier lag der Expertinnenanteil mit 28 Prozent zwar etwas höher. Männliche Experten sind mit einem Anteil von 72 Prozent aber klar führend. Sogar in den Bereichen, in denen überproportional mehr Frauen tätig sind wie in der Bildung oder Pflege konnte man deshalb nicht überwiegend Expertinnen erwarten: Im Medizin-Bereich betrug der Frauenanteil nur 17 Prozent.

Mehr Frauen an der Berichterstattung zu beteiligen, das sei nicht nur eine Gerechtigkeitsfrage. „Es geht um unser Publikum und um die Qualität unserer Programme. Bilden wir die Geschlechter in ihrer Vielfalt ab, erreichen wir mehr Zuschauerinnen, Zuhörerinnen und Userinnen und zeigen die Gesellschaft, wie sie ist“, so Cornelia Kuhn-Lorenz, Angela Sterzenbach und Susanne Werling.

Eine Quote soll es beim SWR jedoch nicht geben. „Die BBC und ihr 50:50 Projekt sind das Vorbild und sie sind sehr erfolgreich, gerade weil es freiwillig ist.“ Der Frauenanteil sei dort permanent gestiegen, erklären die Beauftragten für Chancengleichheit M. Es gelte zu sensibilisieren. „Muss es immer der eine Experte sein, nur weil er permanent zur Verfügung steht? Gibt es nicht auch eine Frau für dieses Themengebiet? Wie steht es mit den Verbänden und Pressestellen, die uns immer wieder dieselben Gäste anbieten wollen?“

Die redaktionelle Hoheit liege jedoch weiterhin bei den Redaktionen, stellen die Beauftragten für Chancengleichheit klar: „Es ist bewusst keine Quote. Die journalistische Qualität ist und bleibt der Maßstab. Da kann es keine Abstriche geben. Die Beste wird genommen ungeachtet des Geschlechts und der Auswirkungen auf das 50:50 Projekt.“

Einige Redaktionen im Sender haben ihre Teilnahme nach Angaben des SWR bereits zugesagt, unter anderem der Sport, Nachrichten- und Kultur-Redaktionen, die Macherinnen und Macher von „Kaffee oder Tee“ sowie die Redaktion vom „ARD Buffet“.

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