MoJoFest: Mit Studio in der Hosentasche

MoJoFest in Irland 2018: Fiona Maguire alias Mamma Magic (Mitte) versprüht Temperament und Informationen.
Foto: Kai Rüsberg

Drei Tage feierten sich in Irland erneut die mobilen Journalisten dafür, Technik wie Fernsehstudios, Übertragungswagen und Kamerateams hinter sich zu lassen und alles durch das Smartphone zu ersetzen: „Wenn meine Tipps auch nur einem weiterhelfen, dann hat es sich gelohnt“, versprühte Fiona Maguire auf der Bühne des MoJoFests ihren Spirit. Sie teilte ihn mit den meisten der 450 angereisten Teilnehmer_innen und Referent_innen.

So viele Smartphone-Jünger waren für die letzten drei Maitage erneut aus der ganzen Welt in das kleine Örtchen Galway an der irischen Atlantikküste gekommen. Der Gemeinschaftsgeist inspiriert derart, dass viele der Journalisten die Reisekosten und den Eintritt aus eigener Tasche zahlen. Sie wollen lernen, mit welchen Tools, welchen Produktionsmethoden und Apps sich die gesamte Technik eines mobilen Fernsehstudios in die Hosentasche stecken lässt.

Das smarte Fernsehstudio

Fiona Maguire ist gelernte Journalistin. Daraus, dass sie gerade zum dritten Mal Mutter wird, hat sie sich einen neuen Broterwerb geschaffen: Sie bloggt, genauer ist Video-Bloggerin, also Vloggerin. Das Thema lag nahe: Als @Mamma_Magic teilt sie in ihren mit dem Smartphone produzierten Videos ihre Erfahrungen als Mutter – zum Langzeitstillen, über Schwangerschaftsdepressionen, Kindererziehung, gesunde Ernährung oder Yoga. Sie hat sich damit nicht nur von den Produktionsmitteln der Fernsehsender unabhängig gemacht, sondern verzichtet auch auf deren Namen, Marktmacht oder Sendelizenz und wird selbst zu ihrer Medienmarke: Mamma Magic.

Ihr Mann unterstützt sie dabei nicht nur moralisch, sondern auch mit technischer Expertise. Glen Mulcahy war bis Ende 2017 Chefdenker für Innovationen bei RTE in Dublin. In seinem Amt beim irischen öffentlich-rechtlichen Sender hat er die ersten drei Konferenzen für mobile Journalisten – MoJo – unter dem Namen MoJoCon ausgerichtet. In diesem Jahr ist er der alleinige Veranstalter und hat gut 400 Journalisten und Medienproduzenten von allen Kontinenten nach Irland locken können.

Galway als Hotspot für mobile Innovationen

Die ersten beiden Konferenzen hatten in Dublin stattgefunden, dann folgte Galway, die Stadt, die schon in den 70ern die deutschen Hippies und Aussteiger wie die Fliegen anzog. Heute punktet sie bei jungen Leuten mit ihrem Ausgehviertel, mit gefühlt mehr Pubs und Restaurants, als in den engen Gassen des Quartier Latin und im Westend Häuser stehen. Abends wird die Konferenz im Pub fortgesetzt. Dort werden nicht nur Kontakte geknüpft, sondern da gibt es die wirklich wichtigen Tipps von den Fachleuten, die tagsüber auf der Bühne gestanden haben.

Für viele Teilnehmer ist das Produzieren mit dem Smartphone wie eine Erfüllung ihrer Träume. Kosten werden gesenkt, Produktionen sind deutlich schneller und die Distanz zwischen Journalisten und Interviewpartner wird kleiner. Das gilt vor allem für Videos. Die meisten hochwertigen Smartphones mit Neupreisen zwischen 500 und 1000 Euro ersetzen teuere Kameras fast komplett. Die Materialqualität ist durchaus vergleichbar, wenn die Videos für eine Online-Veröffent­lichung gedacht sind. Auch Smartphone-Fotos haben hohe Qualität. Sie stehen in vielen Fällen einer Aufnahme mit einer Spiegelreflexkamera kaum nach und eröffnen zudem neue Blickwinkel, die mit größerem Equipment kaum erzielbar wären.

TV-Sender nutzen Smartphones

Auch TV-Sender versuchen von der neuen Produktionsweise zu profitieren. Die irische RTE oder auch die britische BBC gehören zu den Vorreitern. Bei RTE sind eine Reihe von Reportern über die teils einsamen Landstriche verteilt, die mit dem Smartphone nicht nur das Produktionstool immer dabei haben, sondern auch den Sender. Zumindest so weit, dass sie ihr Videomaterial gleich vom Gerät per Mobilfunk in die Redaktion schicken, wo früher noch Datenträger über Stunden an den Schnittplatz transportiert werden mussten. Auch das Schneiden und Vertonen der Bilder passiert mit dem Smartphone.

Bei der BBC wurde dafür sogar eine spezielle App entwickelt, die nicht nur bei der Aufnahme des Videos unterstützt, sondern auch den Versand und das Einpflegen in das Redaktionssystem übernimmt. Chefkameramann Duncan Stone erzählte aber beim MoJoFest, dass einige Kollegen erst mühsam überzeugt werden mussten, probeweise auf das große Equipment zu verzichten. Zudem griffen sie zu einem Trick, die Widerstände in der Senderegie zu umgehen. Bei einigen Beiträgen für die Nachrichtensendungen wurde erst nachträglich verraten, dass die Berichte komplett mit dem Smartphone gefilmt und geschnitten wurden.

Widerstände gegen den zunehmenden Einsatz von Smartphones in der TV-Produktion gibt es vor allem, wenn es um Arbeitsverdichtung geht. Wenn es keine Ü-Wagen, Sendestudio oder Cutter mehr gibt, heißt das auch, dass der Reporter alles selbst machen muss. Ein Aspekt, der bei der MoJoFest-Konferenz aber nicht diskutiert wurde.

 

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