Noch nicht bereit für die geforderte Vielfalt

Ausbildung für Journalismus im Multimedia-Zeitalter

„… hinzu tritt die Vermittlung von Kenntnissen der Layout- und Umbruchtechnik (sowie) der Arbeit mit einem ggf. vorhandenen rechnergesteuerten Redaktionssystem …“ Diese spärlichen Worte finden sich zum Thema Umgang mit der Technik im Tarifvertrag für das Redaktionsvolontariat.

Und im Kommentar zum (section) 3 „Ausbildungsziel“ heißt es ausdrücklich: „Auch hier geht es nicht darum, daß Volontärinnen und Volontäre berufsfremde Tätigkeiten erlernen, die durch andere Tarifverträge anderen Berufsgruppen zugeordnet sind. Vielmehr geht es darum, Kenntnisse in diesen Techniken zu haben, um mit den in diesen Bereichen tätigen Kolleginnen und Kollegen kompetent zusammenarbeiten zu können.“

Die Wirklichkeit spricht in der Mehrzahl der Redaktionen längst eine andere Sprache: Textumbruch und Seitengestaltung am Bildschirm gehört für die meisten Tageszeitungsredakteurinnen zum Berufsalltag, entsprechend lernen auch die Volontäre mit der Software umzugehen. Je benutzerfreundlicher die Programme wurden, desto williger ließen sich Redakteure und auch deren Nachwuchs darauf ein, sich diese Fertigkeiten anzueignen. Schon unter „normalen Tageszeitungsbedingungen“ also muß der Ausbildungstarifvertrag in dieser Frage als überholt gelten. Umso drastischer sichtbar werden seine weißen Flecken jedoch, wenn man über Journalismus im Zeitalter von Multimedia spricht.

Wie muß eine angemessene Ausbildung für Journalistinnen aussehen, wenn die Grenzen zwischen den Medien fließend werden, wenn Texte, Bilder und Töne in ein mediales Produkt integriert werden? Diese Frage stand im Mittelpunkt des Ausbildungsseminars im April in Lage-Hörste. Bislang, so ließ sich schnell konstatieren, spielt Multimedia in der Journalistenausbildung keine Rolle: Bei der Studentin an der Uni genauso wenig wie beim freien Mitarbeiter einer Lokalzeitung oder der Volontärin einer öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt. Schillernde Begriffe wie Datenautobahn und Multimedia werden von Journalisten offenbar eher zu Worten des Jahres hochgeschrieben als daß sie sich selbst mit deren Inhalten auseinandersetzen.

Daß es auch anders geht, demonstrierten Lothar Hausmann und Kai Strieder vom Institut für Journalistik der Uni Dortmund. Neben einer Einführung in die technischen Voraussetzungen digitaler Kommunikation, die ökonomischen Konsequenzen internationalen Datenaustauschs und die Folgen für das journalistische Arbeiten, sorgten Beispiele für Anschaulichkeit. Die Campuszeitung der Dortmunder Uni findet sich als InDoNet im Netz der Netze. Daß die meiste Arbeitszeit an diesem Produkt in strukturelle, organisatorische und technische Probleme fließt, mag manchen, der journalistische Innovation erwartet hatte, ernüchtert haben. Doch auch für journalistische Neuerungen gab es Beispiele: So bietet der Transfer-Brief der Universität Dortmund das Interview mit dem nordrhein-westfälischen Wirtschaftsminister Clement neben der Printfassung in seiner online-Version auch im O-Ton an – wenn auch in einer Tonqualität, die zu wünschen übrig läßt. Deutlich wird dabei, daß vielfältige journalistische Tätigkeiten gefragt sind – immerhin muß neben der autorisierten schriftlichen Fassung auch eine sendefähige akustische Version des Interviews vorliegen. Zugleich wird die Arbeit von Journalisten transparenter: Die User können nun die Unterschiede zwischen einem schriftlichen und einem gesprochenen Interview wahrnehmen und sich schnell und unkompliziert mit Kommentaren zu Wort melden.

Doch was bedeutet das für die künftige Arbeit von Journalistinnen? Ist allein die eierlegende Wollmilchsau gefragt? Der Journalist mit Kamera, Mikrophon und Notizblock, der gleichzeitig und aktuell alle Medien beherrschen und bedienen muß? Daß ein solcher Rundumschlag zwangsläufig zu Lasten der Qualität gehen muß, darin waren sich Volontärinnen, Freie und Studierende einig. Deutlich wurde aber auch, daß Grundlagen im journalistischen Umgang mit allen drei Medien – Print, Hörfunk und Fernsehen – stärker als bislang Teil der Ausbildung werden müssen. Die ausschließliche Konzentration auf ein Medium erscheint angesichts der technischen und inhaltlichen Veränderungen im Journalismus zu kurz gegriffen – eine Erkenntnis, die für freie Journalistinnen schon längst den Alltag bestimmt.

Wenn der Ausbildungstarifvertrag im kommenden Jahr neu zur Verhandlung steht, gilt es diese Fragen mit den Verlegern zu diskutieren.mal

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