Steiniger Pfad zum „Traumjob“

Arbeit beim Lokalfernsehen wie beim Brandenburger OHV-TV ist Ausbeutung pur

In der Berufswahl stehen Jobs beim Fernsehen für viele junge Menschen hoch im Kurs. Um den Einstieg in ein Arbeitsfeld zu finden, dem immer noch ein Hauch des Exklusiven anhängt, sind Praktika, Volontariate und Umschulungen auch bei kleinen Lokal-TV-Sendern heiß begehrt. Deren schwierige finanzielle Situation und eine oft geringe unternehmerische Qualifikation der Betreiber führen jedoch häufig zu Ausbeutung pur – wie ein Erfahrungsbericht vom Brandenburger Oberhavel-TV (OHV-TV) zeigt.

Als einziger Angestellter arbeitete der ausgebildete Kameramann Dieter Hilpmann etwa ein halbes Jahr beim nördlich von Berlin ansässigen Sender OHV-TV. Vertraglich eingestellt war er als Mitarbeiter für den Bereich Kamera und Schnitt. Hinzugekommen sei die Betreuung der Praktikanten und des Auszubildenden. Außerdem sollte er den Geschäftsführer und Programmverantwortlichen des Brandenburgischen Stadtkanals, Hans Jürgen Georgi, in seiner Abwesenheit vertreten.

Die Beiträge von OHV-TV sind lokal orientiert: Lokalsport, Kreis- und Gemeinderatspolitik, Statements von Ortsbürgermeistern usw. Aber auch über Straßenumbenennungen oder Schwertransporte, die durch den Kreis tuckern, wird berichtet. Eine Sendung dauere zwischen 20 und 30 Minuten, sie bestehe meist aus zwei bis drei Beiträgen. Nach der Produktion wird die Sendung auf DVD gespielt und mit dem Auto zu einer Kabelkopfstation gebracht. Dort steht ein DVD-Player auf Endloslauf; wenn die 20 Minuten rum sind, springt er zum Anfang. Das Programm wechselt dienstags und freitags.

Im Prinzip findet Hilpmann Sender wie OHV-TV gut: „Die haben ihren Platz, ihre Berechtigung und ihr Publikum.“ Die Leute akzeptierten das Programm, wollten wissen, was in ihrem und dem Nachbarort passiere. Der Bedarf sei also da, aber vielen der Kabelanschluss zu teuer. Allerdings werde das Programm nicht über Antenne oder per Satellit ausgestrahlt. So beträgt die technische Reichweite rund 36.000 verkabelte Haushalte, der Veranstalter hat daraus eine theoretische Reichweite von 80.000 Personen hochgerechnet. Auch über DSL-Internet ist OHV-TV zu sehen.

Die Ehefrau des Betreibers mache die Buchhaltung, eine freiberufliche Marketingfrau soll Werbekunden ran holen, so Hilpmann. Die Finanzierung laufe ausschließlich über Werbespots, oft wie im Kino mit Dias oder Texttafeln. Und so manches mal bewegen sich Fahrzeuge eines bekannten Autohauses der Region werbewirksam durchs Bild. Doch das reicht offenbar für eine ordentliche Finanzierung nicht.

Hausgemachter Stress

Leider würden Firmen wie OHV-TV die Situation auf dem Arbeitsmarkt und die Illusionen junger Leute ausnutzen, so Hilpmann weiter. Georgi beschäftige nur Leute, die ihn nichts oder zumindest fast nichts kosten: Als er dort arbeitete, habe es einen, vom Arbeitsamt finanzierten Umschüler gegeben, außerdem einen Praktikanten, der kurz vor seinem Berufsabschluss stand. Hinzu kamen Schülerpraktikanten im fliegenden Wechsel. Alle wurden voll eingesetzt. Allerdings, räumt der Kameramann ein, sei Georgi wohl gar nicht in der Lage, seine Leute richtig zu bezahlen. Hilpmann selbst war wegen eines Ortswechsels arbeitslos geworden. Eine Personalserviceagentur habe ihn mit dem Hinweis an den Lokalsender vermittelt, dass dieser nur 1.000 Euro zahlen würde. Zur Teilfinanzierung dieses Gehaltes habe Georgi befristet Geld vom Arbeitsamt bekommen.

Die redaktionellen Mitarbeiter seien alles Freie. Sie bekämen pro Beitrag 50 bis 100 Euro, am Wochenende 120 Euro, sagt Hilpmann. Arbeitszeiten zwischen 9 und 12 Stunden am Tag seien üblich, manchmal auch bis zu 14 Stunden. Weil es kein vernünftiges Arbeitssystem gäbe, säßen die beiden Kollegen, die die Sendung fertig stellen müssen, manchmal bis vier Uhr morgens dort. Bei einer guten Arbeitsorganisation könne man es schaffen, bis abends um neun mit der DVD fertig zu sein, ist sich Hilpmann sicher.

Er beklagt vor allem die mangelnde unternehmerische Professionalität. Nicht nur die Arbeitsorganisation, auch die Technik sei in desolatem Zustand gewesen. „Es gab kein Gerät ohne Macke.“ Die Beta SP-Kameras seien jahrelang nicht gewartet worden, auch die anderen Geräte funktionierten nur schlecht: „Wenn man jeden Morgen erst eine Stunde fummeln muss, um alles in Gang zu kriegen, ist das hausgemachter Stress.“

Einem Unternehmer müsste daran gelegen sein, dass die Betriebsmittel funktionieren und optimal in Schuss sind. „Wenn die Technik in Ordnung ist, kann man damit auch mehr verdienen“. Auch bei knappen Finanzen müsse sich ein Unternehmen dafür irgendwie Geld besorgen. In Hilpmann wollte Georgi jedenfalls nicht investieren. Pünktlich nach Auslaufen der Arbeitsamtförderung, wurde ihm mitgeteilt, dass sein Vertrag nicht verlängert werde.

 

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