Übergriffe auf Medien noch besser erfassen

Reporter ohne Grenzen setzt sich weltweit für Pressefreiheit und ungehinderte Arbeit von Journalist*innen ein - auch in Deutschland. Foto: Christian von Polentz

Reporter ohne Grenzen (RSF) meldet: 2020 sei die Zahl von Angriffen auf Journalistinnen und Journalisten in der Bundesrepublik deutlich gestiegen. Um Übergriffe künftig besser dokumentieren und prüfen zu können, hat die Organsation eine spezielle Meldeadresse eingerichtet. Dorthin können Medienschaffende in Deutschland Fälle von Gewalt nun direkt und eigenständig melden. Die E-Mail-Adresse lautet:  uebergriffe@reporter-ohne-grenzen.de.

Laut Reporter ohne Grenzen werde es immer zeitaufwändiger und schwieriger, alle Angriffe auf Medienschaffende nachzuverfolgen und zu verifizieren. RSF verzeichnete im vergangenen Jahr einen deutlichen Anstieg der Angriffe gegen Journalistinnen und Journalisten in Deutschland. Insbesondere im Zusammenhang mit den landesweiten Demonstrationen gegen Corona-Maßnahmen sei es zu verstärkter Gewalt und zu Behinderungen journalistischer Arbeit gekommen, erklärt RSF. Die Organisation kündigte an, nach Prüfung aller dokumentierten Meldungen wie in jedem Jahr Ende April die Gesamtzahl der verifizierten Fälle ausführlich in der „Nahaufnahme Deutschland“ zu veröffentlichen.

Reporter ohne Grenzen hatte 2015 erstmals eine deutliche Zunahme von Gewalt gegen Journalistinnen und Journalisten in Deutschland registriert. Mindestens 39 gewalttätige Übergriffe zählte RSF damals – vor allem im Rahmen von Demonstrationen der Pegida-Bewegung, bei Kundgebungen rechtsradikaler Gruppen oder auf Gegendemonstrationen.

In den Jahren 2016 und 2017 sank die Zahl der Übergriffe merklich, stieg 2018 erneut – speziell im Zusammenhang mit Protesten rechtspopulistischer Gruppen Ende August und Anfang September in Chemnitz – auf mindestens 22 dokumentierte Fälle. 2019 sank sie wiederum auf 13.

Die Statistik umfasst laut RSF lediglich tätliche körperlich Angriffe auf Medienschaffende oder auf ihre Ausrüstung sowie Attacken auf Redaktions- und Wohngebäude oder Autos von Journalistinnen und Journalisten. Nicht dazugezählt würden andere Behinderungen journalistischer Arbeit, etwa Platzverweise und Durchsuchungen durch die Polizei. Solche, aber auch verbale Drohungen gegen Journalistinnen und Journalisten flössen zwar nicht in diese offizielle Statistik ein, würden aber von Reporter ohne Grenzen intern dokumentiert.

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