Zertifikate für Kollegen aus Afrika und Asien

Internationales Institut Berlin-Brandenburg bildet Rundfunk- und Bildjournalisten aus

In den ersten Maitagen erhielten nach einem siebenwöchigen Lehrgang erneut 11 jüngere Rundfunkjournalisten aus 10 Ländern Asiens und Afrikas ihre Zertifikate am Internationalen Institut für Journalistik Berlin-Brandenburg IIJB. Seit nunmehr vier Jahren läuft der Lehrbetrieb vor den Toren Berlins in Hoppegarten in einer neu erbauten, modernen Bildungsstätte.

Sie kamen aus Eritrea, Nepal, Kenia, den Philippinen, Ruanda, Tansania, Sierra Leone, von den Seychellen, aus Vietnam und Uganda. Gemeinsam mit den Gastlektoren und Dozenten des Instituts wurden in Arbeitsgruppen Funkbeiträge an modernen digitalen Schnittplätzen erarbeitet und ausgewertet. Begegnungen mit der deutschen Medienwirklichkeit führten sie zum SFB-Inforadio und zu Hundert,6, der Deutschen Welle, ins Bundespresseamt und in den Bundestag sowie zum ORB, zu Antenne Brandenburg.

Bessere Berufschancen

Ein weiterer Zweck dieser Lehrgänge am IIJB liegt in der interkulturellen Begegnung im Kurs durch die gemeinsame Arbeit zum Beispiel einer jungen nepalesischen Journalistin mit einem Kollegen aus Eritrea. Die 22jährige Gehine Joshi aus Katmandu arbeitet nach einer Ausbildung im Tourismusmanagement seit einiger Zeit beim dortigen Sender Metro FM 106. Die junge Kollegin hatte, in Nepal für Frauen noch eher ungewöhnlich, zuerst eine Nebenbeschäftigung im Rundfunk aufgenommen und spezialisiert sich beruflich jetzt auf die Berichterstattung über Wirtschafts- und lokale Themen. Schon seit 14 Jahren im Beruf ist Paulos Netabay Abraham vom staatlichen Radio Eritrea in Asmara. Nach einem Wirtschaftsstudium hatte er im eritreischen Befreiungskampf begonnen, als Reporter zu arbeiten. Beide sind zum ersten Mal in Deutschland, für beide sind die Abschlüsse am IIJB sehr wichtig, erhoffen sie sich dadurch doch noch bessere Berufschancen in ihrer Heimat. Bowling, Stadtbummel in der Berliner City, Kino- und Museumsbesuche bestimmen das Freizeitprogramm.

Jeweils im Herbst ergehen vom IIJB Angebote an asiatische und afrikanische Kooperationspartner, seien es Verlage, Sender und Redaktionen oder journalistische Berufsverbände. Auch individuelle Bewerbungen können berücksichtigt werden. Berufliche Vorkenntnisse sind Voraussetzung, die Altersbegrenzung liegt bei 25-35 Jahren. „Aus unserer Erfahrung wissen wir, dass für viele unserer Absolventen ein erfolgreicher Abschluss am IIJB einen Schritt auf der Karriereleiter bedeutet. Der kenianische Teilnehmer an unserem letzten Fotokurs ist zum Beispiel inzwischen Leiter der Bildabteilung der „Nation“ in Nairobi geworden. Nach wie vor können wir uns über einen Mangel an Interessenten nicht beklagen und müssen eine sorgfältige Auswahl treffen. Ernsthaftigkeit der journalistische Bestrebungen sind nachzuweisen, und wir sind sehr daran interessiert, jüngere Journalistinnen weiterzubilden, laden bei vergleichbarer Ausgangsqualifikation Frauen bevorzugt ein“, so Geschäftsführer Dr. Rüdiger Claus.

Zwei Lehrgänge im Jahr

Von den 11 Teilnehmern des gerade abgeschlossenen Kurses waren fünf Frauen, darunter erstmals zwei junge Journalistinnen aus Nepal. Die Vermittlung von Erfahrungen bei der Recherche im Internet ist in den letzten Jahren wichtiger Bestandteil des Ausbildungsprogramms geworden. Insgesamt finden zwei Lehrgänge pro Jahr mit einer Dauer von je sieben bis acht Wochen im Frühjahr in der Regel für Rundfunkjournalisten und im Sommer für Bildjournalisten aus asiatischen und afrikanischen Ländern statt. Außerdem führen Lehrkräfte des IIJB regelmäßig Seminare, Workshops und Kurse vor Ort im Ausland durch, unter anderem in mehreren Staaten Nordwestindiens sowie in Zusammenarbeit mit dem Kommunikationstrainingszentrum der Allafrikanischen Kirchenkonferenz AACC in Nairobi. Die Kosten für den Aufenthalt im Lande werden dann von dem jeweiligen Partner getragen. Ansonsten erfolgt die Finanzierung der Arbeit des Instituts größtenteils aus den noch vorhandenen Kapitalbeständen des Solidaritätsfonds des Journalistenverbandes der DDR.

Weniger Zuwendungen

In diesem Jahr wird das Institut allerdings keine ergänzenden Zuwendungen aus dem Brandenburger Landeshaushalt mehr erwarten können, da die Mittel für die entwicklungspolitische Zusammenarbeit gestrichen wurden. Man will sich weiter nach Sponsoren umsehen. Ohnehin müssen die Lehrgangsteilnehmer bzw. die entsendenden Verlage und Journalistenverbände seit einigen Jahren die Flugkosten selbst bestreiten, was nicht in jedem Fall möglich ist. Dr. Claus gibt zu überlegen, ob nicht in Härtefällen aus Mitteln des Berliner Solidaritätsbasars der Journalisten das eine oder andere Ticket übernommen werden könnte.

Gern sieht sich das IIJB auch als Dienstleister für Stiftungen und andere entwicklungspolitische Institutionen, denen Know-how, Lehrkräfte und Einrichtungen zur Verfügung gestellt werden können. Im vergangenen Jahr fand gemeinsam mit der Heinrich-Böll-Stiftung ein Workshop zum Thema Umwelt- und Frauenpolitik in Katmandu statt, und im Herbst dieses Jahres wird man wieder anlässlich einer internationalen Konferenz zum Lokalen Rundfunkjournalismus in Nepal kooperieren.

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