Der Mann auf dem Hühnerberg

Sendertechniker Karl Deffner auch für ver.di viel unterwegs

Flug DI 7545 aus Berlin-Tegel: die Maschine landet um 16 Uhr auf dem Nürnberger Flughafen. Die Passagiere strömen in die Ankunftshalle, auch Karl Deffner ist dabei. „Ich habe eine braune Lederjacke an und ziehe einen Trolly mit BR-Aufkleber hinter mir her. Daran erkennen Sie mich“, hat sich Deffner am Telefon beschrieben. Jetzt steuert er auf das Flughafen-Bistro zu, das Handy am Ohr. Er war in Sachen Medien unterwegs und kommt gerade von einer Versammlung, die das Entstehen der neuen Bundesfachgruppe Medien mit vorbereitet. Im Gepäck hat er sein Notebook, mit dem mobilen Computer kann er die Reisezeiten in Flugzeug und Bahn gut nutzen.

Auf Achse zu sein ist für Deffner Alltag, denn einen guten Teil seiner Arbeitszeit nehmen inzwischen seine Aufgaben als Personalrat beim Bayerischen Rundfunk (BR) ein. Dafür ist er oft in ganz Bayern unterwegs. Der Tacho seines Autos zählt im Jahr ungefähr 30.000 Kilometer, etwa dreimal pro Woche fährt er von Nördlingen nach München. Doch auch für ver.di investiert er viel Zeit und kommt immer wieder nach Berlin.
Karl Deffner ist „Sendertechniker“ und legt besonderen Wert auf das „r“. Denn mit einem „Sendetechniker“ ohne „r“, der während der Sendung im Studio die Technik managt, hat er nicht viel gemein. Er leitet die Sendestation auf dem Hühnerberg bei Nördlingen. Seine Auf­gabe, der Betrieb und die technische Wartung der Sendeanlage, hat mit dem Ablauf der Sendungen im Studio ganz und gar nichts zu tun. „Ich sage immer, wir reparieren Sender bevor sie kaputt gehen“, erklärt Deffner seine Arbeit auf der Station, für die er die Verantwortung hat.
Wenn er morgens dort ankommt, sieht er erst einmal nach dem Rechten, checkt den Stand der Dinge. Dann be­richten ihm seine Mitarbeiter über die Ereignisse während ihrer Arbeitszeit. Die drei Techniker auf der Station arbeiten im Schichtdienst längere Zeit am Stück und haben anschließend frei. Die Zeitgestaltung kommt Deffner sehr entgegen, weil er so Zeit für seine anderen Aktivitäten hat.
Den ganzen Tag über kontrolliert er den Ablauf der Senderfunktionen. Schließlich teilt er die Kollegen ein, denn er ist auch für die Personaldis­position verantwortlich. Deffner bestellt bei Bedarf aber auch Ersatzteile und nimmt Kontakt zu Firmen auf, die er mit den Reparaturaufgaben beauftragt, die die Techniker vor Ort nicht selbst erledigen. Kürzlich brannte ausgerechnet an einem Sonntag ein Verteiler ab. Das Ersatzteil war zwar da, aber ein Stecker fehlte. Die Techniker arbeiteten fieberhaft an einer Lösung, bis die Anlage wieder voll funktionierte – und die Zuschauer merkten davon nichts. Der Sender läuft in solchen Fällen für kurze Zeit mit verminderter Leistung, was allerdings nicht sichtbar ist.

Alter Hase mit eigenem Kopf

Sehr wichtig nimmt Karl Deffner seine Funktion als Personalrat des BR, dem er seit vielen Jahren angehört. Bei Einstellungen von neuen Mitarbeitern bestimmen die Ratsmitglieder mit, bei Entlassungen werden sie angehört. Auch bei der Veränderung und der Gestaltung von Arbeitsabläufen haben die Personalräte ein Wörtchen mitzureden. Parallel dazu engagiert sich Karl Deffner seit etwa 25 Jahren auch bei ver.di und ist damit schon ein „alter Hase“. Er sitzt unter anderem in der Tarifkommission. „Zeitweise verbringe ich die Nächte für ver.di auf der Straße, bin an Wochenenden und am Feierabend unterwegs. Diese Zeit bezahlt mir zwar keiner, aber es macht mir viel Spaß“, sagt Deffner. Bei den Konferenzen fällt er als „eigener Kopf“ auf: „Bei manchen Sachen kann ich schon ganz schön penetrant sein“, gesteht er, sieht das aber nicht negativ. Er eckt zum Beispiel an, wenn er ungewöhnliche Vorschläge zur Organisation der Gewerkschaft macht. Aber auch, wenn er Fremdwörter und die überall ­üblichen Anglizismen ablehnt, gibt es ­Diskussionen. „,Migration der Telefon­anlage’, das hört sich doch gut an, oder? Als könnte man das nicht anders ausdrücken“, spöttelt Deffner.
Wie kam der gelernte Radio- und Fernsehtechniker auf den Hühnerberg? Die Wurzeln für seinen Berufswunsch liegen in der Zeit, als die Landratte Karl Deffner seine Bundeswehrzeit bei der Marine an der Nordsee absolvierte, eine wichtige Episode in seinem Leben. Er war Funker auf dem Marineflugplatz und kam dabei so richtig auf den Geschmack. Funk und Fernsehen – schon früh zeichnete sich ei­ne gerade Linie in seinem Berufsleben ab.
Als er seinen Beruf erlernt und eine Zeitlang gearbeitet hatte, wurde ihm bewusst: „Ich wollte nie bis zur Rente in der Werkstatt stehen und Fernseher reparieren“. So bewarb er sich vor fast 36 Jahren beim BR und wurde eingestellt. „Damals hatten wir Röhrentechnik, das war Technik zum Anfassen“, erinnert sich Deffner. Jetzt laufe alles mit Transistoren, das sei Mechanikerarbeit.
Wird sich viel für die Sendertechniker ändern, wenn der Sendebetrieb nach und nach auf digitale Funktionsweise, also DVTB, umgestellt wird? „Welche Stand­orte übrigbleiben, müssen wir sehen, aber es wird sich einiges ändern“, meint Karl Deffner. Für sich persönlich sieht er das gelassen, denn er hat nicht mehr allzu viele Berufsjahre vor sich.
Hat der rührige Schwabe auch Hobbies? Tatsächlich: „Personalrat und Gewerkschaft“, kommt es wie aus der Pistole geschossen. Viel Freude hat er aber auch an seinem Enkel. „Der Bub ist mit 20 Monaten gerade im besten Alter“, begeistert sich Deffner, der hin und wieder gern ein Gläschen Rotwein trinkt, Bier rührt er kaum mehr an. „Das schwemmt auf und ich bin froh, dass ich 30 Kilo losgeworden bin“, berichtet er stolz. Der Multifuniktionsmann liebt Radfahren und Reisen. Er fährt gerne mit dem Wohnmobil nach Italien und Griechenland – unterwegs zu sein gehört bei ihm einfach zum Leben.

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