Der Schriftsteller Dieter Lattmann

Dieter Lattmann
Foto: dpa/Tobias Hase

Ein Wanderer zwischen Literatur und Politik

„Mit Dieter Lattmann verlieren wir eine große Persönlichkeit, die die bundesrepublikanische Zeitgeschichte mit geprägt hat“, erklärt Eva Leipprand, Vorsitzende des Verbands deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller. „Er hatte die Fähigkeit, die Rei­bung zwischen Literatur und Politik in vielfältiger Weise fruchtbar werden zu lassen. Insbesondere wir Schriftstellerinnen und Schriftsteller haben ihm dafür zu danken.“

In der Ära Willi Brandts, als plötzlich vieles möglich schien, gelang es ihm, die Schriftstellerinnen und Schriftsteller in einem Gesamtverband zusammenzuführen und als Gründungsvorsitzender ihren Anliegen in der Politik Gehör zu verschaffen. Gemeinsam mit Heinrich Böll, Günter Grass, Martin Walser, Ingeborg Drewitz und anderen Autorinnen und Autoren setzte er sich im 1969 gegründeten VS, dem Verband Deutscher Schriftsteller, für eine Anbindung an die Gewerkschaft IG Druck und Papier ein. Er prägte auch den Begriff „Einigkeit der Einzelgänger“, der als Motto über dem 1. Schriftstellerkongresses 1970 in der Stuttgarter Lieder­halle stand.

1972 bis 1980 war Lattmann Mitglied des Deutschen Bundestages, wo er sich nicht nur für seinen Allgäuer Wahlkreis, sondern auch unermüdlich für die Sache der Schriftstellerinnen und Schriftsteller einsetzte. Die Novellierung des Urheberrechts, die Durchsetzung des Bibliotheksgroschens sowie das 1981 beschlossene Künstlersozialversicherungsgesetz sind für immer mit seinem Namen verbunden. Die Künstler­sozialkasse ist eine Errungenschaft, die die soziale und wirtschaftliche Lage aller Kreativen entscheidend verbessert hat.

Dieter Lattmann zeigte immer eine klare politische Haltung, so die VS-Vorsitzende Eva Leipprand, und war auch eine der zentralen Figuren der Friedensbewegung der 80er Jahre. Politisches Denken gibt seinen Büchern ihre spezielle Färbung. Lattmann konnte, wie er selbst sagte, „Politik und Literatur nicht trennen“. Die in regelmäßigen Abständen erscheinenden Werke – „Die gelenkige Generation“, „Mit einem deutschen Pass. Tagebuch einer Weltreise“, „Die Einsamkeit des Politiker“, „Die Brüder“, „Jonas vor Potsdam“ und andere mehr – sind jedes für sich ein eigenes Ab- und Überschreiten der Grenzen zwischen Literatur und Politik. In seinem Schreiben pflegte er einen klaren, jedes Klischee vermeidenden Stil, der vor keiner Wahrheit Halt machte, auch vor keiner Selbsterkenntnis, so tiefgehend sie sein mochte. Diesen Ernst konnte man auch in der persönlichen Begegnung mit Dieter Lattmann spüren; alles, was er sagte, hatte Bedeutung, Zusammenhang und Gewicht.

Der VS dankt seinem Ehrenvorsitzenden für alles, was er für die Schriftstellerinnen und Schriftsteller getan hat, und wird ihm immer ein ehrendes Andenken bewahren.


Aktuelle Meldungen und Veranstaltungstermine

sowie nützliche Tipps des _Verbandes Deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller in ver.di finden sich auf der Website: https://vs.verdi.de

 

 

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